Samuel Voetter (li.) und Johannes Voetter (re.)

Ist die Mentalität nach dem Motto „Geiz ist geil“ noch zeitgemäß?

Geht man gegen Ende November durch eine beliebige Fußgängerzone, sind die Schaufenster vieler Geschäfte geschmückt mit Prozentzeichen und unübersehbar springen einem vier großen Buchstaben ins Auge: S-A-L-E. Selbst wer sich momentan aufgrund der Corona-Krise von Fußgängerzonen und den Geschäften dort fern hält, wird im Internet dieselben Erlebnisse haben: Zahlreiche Händler senken auch dort ihre Preise.

Ende November wird in den USA schon seit Jahrzehnten am Black Friday das Weihnachtsgeschäft eingeläutet. Mittlerweile ist der Black Friday auch in Europa und in Deutschland fester Bestandteil der Shopping-Kultur. Schnäppchenjäger ziehen los – sowohl online als auch offline – um zu besonders günstigen Preisen ihre Weihnachtsgeschenke zu ergattern. Große Elektronikhandelsketten werben sogar seit Jahren mit dem Slogan „Geiz ist geil“. Was halten die Menschen mittlerweile davon? Und was sind die Konsequenzen solcher Rabattschlachten für den Einzelhandel?

Hat „Geiz ist geil“ ausgedient?

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015 hat die „Geiz ist geil“-Mentalität ausgedient. In der Studie gaben die deutschen Verbraucher an, dass der Hauptgrund zur Neuanschaffung eines Produktes der ist, dass das Produkt neu ist und sie sich somit etwas Gutes tun wollen. Diese Meinung teilten 26% der Befragten, während nur 20% angaben, dass der Hauptgrund der günstige Preis sei.

In den letzten Jahren fand in der Tat ein Umdenken bei den deutschen Verbrauchern statt. So hatten Lidl, Aldi und andere Discounter plötzlich mit Umsatzrückgängen zu kämpfen, was zu erbitterten Rabattschlachten bei den Discountern führte. Doch auch das half nichts, um den Umsatz wieder anzukurbeln. Herkömmliche Supermärkte, die vermehrt qualitativ hochwertigere Produkte im Angebot haben, machten dagegen das Geschäft.
Der Trend zu einer gesünderen Ernährung spielte hierbei eine maßgebliche Rolle, was die Discounter zum Umdenken zwang. Mittlerweile findet man bei Aldi und Co. längst nicht mehr nur noch Billig-Produkte. Auch das Thema Nachhaltigkeit haben die Discounter in den letzten Jahren stärker in ihren Fokus gerückt, da die deutschen Verbraucher nicht nur qualitativ hochwertige Produkte nachfragen, sondern diese auch in dem Gewissen kaufen wollen, dass diese fair (für Mensch und Umwelt) produziert wurden.

Da passt der Black Friday mit seinen Super-Sonderangeboten überall nun nicht ins Bild. Doch dieser Tag hat allen Umfragen zum Trotz dennoch einen hohen Stellenwert bei den deutschen Verbrauchern. Viele Menschen haben mittlerweile erkannt, dass man am Black Friday nur sparen kann, wenn man nur Produkte kauft, die man auch wirklich braucht. Aus einer Laune heraus, nur weil etwas gerade sehr günstig ist, kaufen nur wenige.

Ein weiterer Grund, warum günstige Produkte nicht immer in der Gunst der Verbraucher stehen, ist, dass sich viele Menschen vor dem Kauf über ein Produkt informieren. Bewertungen anderer Nutzer spielen bei der Kaufentscheidung oft eine sehr wichtige Rolle. Der Griff zu Qualitätsprodukten wird dadurch wahrscheinlicher.

Das Ende des Novembers ist geprägt von Rabattschlachten.

Folge der Rabattschlachten

Am Black Friday kommt es unter den Händlern regelrecht zu Preiskämpfen. Viele von ihnen wissen, dass die Kunden auf Vergleichsportalen nachschauen, wo sie ihr Wunschprodukt am günstigsten erstehen können. Händler gehen so auch ein Risiko ein, da sie abwägen müssen, ob sie lieber einen Umsatzverlust durch einen sehr niedrigen Produktpreis in Kauf nehmen wollen, oder einen Kunden verlieren bzw. nicht gewinnen wollen.

Nehmen Preiskämpfe außerdem überhand, hat das auch negative Folgen für die Mitarbeiter – sowohl beim Händler als auch bei den Produzenten. Der Preisdruck führt zu schlechterer Bezahlung. Die Produktion wird ins Ausland verlegt, wo die Arbeitskräfte oft schlecht bezahlt werden und das Thema „faire Produktion“ aus Kostengründen nicht ernstgenommen wird.

Auch für Verbraucher kann eine Rabattschlacht negative Folgen haben, denn es kommt vor, dass ein niedriger Preis eines Produkts zum Kauf verleitet, obwohl man dieses nicht benötigt. Wer es sich eigentlich nicht leisten kann, zu kaufen, dann aber doch zugreift, tappt so sehr schnell in die Schuldenfalle.

Alternative zum Black Friday

Manche Unternehmen wollen sich nicht an den Preiskämpfen am Black Friday beteiligen, so zum Beispiel die Druckerei WIRmachenDRUCK.de aus Backnang-Waldrems bei Stuttgart. Im Rahmen eines Happy Friday anstatt eines Black Friday will das Unternehmen anstatt von Rabattaktionen eine Wohltätigkeitsaktion veranstalten, bei der ein Teil des Umsatzes dazu verwendet wird, Weihnachtsgeschenke für Kinder zu kaufen, die in ärmlichen Verhältnissen leben. Kunden können hier am Black Friday zwar nicht sparen, aber sich mit ihrem Einkauf für einen guten Zweck engagieren, denn „Helfen ist geil“.

Bildquelle:
Aufmacherbild: WirmachenDruck.de
Artikelbild: Tumisu auf Pixabay