Montag , 26. Oktober 2020

Besserer Spielerschutz dank Glücksspielstaatsvertrag 2021

Der deutsche Glücksspielmarkt ist bisher eine rechtliche „Grauzone“. Ab dem 1. Juli 2021 soll der neue Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) Rechtssicherheit für Glücksspielanbieter und Spieler in Bundesrepublik schaffen. Neben höheren Steuereinnahmen soll dies vor allen den Spielerschutz deutlich verbessern.

Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben in Deutschland bereits 75 Prozent aller 16 bis 70 jährigen mindestens einmal Geld bei einem Glücksspiel gesetzt. 38 Prozent der Bevölkerung geben sogar monatlich Geld für Glücksspiel aus. Dabei handelt es sich überwiegend um kleinere Beträge von unter 20 Euro. 0,39 Prozent der Bevölkerung (229.000 Personen) zeigen hingegen ein „problematischem Glücksspielverhalten“, 0,34 Prozent (200.000 Personen) sind sogar „pathologische Spieler“. Insgesamt besitzt Deutschland damit über 400.000 sogenannte Risikospieler. Bisher wurden diese Personen aufgrund des nicht regulierten Glücksspielmarktes in Deutschland kaum geschützt. Der neue Glücksspielstaatsvertrag 2021, der ab dem 1. Juli 2021 gilt, soll diese ändern.

Zentrale Änderungen des Glücksspielstaatsvertrags 2021

Derzeit sind zahlreiche Anbieter mit einer EU-Lizenz auf dem deutschen Glücksspielmarkt aktiv. Ab dem 1. Juli 2021 schließt der neue bundeseinheitliche GlüStV diese Gesetzeslücke. Anbieter, die weiterhin auf dem mit 14 Milliarden Euro Umsatz größten Glücksspielmarkt der Europäischen Union (EU) aktiv sein wollen, müssen ab diesem Zeitpunkt eine deutsche Lizenz besitzen. Die wichtigsten Punkte zum Erhalt einer solchen Lizenz sind:

  • Jeder Spieler muss nach der Registrierung festlegen wie hoch sein monatliches Limit sein soll. Dieses darf maximal 1.000 € sein. Das Limit kann monatlich angepasst werden, jedoch darf es 1.000 € nicht überschreiten.§ 6c Abs. 1 – 3
  • 1000 € ist der Maximalbetrag den deutsche Spieler für lizenzierte Online Casinos pro Monat ausgeben dürfen. Wechselt man von einem Casino, wo man schon 500 € eingezahlt hat, den Anbieter, so darf man dort maximal nur noch 500 € einzahlen.
  • Es soll eine Behörde gegründet werden die einen Anschluss bekommen soll um Geldflüsse zu kontrollieren. § 8 Abs. 1
  • Spieler müssen nachweislich mindestens 18 Jahre alt sein. § 6c Abs. 1
  • Das Casino muss eine „.de“ Domain haben § 6e Abs. 3
  • Das gleichzeitige Spielen in unterschiedlichen Online Casinos ist zu unterbinden. § 6h Abs. 1
  • Spielen im Demo Modus dürfen nur noch registrierte Spieler § 6i Abs. 1
  • Virtuelle Automaten dürfen Spielbanken veranstaltende Tischspiele wie Roulette, Blackjack oder Baccara nicht anbieten § 22 Abs.2
  • Maximal-Einsatz pro Drehrunde an einem Spielautomaten darf 1 € nicht übersteigen § 22 Abs. 7
  • Eine Spielrunde am Automaten muss mindestens 5 Sek. Dauern pro Runde § 22 Abs. 6 (Start der Walzen, bis Ende anzeigen des Ergebnisses und dem neuen Start)
  • Das Wort Casino oder Casinospiele ist unzulässig § 22 Abs. 11 Daher wird Casino Club auch seinen Namen anpassen.

Ab dem 15.10.2020 beginnt eine Übergangsfrist für Glücksspielanbieter. Diese können sich ab sofort für eine Lizenz in Deutschland bewerben, wenn sie alle Anforderungen erfüllen. Erste Anbieter wie Casino Club haben bereits reagiert und die Aufnahme neuer Spieler beendet, bis eine laut dem GlüSV2021 gesetzeskonforme Onlinepräsenz besteht.

Einzahlungslimit und Sperrdatei soll Spieler schützen

Die wohl wichtigste Änderung des GlüSV2021 ist das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat. Eine Studie der niederländischen Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) hat bereits belegt, dass ein Einzahlungslimit das wohl beste Mittel zur Bekämpfung von problematischen und pathologischen Spielverhalten ist. Damit Risikospieler das neue Limit nicht durch Konten bei mehreren Glücksspielanbietern umgehend können, wird ein System zum Datenabgleich zwischen allen lizenzierten Anbietern geschaffen.

Außerdem soll ein System automatisch frühzeitig erkennen, ob ein Spieler glücksspielsuchtgefährdet ist. Wie dies technisch umgesetzt werden soll, wurde bisher im Detail nicht veröffentlicht. Erkannte Risikospieler und Personen, die ihren Zugang zu Glücksspielen eigenständig einschränken wollen, müssen laut dem GlüSV2021 überdies in eine Sperrdatei aufgenommen werden, die wie das Einzahlungslimit ebenfalls zwischen den Anbietern synchronisiert werden muss.

Uhrzeiten für Werbung

Lizenzierte Glücksspielanbieter dürfen laut dem GlüSV2021 zwar prinzipiell in Deutschland sowohl über das Internet als auch im Rundfunksegment Werbung schalten, diese darf aber nicht zwischen 6 und 21 Uhr ausgespielt werden. Es sollen dadurch spielsuchtgefährdete Jugendliche vor aufdringlicher Werbung geschützt werden.

Überwachung durch neue Behörde

Die Einhaltung der neuen Regularien wird erstmals durch eine eigens dafür eingerichtete Behörde überwacht, deren Sitz in Sachsen-Anhalt sein wird. Bisher war Glücksspiel ausschließlich Ländersache und musste daher individuell überwacht werden. Die nun gebündelte Kompetenz soll hingegen die Einhaltung der Regeln bundesweit sicherstellen. Außerdem soll die Behörde deutschlandweit Geldflüsse des Glücksspielmarktes überwachen.

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Karlherl auf Pixabay