Mittwoch , 28. September 2022
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Die Digitalisierung der Medizin – Wie profitieren Patienten und Patientinnen?

Die Digitalisierung des Alltages schreitet stetig voran. Vieles konnte innerhalb der letzten Jahre für den Menschen nicht nur einfacher, sondern vor allem sicherer gemacht werden. Daran orientiert sich auch die Medizin. Sie nutzt Konzepte wie Big Data und den Einsatz von Telekommunikation sowie Informatik für sich. Die medizinische Versorgung und Behandlung von Patienten profitieren hiervon vielseitig.

Science-Fiction Filme haben ein Bild der Zukunft in den Köpfen manifestiert, das viele Menschen eine falsche Vorstellung der digitalen Medizin vermittelt. So stellen sich die meisten Menschen Roboter-Krankenschwestern vor, Kapseln, in denen eine umfassende Heilung geschehen kann oder Wundermittel, die jede Krankheit heilen können. Die digitalisierte Medizin ist hingegen anders gestaltet. Sie ist fernab von Science-Fiction, bietet den Menschen von heute jedoch deutliche Annehmlichkeiten, mehr Sicherheit und die Chance auf eine umfassendere, angepasste Behandlung.
Welche Vorteile können Sie schon heute aus der Digitalisierung der Medizin ziehen? Wie wirkt sich die Optimierung auch auf Sie als Patient oder Angehöriger aus?

Raus aufs Land – Behandlung auch auf dem Dorf verfügbar machen

Nicht nur im Landkreis Lüneburg macht sich der demografische Wandel deutlich bemerkbar. In ganz Deutschland zeichnet sich ein deutliches Bild ab. Zum einen werden die Menschen immer älter – zum anderen zieht es die junge Generation raus aus den kleinen Dörfern. Der demografische Wandel führt nun dazu, dass auf den Dörfern mehr alte Menschen leben, die auch älter werden. In Studien konnten Experten und Expertinnen nachweisen, dass sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Deutschland seit 1881 um mehr als 40 Jahre erhöht hat. Wer früher gerade einmal 40 Jahre alt wurde, kann heute um ein Vielfaches älter werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Frau liegt damit bei 83,5 Jahren - bei Männern bei 78,6 Jahren. Dass es zu einem solch drastischen Altersanstieg kommt, liegt insbesondere an der gesteigerten medizinischen Versorgung.

Auf dem Land leben damit immer mehr alte Menschen, was eine umfassende medizinische Versorgung vor Ort vonnöten macht. Hierbei kommt die digitalisierte Medizin zum Einsatz. Im Fachjargon spricht man dabei von der Telemedizin. Sie vereint die Teilgebiete der Kommunikation, Informatik und selbstverständlich der Medizin.
Telemedizin stellt beispielsweise die Möglichkeit bereit, einen Arzt oder eine Ärztin ohne Besuch vor Ort mit dem Patienten in Kontakt zu bringen. Per Videochat sowie Überwachung von übertragenen Gesundheitsdaten, lassen sich manche Arztbesuche ersetzen.

Doch nicht nur alte Menschen profitieren von den vielseitigen Lösungen der Telemedizin. Wer beispielsweise kein Auto zur Verfügung hat, körperlich beeinträchtigt ist oder durch eine hohe alltägliche Belastung kaum Zeit für einen Arztbesuch findet, nutzt die digitalisierte Medizin für sich.

Schneller, sicherer und einfacher: Das E-Rezept erleichtert den Alltag

Das E-Rezept ist bereits seit einigen Jahre in der Sprache - nun wird es zur Realität. Seit Mitte des Jahres 2021 können Ärzte und Ärztinnen verschreibungs- sowie apothekenpflichtige Arzneien per E-Rezept verschreiben. Das E-Rezept ist die digitalisierte Form des Papierrezeptes. Nachdem die Ausstellung erfolgt ist, erhalten Sie das Rezept per App auf das Smartphone oder per Mail. So können Sie es vor Ort bei einer Apotheke einlösen. Die Vorgehensweise bei der Nutzung eines E-Rezeptes beschreibt der Ratgeber von Shop-Apotheke detailliert.

Zudem geht dieser umfassende Ratgeber auf die Vorteile des digitalisierten Rezeptes ein. So profitieren Sie nicht nur von einer schnelleren Versorgung. Zudem sparen Sie sich Arztbesuche, um ein Folgerezept einzufordern. Schließlich soll die Applikation, welche Ihre E-Rezepte bereithält, einen Einblick in Ihre Medikamentengeschichte bieten. Stellen Sie diese der Apotheke zur Verfügung, kann eine weiterführende Behandlung mit einem Medikament ohne Rezept erfolgen. Zudem erhalten Apotheker und Apothekerinnen die Möglichkeit, Wechselwirkungen besser zu erkennen. Denn nun steht ein detaillierter Einblick in die von Ihnen eingenommenen Medikamente zur Verfügung. Ein weiterer Vorzug der Digitalisierung: Endlich kann ein reibungsloserer Ablauf zwischen Ärzten und Apotheken sichergestellt werden. Wer kennt nicht die kaum leserliche Schrift des Arztes oder der Ärztin. Digital sind alle Buchstaben eindeutig sowie sauber lesbar, was den Apotheker/innen eine große Last von den Schultern nimmt. Sie können sichergehen, dass stets das richtige Medikament ausgehändigt wird.

Folgerezept ausgestellt durch Apotheken – Das erwarten Experten

Wer heute ein Folgerezept benötigt, kommt um einen Arztbesuch nicht herum. Das geht mit einem großen Zeitaufwand für manch Menschen einher. Sie leben auf dem Land, benötigen beispielsweise Unterstützung beim Erreichen der Arztpraxis und der anschließenden Einlösung des Rezeptes. Experten vermuten daher, dass die Ausstellung von Folgerezepten direkt innerhalb der Apotheke zu einem gesteigerten Interesse sowie einer regelmäßigeren Medikamenteneinnahme führt. Wer nicht auf ein Medikament angewiesen ist, damit jedoch die individuelle Gesundheit verbessern kann, nutzt das Angebot der Apotheken. Hinzu kommt die bessere Anpassbarkeit der Apotheken auf eingehende Bestellungen. Die Apotheken können aus sich regelmäßig wiederholenden Medikamentenbestellungen einen Ausblick auf die Zukunft erstellen. Eine digitale Erinnerung zur Bestellung neuer Medikamente kann den Patienten daran erinnern, die neue Medikamentenpackungen zu bestellen. Zudem können Apotheken automatisiert die entsprechenden Arzneien liefern lassen.

Elektronische Patientenakten – Das bringt die Zukunft

Im Zuge der Digitalisierung soll nicht nur das Rezept von Papier zu Elektronik gewandelt werde. Patientenakten erfahren ebenso eine umfassende Digitalisierung, die dem Patienten selbst zugutekommt. Möchten Sie Ihre Patientenakte stets mitführen? Dann bietet sich die E-Patientenakte an.

Dieses elektronische Dokument stellt einen strukturierten Einblick in gemessene Blutwerte, Medikationspläne sowie verabreichte Impfungen dar. Rundum jede nennenswerte Information, welche auf einer Karteikarte in der Arztpraxis Ihres Vertrauens zu finden wäre, ist nun in der E-Patientenakte vorfindbar. Dabei profitieren Sie von dem Vorteil der Allgemeingültigkeit. Denn anders als eine Patientenakte beim Arzt vor Ort, wird das elektronische Pendant nicht beim Arzt gelagert. Es ist bei Ihnen auf dem Smartphone oder Computer vorfindbar und kann von jedem Arzt ausgefüllt werden. Möchten Sie den Arzt wechseln, müssen keine aufwendigen Datenaustausche mehr stattfinden. Kinderleicht geben Sie Ihre Patientendaten an den neuen Arzt weiter. Auch beim Auslandsaufenthalt ist dies von größtem Interesse. Denn sollte ein Unfall geschehen oder Sie unerwartet medizinische Hilfe benötigen, ist die Patientenakte für den behandelnden Arzt vor Ort ohne zeitlichen Abstand verfügbar.

Um die Vorzüge der sogenannten ePA beurteilen zu können, gilt es zu wissen, welche Daten abgespeichert werden. Im Vordergrund stehen Erkrankungen sowie ärztliche Befunde. Diese spiegeln sich beispielsweise anhand von Blutwerten oder auch Tests wider. Allergien, welche bei einem Test erkannt wurden, werden dokumentiert. Somit kann schneller und besser auf eine allergische Reaktion reagiert werden. Des Weiteren sind Röntgenbilder, CTs oder auch Ergebnisse von Lungenfunktionstest vorfindbar. Diese Dokumentationen geben Ärzten und Ärztinnen einen großen Aufschluss über zahlreiche Fragestellungen. Die digitale Verfügbarkeit spart nicht nur jede Menge Zeit bei der Behandlung ein, sondern auch den Austausch von Daten in Form von Papier. Impfungen, Dokumentationen über Schwangerschaften und Geburten sowie ein Organspendeausweis sollen die ePA abrunden. Mit der Zeit sollen weitere Aspekte hinzukommen. Diese können nicht nur Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmächte, sondern auch Medikationspläne, Informationen über chronische Erkrankungen, frühere Operationen sowie Eingriffe aufzeigen.

Wie sicher ist die ePA?

Vertrauliche Daten, Messergebnisse, Untersuchungsberichte und vieles mehr sind auf der elektronischen Patientenakte vorzufinden. Hierbei handelt es sich um höchstsensible Daten eines Menschen. Wie kann sichergestellt werden, dass es sich um ein sicheres System handelt, auf das Hacker keinen Zugriff erlangen? Dazu spricht die Regierung von höchsten Sicherheitsvorgaben beim Up- und Download der Daten durch Heilberufe. Zudem gibt es strikte Regularien, die eine solche Akte zu erfüllen hat. Einen Zugriff auf eine Patientenakte bekommen Sie nur über die Applikation Ihrer Krankenkasse. Um diese zu nutzen, muss ein 2-Faktor-Authentifizierungs-Verfahren durchgeführt werden. So bedarf es beispielsweise eines Passwortes mit anschließender Eingabe eines individuellen Codes. Dieser wird in Echtzeit auf das Smartphone gesendet. Somit können nur Personen den Zugangscode erhalten, die Ihr Smartphone in Händen halten und all Ihre Log-In Daten kennen.

Telemedizin auf dem Prüfstand – Die Videosprechstunde etabliert sich

Ein weiterer Fortschritt der Medizin ist die Telemedizin. Hierbei handelt es sich um die Fusion aus Medizin, Telekommunikation sowie Informatik. Insbesondere die Videosprechstunde setzt sich in den letzten Jahren verstärkt durch. Die Besonderheit: Als Patient oder Patientin müssen Sie keine Arztpraxis aufsuchen, um ein beratendes Gespräch mit einem Mediziner durchzuführen. Vielmehr genügen eine Internetverbindung sowie eine Kamera. Diese beiden Aspekte sind anhand der meisten gängigen Laptops, Smartphones oder Computer gegeben. Für Menschen, die in ländlichen Gegenden wohnen und nicht mobil sind, kann dies zu einem immensen Vorteil werden. Ebenso sparen sich Menschen in der Stadt Zeit und Wege. Auch chronisch Kranke profitieren von der Telemedizin. Denn die Überwachung von Blutzuckerwerten oder Blutdruck kann trotz Distanz erfolgen.

Die Telemedizin setzt sich aus zahlreichen verschiedenen Bereichen zusammen. Am Beispiel des Blutzucker-Patienten kann das Tele Monitoring zum Einsatz kommen. Ohne den direkten Kontakt zum Arzt findet eine Überwachung der relevanten Messdaten statt. Eine Veränderung der Gesundheit ist deutlich ersichtlich, sodass reagiert werden kann. Ebenso ist auch die konstante Einhaltung der gesunden Blutzuckerwerte prüfbar. Menschen, die aufgrund einer chronischen Krankheit regelmäßige Arztbesuche einplanen müssten, sparen sich sehr viel Zeit. Zudem sind sie flexibler. Denn das Telemonitoring kann beispielsweise in der Pause der Arbeitszeit, auf dem Weg nach Hause oder bequem aus dem Wohnzimmer heraus erfolgen.

Neben der Überwachung von Gesundheitswerten biete die Telemedizin auch die Möglichkeit der Telediagnostik. Hierbei handelt es sich jedoch um ein Teilgebiet, das sehr viel Aufmerksamkeit benötigt. Denn eine Diagnose, ohne den Patienten oder die Patientin je gesehen zu haben, ist nur in den seltensten Fällen möglich. Hautpraxen können jedoch aufgrund von speziellen Musterungen sowie Krankheitsbildern anhand von Fotos erste Schlüsse auf eine Krankheit ziehen. In diesem Fall biete die Telediagnostik den Vorteil, dass ansteckenden Patienten vom Zutritt zur Praxis abgeraten werden kann. Eine umfassende Beratung bezüglich der Behandlung kann kontaktlos stattfinden. Somit kann ein Befund erhoben und eine Therapie eingeleitet werden, ohne andere Patienten in Gefahr der Ansteckung zu bringen.

Forschung und Entwicklung profitiert von Big Data

Wer von der Digitalisierung der Medizin spricht, muss zeitgleich einen Blick auf die Big Data werfen. Bei Big Data handelt es sich vorrangig um die Sammlung von Techniken, welche Datenmengen speichern und analysieren. Diese immensen Datenmengen werden täglich durch die Überwachung von Patienten und Patientinnen erhoben. Doch wie lässt sich mit Big Data ein Vorteil für die Medizin generieren? Experten gehen davon aus, dass diese Big Data Sammlung nicht nur das Ziehen von Rückschlüssen ermöglichen wird. Zudem sollen neue Methoden erfunden, neues Wissen generiert und Diagnosen schneller gestellt werden. Denn die Zusammenführung der immensen Datenmengen macht eine genau Analyse einfacher möglich. Durch die Betrachtung von Daten können beispielsweise Modell entwickelt werden. Sie repräsentieren nicht nur bereits erlebte Geschehnisse, sondern machen auch einen Ausblick auf morgen möglich.
Ist Big Data erst einmal umfassend zugänglich, können spezielle Krankheitsbilder schneller enttarnt werden. Wo heute noch Therapien auszuprobieren sind, können morgen Krankheitsmerkmale durch Datenbanken gejagt werden. Sie zeigen auffällige Übereinstimmungen sofort an, sodass selbst sehr seltene Krankheitsbilder schneller erkennbar sind.

Wohin soll der Weg gehen? – Das muss E-Medizin und KI noch leisten

Die Digitalisierung der Medizin steckt noch in den Kinderschuhen. Daher stehen zahlreiche Bereiche offen, die weiterer Entwicklung benötigen. In den Augen vieler Menschen gibt es aber auch Bereiche, die niemals durch die Digitalisierung ersetzt werden können. So ist der Mensch in der Medizin unersetzlich. Schließlich stellt er nicht nur den Patienten dar, sondern erfüllt auch eine zwischenmenschliche Komponente. Pfleger und Pflegerinnen übernehmen insbesondere bei Menschen, die ihre letzten Stunden durchleben, eine entscheidende Rolle. Auch Mediziner und Medizinerinnen können bisweilen nicht weggedacht werden. Denn vollkommen gleich, wie gut Daten erhoben werden können, es bedarf des Menschen, um diese zu interpretieren.

Wissenswert ist zudem, dass die Gene des Menschen einen drastischen Aufschluss über potenzielle Erkrankungen sowie die Ursachen für Krankheiten bieten. Zwar ist es heute der KI möglich, die Sequenzen der Gene auf Krankheiten hin zu analysieren. Ob ein Mensch Diabetes bekommt oder an einem Herzinfarkt leiden wird, kann jedoch nicht von der Künstlichen Intelligenz vorhergesagt werden. Denn hierzu bedarf es eines umfassenden Blicks auf Gewohnheiten des alltäglichen Lebens sowie Umwelteinflüsse.
Warum KI oftmals in die Kritik gerät, erklärt sich, beim Blick auf die Auslöser einer Entscheidung. Mediziner und Medizinerinnen sind Menschen. Sie können nicht nur Emotionen fühlen, sondern auch ethische Entscheidungen treffen. Doch eine KI kann dies nicht. Aufgaben ausführen, strikte Anleitungen befolgen und Arbeitsabläufe durchführen ist möglich - doch wie ein Mensch zu denken, konnte bisweilen keiner KI einprogrammiert werden.

Bildquelle:
Bild von Tung Nguyen auf Pixabay