Nicht immer siegt der Favorit – Überraschungssiege in der Fußballwelt

Das „Wunder von Bern“ oder auch Siege gegen den berühmt-berüchtigten Angstgegner zeigen, dass der Fußballgott Humor hat. Denn beileibe nicht immer triumphieren nach dem Schlusspfiff jene Mannschaften, die im Vorfeld bei den Experten oder auch in den Wettbüros favorisiert waren...

Apropos, Schlusspfiff. Ein Geräusch, das auch die großen Bayern schon mal eiskalt erwischt hat. Und das just im Fußballstadion des FC Barcelona, wo Deutschlands Vorzeigeclub im Champions-League Finale gegen Manchester United lange Zeit zu dominieren schien und bereits die sprichwörtliche Hand am Pott hatte.

Champions League-Finale 1999

Jedenfalls bis zur Nachspielzeit, in der das Drama aus Bayern-Sicht seinen Lauf nahm - Die bitterste Niederlage des FC Bayern!

Denn zunächst glich der eingewechselte Teddy Sheringham das frühe Führungstor der Bayern aus. Zum Entsetzen vieler Fans wie auch der Bayern Spieler und deren Betreuer. Doch noch schien nicht alles verloren. Vielmehr konnte man nach wie vor auf den Sieg hoffen. Doch dann nahm das Drama seinen Lauf. Sollte sich rächen, dass Bayern seine Chancen, zum an sich hochverdienten 2 : 0 zu erhöhen, während der eigentlichen Spielzeit teils fahrlässig verpasst hatte.

Denn der englische Club witterte seine Chance und spielte in den letzten Sekunden der Nachspielzeit wie entfesselt. Schon kurz nach dem Ausgleich und noch ehe der Schiedsrichter das plötzlich hochdramatische Match abpfiff, platzierte nämlich auch noch der zweite Joker, Ole Gunnar Solksjaer, nach einem Eckball das Leder im gegnerischen Tor. Damit war das Wunder aus Sicht von Manchester United dann komplett.

Fußballikone Franz Beckenbauer sprach dagegen von der „ganzen Grausamkeit“ eines Fußballspiels, während sich jene, die privat oder auch bei einer offiziellen Sportwette wegen einer entsprechenden Fußballvorhersage auf den englischen Club gesetzt hatten, über einen „hübschen“ Gewinn freuten.

Francesco Totti, ehemaliger italienischer Fußballstar: „Mit schönen Frauen ist es wie mit Fußball. Man freut sich auf ein schönes Wochenende und wird maßlos enttäuscht!“

Das Wunder von Bern und zweifelnde Spieler

Tatsächlich kann das Schicksal, gerade im Fußball, mitunter ein mieser Verräter sein. Schließlich galt auch beim „Wunder von Bern“ die Nationalmannschaft Ungarns als d e r klare Favorit. Doch dann kam alles ganz anders und es jubelte Fußballdeutschland. Ein „Sport-Krimi“, der sogar verfilmt wurde.

Doch es muss nicht immer die ganz große Fußballbühne sein: Denn auch in der Bundesliga und in Regionalligen liegen Freudentaumel und Frust oft nahe beieinander, kann es vorkommen, dass der Underdog triumphiert und die klaren Favoriten mit Tränen in den Augen vom Platz schleichen.

Vermutlich der Grund, warum so viele Spieler abergläubisch sind und sich selbst Weltstars - nach ein paar glücklosen Spielen - in Selbstzweifeln verzehren? Denn Fußball ist (auch) Kopfsache und nicht allein eine physische Disziplin. Nicht umsonst widmet welt.de auf seinen Wissen-Seiten dem Sportpsychologen Hans-Dieter Hermann einen eigenen Artikel und ergänzen mentale Übungen bei Spitzensportlern das körperliche Training.
Denn die Liste der Überraschungssiege und unerwarteten Niederlagen ist lang.

Thomas Häßler, deutscher Fußballtrainer und ehemaliger Nationalspieler: „Wir wollten in Bremen kein Gegentor kassieren. Das hat bis zum Gegentor auch ganz gut geklappt!“

Danish dynamite

Prognosen und Vorhersagen (https://sportwetten.myprobet.com/wett-tipps-heute) sind somit nichts weiter als Schall und Rauch. Erst die Analyse nach dem Spiel kann mit unumstößlichen Tatsachen aufwarten. Mit Fakten und „Wundern“, an die im Vorfeld vermutlich kein Experte geglaubt hätte. Schließlich hatte bei der Fußball-Europameisterschaft 1992 in Schweden niemand den späteren Überraschungssieger Dänemark auf dem Radar. Ein Thema, das SZ Redakteur Michael Emmerich in (s) einer Kolumne nochmals aufgreift. Eine der größten Sensationen in der Fußballgeschichte, zumal die dänische Mannschaft - einige werden sich wohl noch erinnern - an sich gar nicht qualifiziert war und erst für das im Bürgerkrieg befindliche Jugoslawien nachrückte!
Hans Meyer, deutscher Fußballspieler und Trainer: „Ich kann gar nicht alt genug werden, um alle Überraschungen, die der Fußball so parat hat, verkraften zu können!“

Pyrotechnik als Anfeuerung?

Natürlich führen gerade solche Überraschungs- und Last Minute Siege auch immer wieder dazu, dass die Nerven der Fans blank liegen. Dann zeigt sich „König Fußball“ auch mal von seiner unschönen Seite und übernehmen Chaoten die Regie. Verwüsten Stadien, Bahnhöfe oder Innenstädte und schrecken sogar vor Drohungen oder Gewalttaten gegen Spieler und Schiedsrichter nicht zurück.

Psychologen glauben, dass jene, die ihre Mannschaft mit Steinwürfen oder gar Feuerwerkskörpern zum Sieg treiben wollen, dabei einem uralten menschlichen Instinkt folgen. Nämlich den Verhaltensmustern steinzeitlicher Jäger, die offenbar in den Tiefen unserer Psyche noch immer präsent sind. Schließlich trieben auch unser Vorfahren - wild gestikulierend und mit Gegenständen werfend - ihre Jagdbeute zu ihren auf der Lauer liegenden Stammesgefährten oder auch Richtung Abhang, wo das Wild seinen Tod fand und damit dann das Überleben der Sippe sicherte.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Hierbei handelt es sich lediglich um eine denkbare Erklärung aus anthropologischer Sicht. Eine These, die davon ausgeht, dass in der Hitze und Anspannung eines wichtigen Spiels bei manchen Fans dieser archaische Jagdtrieb durchbricht und die (fehlgeleitete) Psyche das rollende Leder dann mit einer traditionellen Jagdbeute gleichsetzt ... doch niemand will damit jene Chaoten entschuldigen, die Spieler, die Anhänger des anderen Lagers oder gar Vollzugsbeamte angreifen.

Daher fordern sowohl die Vereine selbst wie auch die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung - und das völlig zu Recht - eine Null-Toleranz Strategie gegenüber Randalierern. Beginnend bei Stadionverboten für auffällige und gewalttätige Fans bis hin zu einer konsequenten Strafverfolgung durch die Justiz.

Denn letzten Endes sind es doch gerade die Überraschungssiege, die den Reiz des Fußballs ausmachen!

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