Montag , 5. Dezember 2022
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Generalistische Pflegeausbildung – Neue Ausbildung für Pflegefachkräfte

Seit Anfang 2020 gilt deutschlandweit das Pflegeberufegesetz. Ein wichtiger Teil davon ist die Modernisierung der Ausbildung zur Pflegefachkraft. Mit der generalistischen Pflegeausbildung soll der Pflegeberuf attraktiver werden. Welche Änderungen die Reform mit sich bringt, erläutern wir hier.

Durch zahlreiche Änderungen in der Ausbildung soll Interessenten der Einstieg in den Pflegeberuf erleichtert werden. Anstatt wie bisher die Ausbildungen der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Kinderkrankenpflege zu trennen, wurden diese zu einem einheitlichen Bild zusammengefasst. Dies bringt zahlreiche Vorteile für die Auszubildenden.

Welche Gründe haben zur Neuregelung der Pflegeberufe geführt?

Durch die demografische Entwicklung machen sich viele Veränderungen in der Gesellschaft bemerkbar. Nicht nur der Pflegebedarf an sich steigt, auch die Anforderungen an das Pflegepersonal tun es. Pflegekräfte in Krankenhäusern werden immer häufiger mit älteren Menschen und Demenzkranken konfrontiert, während Altenpfleger bei ihrer Arbeit im Altenheim immer häufiger auch auf Wissen aus der Krankenpflege angewiesen ist. Auch die Kinderkrankenpflege stellt heutzutage höhere Anforderungen an Pflegekräfte.

Aufgrund fehlender Praxisnähe wurden die einzelnen Ausbildungen daher zu einer generalistischen Pflegeausbildung zusammengefasst. Dank dieser sollen alle Anwärter eine qualitativ hochwertige, zeitgemäße und zukunftsfähige Ausbildung erhalten. Neu ist, dass es einen gemeinsamen Abschluss gibt. Wer die Abschlussprüfung besteht, darf fortan die Berufsbezeichnung „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“ tragen.

Mit der Pflegeberufereform soll die Ausbildung in der Pflege attraktiver werden. Gleichzeitig sollen Absolventen mehr berufliche Einsatz-, Wechsel- und Entwicklungsmöglichkeiten in allen Bereichen der Pflege erhalten.

Diese Änderungen bringt die generalistische Pflegeausbildung mit sich

Bislang gab es eine hohe Abbrecherquote bei Ausbildungen in der Pflege. Etwa 20 bis 25 % der Auszubildenden eines Jahrgangs schließen ihre Ausbildung nicht ab. Gründe dafür sind Überforderung, aber auch zu niedrige Löhne und fehlende Anerkennung des Berufs. Damit sich in Zukunft mehr Menschen für einen Beruf in der Pflege entscheiden, wurde mit der generalistischen Pflegeausbildung einiges getan, um mehr Anreize zu schaffen. Wie sich zeigt, scheint das zu wirken. Datenerhebungen des Statistischen Bundesamts belegen, dass die Zahl der Auszubildenden in der Pflege steigt, Im Jahr 2021 haben 56.300 Menschen und damit 5 % mehr als 2020 mit einer Ausbildung zur Pflege begonnen.

Im Gesetz zur Reform der Pflegeberufe wurden einige Änderungen festgehalten. Das sind die wichtigsten:

  • 1. Die bislang im Altenpflegegesetz und im Krankenpflegegesetz getrennt geregelten Pflegeausbildungen wurden zu einem neuen Pflegeberufegesetz zusammengefasst
  • 2. Alle Auszubildenden erhalten zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistisch ausgelegte Ausbildung. Im Rahmen der praktischen Ausbildung können sie einen Vertiefungsbereich wählen. Im dritten Ausbildungsjahr hat man die Wahl: Weiter den generalistischen Weg gehen und den Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“ erwerben – oder einen Schwerpunkt setzen?
  • 3. Es steht den Azubis somit frei, im dritten Lehrjahr einen Schwerpunkt in der Pflege alter Menschen oder der Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu setzen. In diesem Fall erwerben sie einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege oder der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.
  • 4. Ob diese gesonderten Berufsabschlüsse weiterhin erworben werden können, soll bis Ende 2025 überprüft werden.
  • 5. Neben der beruflichen Pflegeausbildung gibt es nun auch die Möglichkeit, ein Pflegestudium zu absolvieren. Dieses eröffnet neue Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen.

Ausbildungsgehalt anstatt Schulgeld

Auszubildende in der Pflege müssen fortan kein so genanntes Schulgeld mehr zahlen. Stattdessen haben sie nun Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung. In der Regel wird man während der Ausbildung tariflich vergütet. Nach dem Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes Pflege (TVAöD) erhält man im ersten Ausbildungsjahr monatlich 1.191 Euro brutto, im zweiten 1.252 Euro und im dritten 1.353 Euro. Absolviert man die Ausbildung bei einem privaten oder kirchlichen Träger von Kliniken, Seniorenheimen und anderen Einrichtungen, erwarten einen meistens eigene Tarifverträge. Diese orientieren sich aber oft am TVAöD Pflege. Außerdem können die Lehrgangskosten von Umschulungen wie bisher durch das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit übernommen werden.

Und was verdient man als ausgelernte Pflegefachkraft? Auch hier lohnt ein Blick auf den TVAöD: Das monatliche Einstiegsgehalt liegt bei 2.932 Euro brutto. Dabei handelt es sich um das Grundgehalt. Zu diesem kommen noch Zulagen und Zuschläge dazu, beispielsweise für Schichtdienst. Nach der Ausbildung startet man in der Entgeltgruppe (EG) 7 auf Stufe 2. Mit steigender Erfahrung und Berufspraxis steigt auch das Gehalt. Nach drei Jahren bekommt man im öffentlichen Dienst knapp 3.100 Euro brutto im Monat.

Wie sind die Zugangsvoraussetzungen für die generalistische Pflegeausbildung?

Die Generalistische Pflegeausbildung bietet krisensichere Jobperspektiven. Allerdings bringt dieser Beruf auch viel Verantwortung mit sich. Daher muss man einige Voraussetzungen erfüllen wenn man sich für die Ausbildung bewerben möchte.

Das muss man für die Ausbildung mitbringen:

  • mittlere Reife/Realschulabschluss
  • alternativ einen Hauptschulabschluss und eine zweijährige Pflegehelfer-Ausbildung
  • ein Attest über die gesundheitliche Eignung
  • Impfnachweise

Stellenwert der praktischen Ausbildung

Die Ausbildung zur Pflegefachkraft gliedert sich in theoretischen Unterricht und in einen praktischen Teil. Diesen absolvieren die Azubis in einem Ausbildungsbetrieb. Je nach gewähltem Betrieb hat man somit während der Ausbildung automatisch eine Vertiefung, wie beispielsweise die stationäre Langzeitpflege im Altenheim oder die ambulante Pflege bei einem Pflegedienst. Um auch Erfahrung in anderen Pflegebereichen sammeln zu können, sind außerdem zusätzliche Einsätze in externen Einrichtungen vorgesehen.

Die generalistische Pflegeausbildung genießt somit einen hohen Praxisbezug und bereitet die zukünftigen Fachkräfte damit auf ihren späteren Berufsalltag vor.

Welche Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten gibt es?

Der Abschluss als Pflegefachmann/Pflegefachfrau genießt EU-weite Anerkennung. Absolventen können sich also später dafür entscheiden, im EU-Ausland zu arbeiten. Ob im In- oder Ausland, Pflegefachkräfte haben viele Möglichkeiten, in ihrem Beruf Karriere zu machen. Sie können sich zum Beispiel in einem bestimmten Pflegebereich weiterbilden und Fachkrankenpfleger werden. Auch eine Weiterbildung zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen ist möglich und ebnet den Weg um an der Organisation in Pflegeheimen, Rehaeinrichtungen oder Krankenhäusern mitzuwirken. Ebenso interessant ist eine Fortbildung zum Praxisanleiter oder Pflegedienstleiter.

Fazit: Großes Interesse an generalistischer Pflegeausbildung

Zwei Jahre nach der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung wird es Zeit, ein Fazit zu ziehen: Haben die zahlreichen Änderungen wirklich dazu geführt, dass sich mehr Menschen für eine Ausbildung in der Pflege entscheiden? Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek und Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo ziehen eine positive Zwischenbilanz. In Bayern würden 2022 rund 12.400 junge Menschen eine generalistische Pflegeausbildung absolvieren. Von den bisherigen Azubis haben sich laut Erhebung des Kultusministeriums fast alle dafür entschieden, den generalistischen Weg auch im dritten Ausbildungsjahr weiter zu gehen. Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo ist von der generalistischen Pflegeausbildung überzeugt. „Das große Interesse an der Umstellung der Ausbildung war ein wichtiger Schritt, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen.“

Bidlquelle:
Pixabay.com