Samstag , 24. Oktober 2020
Die E-Zigarette ist ein cooles Lifestyle-Produkt. Es erscheint weniger gesundheitsschädlich und wird deshalb immer beliebter.

Dampfen statt Rauchen: Was steckt hinter dem Lifestyle-Trend E-Zigarette?

In den letzten Jahren geht der Anteil der Raucher in der Bevölkerung immer weiter zurück. Zu präsent sind die gesundheitlichen Folgen, die Rauchern blühen. Im Gegensatz dazu zeichnet sich nun seit einigen Jahren ein neuer Trend ab: Immer mehr Menschen dampfen, anstatt zu rauchen. Die E-Zigarette wird zum Statussymbol. Es gibt immer mehr Werbung für Liquids und E-Zigaretten, die Plakatwände und Litfaßsäulen zieren. Doch woher kommt der Trend und haben E-Zigaretten versteckte Gefahren?

Zahlen und Fakten – wer dampft überhaupt?

Vor allem zu Beginn der E-Zigaretten-Welle war die hauptsächliche Zielgruppe Raucher. Sie wollten auf eine „gesündere“ Variante umsteigen und dem Körper weniger Schadstoffe zuführen als bei einer klassischen Zigarette. Für viele Nutzer sollte die E-Zigarette den ersten Schritt auf dem Weg in die Rauchfreiheit darstellen. Doch das Nutzungsverhalten hat sich in den letzten Jahren verändert. Mittlerweile hat die E-Zigarette in Deutschland weit über drei Millionen Nutzer – viele von ihnen waren vorher Nichtraucher. Als E-Shishas sind E-Zigaretten vor allem bei Nichtrauchern beliebt. Außerdem gilt die E-Zigarette nach wie vor als gesünder: Immerhin nimmt der Konsument beim Inhalieren keinen Teer auf, wie es bei handelsüblichen Zigaretten der Fall wäre. Denn E-Zigaretten sind mit einer Flüssigkeit, dem sogenannten Liquid gefüllt und nicht mit Tabak. Das macht die E-Zigarette auch bei Nichtrauchern so beliebt.

Das macht die E-Zigarette so beliebt

Ein wichtiger Faktor bei der E-Zigarette ist die Vielseitigkeit. Während klassische Zigaretten maximal in der Sorte „Menthol“ erhältlich sind, haben Verbraucher beim Dampfen zahlreiche Optionen. Die Liquids sind sowohl mit Nikotin als auch ohne erhältlich – es gibt mittlerweile sogar verschieden starke Konzentrationen. Auch der Geschmack ist variabel: Ob Kirsche, Vanille oder Käsekuchen, fast alles ist heutzutage möglich. Dabei gibt es zahlreiche Onlineshops, die Liquids und Zubehör verkaufen und eine enorme Bandbreite an Produkten anbieten. Hier haben Konsumenten also eine große Auswahl und können sich ganz nach ihrem persönlichen Geschmack eindecken. Auch für die Umgebung ist die Vielfalt an Geschmacksrichtungen ein Vorteil: Denn E-Zigaretten riechen weitaus weniger streng als ihre klassischen Pendants.

Die E-Zigarette ist zudem ein Lifestyleprodukt. Es geht dabei nicht um die Suchtbefriedigung einer normalen Zigarette, sondern darum, cool auszusehen. E-Zigaretten werden von Profis designt und sehen somit modern und cool aus. Sie lassen sich per USB-Anschluss aufladen und können so sogar an die PowerBank vom Handy angeschlossen werden.

Liquids und Zubehör gibt es online, in vielen Supermärkten und auf speziellen Dampfer-Messen und Conventions. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Welche Gefahren stecken im Dampfen?

Natürlich sind auch E-Zigaretten nicht komplett ungefährlich. Das zeigen vor allem andere Länder, in denen das Dampfen nicht oder nur unter strengen Auflagen erlaubt ist. In Indien beispielsweise wurde kürzlich der Verkauf von E-Zigaretten komplett verboten, US-amerikanische Wissenschaftler entdeckten möglicherweise krebserregende Stoffe im Liquid. Grundsätzlich gelten E-Zigaretten nach wie vor als weniger schädlich als normale Zigaretten – gesund ist das Dampfen dennoch nicht. Denn trotz allem können im Dampf Aerosole enthalten sein, die das Herz-Kreislaufsystem oder die Lunge schädigen können. Nicht zuletzt deshalb rät das Bundesamt für Risikobewertung Nichtrauchern davon ab, zu Dampfen. Liquids, die Nikotin enthalten, können darüber hinaus selbstverständlich abhängig machen, was dem Rauchen einer normalen Zigarette höchst ähnlich ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Bundesregierung kürzlich neue Werbeverbote für Zigaretten beschlossen hat, das Dampfen aber zunächst weiter beworben werden darf.

Um die Sicherheit der Konsumenten zu erhöhen, sind bestimmte Stoffe in E-Zigaretten nicht erlaubt. Dazu gehören beispielsweise Koffein oder Taurin, die eine aufputschende Wirkung haben. Auch Bittermandelöl darf nicht in Liquids enthalten sein. Pulegon, ein möglicherweise krebserregender Stoff der Poleyminze, ist auch verboten. Das zeigt, dass es in Deutschland strenge Richtlinien zum Dampfen gibt.

Wenngleich viele Liquids für E-Zigaretten kein Nikotin enthalten, ist das Dampfen nicht unbedingt gesünder. Auch E-Zigaretten bergen Risiken.

Die Gesetze passen sich an

Die in Deutschland geltenden Nichtraucherschutzgesetze lassen sich nur teilweise auf das Dampfen übertragen. Das liegt unter anderem daran, dass beim Dampfen nicht unbedingt Nikotin zum Einsatz kommt und dass auch andere schädliche Stoffe nicht enthalten sind. Trotzdem ist das Dampfen nicht überall erlaubt. Sowohl in Krankenhäusern als auch Arztpraxen darf selbstverständlich nicht gedampft werden. Das Gleiche gilt für Ämter und ähnliche Einrichtungen. An manchen Orten ist der Gebrauch von E-Zigaretten weniger einheitlich geregelt:

  • In Discotheken gilt in der Regel das Hausrecht des Besitzers. In Raucherbereichen dürfen sich, wenn dieser es erlaubt, auch Dampfer aufhalten. Auf der Tanzfläche ist das Dampfen, ähnlich wie das Rauchen, nicht unbedingt gestattet. Hier gilt: nicht erwischen lassen!
  • In Shiha-Bars und Shisha-Clubs ist auch das Dampfen selbstverständlich kein Problem.
  • In Restaurants, Kneipen und Bars gelten in der Regel die jeweiligen Nichtraucherschutzgesetze der Länder. In manchen Bundesländern gibt es strikte Verbote, die sich meist auch auf E-Zigaretten erstrecken. In anderen Ländern wird das Rauchen und Dampfern entspannter gehandhabt. Im Zweifel gilt auch hier das Hausrecht des Betreibers.
  • In Zügen und an Bahnhöfen sollten Dampfer sich an die entsprechenden Raucherregelungen halten. Das heißt, dass in Zügen der Deutschen Bahn das Rauchen und Dampfen generell untersagt ist. Alle Züge sind Nichtraucherzüge. An Bahnhöfen gibt es Raucherzonen, in die sich auch Konsumenten von E-Zigaretten zurückziehen sollten.

Übrigens: Bis ins Jahr 2014 gab es keinerlei gesetzlichen Regelungen zum Thema E-Zigarette. Dann hat die Europäische Union eine neue Richtlinie erlassen, die die Länder dazu zwang, nationale Gesetze auf den Weg zu bringen. In Deutschland gilt seit 2017 die Tabakerzeugnisverordnung, laut der E-Zigaretten bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Dazu gehört beispielsweise, dass die Geräte kindersicher sein müssen, um eine Gefahr für Minderjährige so gering wie möglich zu halten. Außerdem müssen die E-Zigaretten über einen Mechanismus verfügen, mit dem es beim Nachfüllen nicht zum Auslaufen kommen kann. Eine deutsche Bedienungsanleitung ist ebenfalls verpflichtend. Selbstverständlich ist das Dampfen, wie auch das Rauchen, in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt. Selbst gemischte Liquids sind überdies nicht erlaubt, stattdessen müssen auch Liquids strenge Auflagen erfolgen. Nikotinhaltige Liquids beispielsweise müssen über Warnhinweise verfügen, die genaue Auskunft darüber geben, wie viel Nikotin enthalten ist. Ein Beipackzettel ist jedem Liquidfläschchen beizulegen. Dieser weist Warnhinweise und Gebrauchshinweise aus. Die deutsche Regelung ist also relativ streng und reguliert die Geräte und Inhaltsstoffe, sodass Dampfer ein möglichst sicheres Dampf-Erlebnis haben.

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