Social Distancing und der Mangel an Optionen, sich coronakonform zu treffen, beschert Deutschland jede Menge Singles. Doch stimmt diese Annahme eigentlich? Oder finden diejenigen, die sich verlieben wollen, nicht andere Wege?

Die Liebe in Zeiten von Corona wird nachhaltiger und digitaler

Einst entschieden der erste Blick und der flotte Anmachspruch bereits darüber, ob der Typ im Café eine Chance bekommt oder nicht – doch was ist seit dem März 2020 passiert? Überall dort, wo man sich einst noch treffen konnte, hingen nun Schilder, die besagten: „Vorübergehend geschlossen – wegen Corona.“ Was das mit den Betrieben machte, darüber wurde und wird regelmäßig berichtet und es ist ein wirtschaftliches und oftmals auch persönliches Dilemma, das vor allem die Gastronomie ereilt. Doch was ist aus den vielen, zwischenmenschlichen Begegnungen geworden, den kleinen Flirts und der großen Liebe? Eine Idee davon, wie Betroffene Liebe in Zeiten von Corona erlebt haben, soll dieser Beitrag geben.

Zum ersten Mal verliebt – allerdings virtuell

Gerade junge Leute traf die Coronapandemie mit all ihren Einschränkungen häufig am stärksten. Während ihre Eltern entweder im Homeoffice oder an der regulären Arbeitsstelle weiterhin Geld verdienen mussten, wurden Jugendliche ihres kompletten Umfelds beraubt – keine Schule, keine Vereine, keine Freizeitgestaltung mit Gleichaltrigen. Stattdessen lernten sie virtuell und interagierten virtuell. Doch verliebten sie sich auch virtuell?

Zwei 17-Jährige berichten im Interview mit der Zeit darüber, wie sie die Coronazeit gefühlstechnisch erlebt haben. Er, ein Schüler aus Berlin, lernte seinen Freund via Instagram kennen, und lernte so auch durch die Pandemie seine wahre sexuelle Identität zu deuten. Der Algorithmus habe die Jungen zusammengebracht, die nun ein Paar sind, verrät der 17-Jährige, der noch zu Beginn der Coronapandemie mit einem Mädchen liiert war.

Sie, eine Schülerin aus Berlin, hatte sich im Frühjahr 2020 von ihrem Freund getrennt und hadert seither mit dem Mangel an Optionen, denn Jungen zu treffen und sich auch auszuprobieren, sei in Pandemiezeiten wahrlich schwer. Die Trennung von ihrem Freund war für die 17-Jährige eine konsequente Entscheidung dazu gewesen, auszusortieren, mit wem sie Zeit verbringen will. Die Angst vor dem Alleinsehen, was einige ihrer Freundinnen sogar dazu bewogen hat, wieder zurückzugehen zu ihren Ex-Freunden, war für die 17-Jährige kein Problem. Wohl aber ist der Umgang mit den Corona-Regularien sehr unterschiedlich – was letztlich auch dazu geführt haben könnte, dass aus einer Sommer-Bekanntschaft nicht mehr geworden ist.

Auch Partnerbörsen erleben in Zeiten des Lockdowns einen Zulauf


Darüber wurde in der Tagesschau berichtet und auch die Annahme, dass sich das Dating und das Verlieben verändert haben, wird in dem Bericht thematisiert. Doch was ist anders geworden?

67 Prozent der Befragten gaben an, dass die Gespräche tiefgründiger geworden sind. Sogar von „nachhaltigem Daten“ ist die Rede, was für die Suche nach Mr. oder Mrs. Right bedeutet: Akribisch genau auf die Details achten, genau hinsehen – und erst dann ein Treffen vereinbaren. Die Profile auf den diversen Datingseiten würden deutlich länger und intensiver studiert. Zudem erfolgt eine Abkehr von der Annahme, dass viele Kontakte nötig seien, um sich zu verlieben. Stattdessen sei die Wahl des passenden Dating-Portals ausschlaggebend, schließlich gilt es sich auf Tinder, Badoo, Finya, Lablue und auf anderen Portalen nach dem passenden Partner umzusehen – ohne lange Zeit aufs Suchen zu verwenden und sich stattdessen gezielt mit den Profilen der Akteure dort auseinanderzusetzen.

Im Gespräch mit der Tagesschau berichtet ein 31-Jähriger darüber, wie Dating für ihn in der Coronazeit ausgesehen hat. Vor allem die Location für ein Date war klar – nämlich im Freien. Spaziergänge und Dates im Freien (inkl. Pizza und Wein wie der Single betont) seien sein Weg gewesen, auch in der Coronazeit Kontakte zu knüpfen. Wenn das Wetter mitspielt, ist das Date im Freien sicherlich eine gute Option, doch wenn’s kälter wird? Dann rät der 31-Jährige, der reichlich Erfahrung mit Dating-Apps hat, dazu, warme Getränke mit zum Outdoor-Date zu nehmen. Die Wohnung sei nicht nur wegen Corona tabu, sondern auch, weil der Ort unpassend fürs erste Date ist. Ein Spaziergang im Park sei hingegen ein erstes, gemeinsames Erlebnis, was auch Aufschluss darüber geben kann, wie sich das Date verhält – gegenüber Kindern, alten Menschen, Tieren usw. Für lange Gespräche und ein intensiveres Kennenlernen schwenken die Menschen zunehmend häufiger um auf Video-Chats heißt es seitens der Dating-Börsen.

Dass Online-Plattformen ein erster Weg ins gemeinsame Glück sein könnten, berichten darüber hinaus Jörn und Sandra, die sich auf Instagram „kennenlernten“, weil sie einen Post zu ihren selbstgenähten Stoffmasken veröffentlichte. Christoph und Katrin hingegen verliebten sich weniger zufällig, sondern ganz gezielt. Sie lernten sich auf einer Dating-App kennen und sind sich einig: Ohne die Corona-Einschränkungen wären sie diesen Weg vermutlich nicht gegangen. Auch Jana und Marcus haben in Coronazeiten zueinander gefunden und berichten dem MDR sogar darüber, wie sie beide eine Corona-Infektion in gemeinsamer, häuslicher Quarantäne überstanden haben.

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