Die Regeln für Beerdigungen in Corona-Zeiten

11,3 Millionen Deutsche verfolgten die Beisetzung von Prinz Philip. Besonders tragisch am Ableben des Ehemanns der englischen Queen Elisabeth war die einsame Regentin. Aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie musste sie alleine auf der Kirchenbank sitzend von ihrem Gemahl Abschied nehmen. Dieser herzzerreißende Anblick ließ viele Menschen aufmerksam werden. Welche Regeln gelten aktuell in der Bundesrepublik für Beerdigungen in Corona-Zeiten?

Beerdigungsregeln abhängig vom Bundesland

Wie die Trauerfeier während der Corona-Krise konkret aussieht, hängt vom Bestattungsort ab. Es ist nicht nur so, dass die einzelnen Bundesländer unterschiedliche Vorschriften haben, auch Gemeinden können sich unterscheiden (Hier der aktuelle Stand zum Corona-Virus in Lüneburg). Ist in einer Region der festgesetzte Inzidenzwert überschritten, treten dort spezielle Maßnahmen in Kraft.

Wer eine Beerdigung plant, sollte sich deshalb immer mit den aktuell geltenden Regelungen für das eigene Bundesland und die jeweilige Gemeinde auseinandersetzen.

Nachdem die Bundesregierung den Föderalismus aufgrund der Corona-Pandemie eingeschränkt hat, gelten bestimmte Regelungen im gesamten Land. Auf der Seite bundesregierung.de sind alle Vorschriften ab einer Inzidenz von 100 nachzulesen. Allerdings ist es den jeweiligen Bundesländern gestattet, zusätzliche Einschränkungen zu erlassen. Wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine 7-Tage-Inzidenz von über 100 festgestellt, tritt immer mindestens die bundesweit geltende Notbremse in Kraft.

In solchen Fällen dürfen an Trauerfeiern die Personen eines Haushalts sowie maximal eine andere Person teilnehmen. Die Gesamtzahl ist auf fünf eingeschränkt. Wohnen geimpfte Menschen oder solche, die als genesen gelten, in den Haushalten, dürfen diese zusätzlich teilnehmen. Auch Kinder unter 14 Jahren werden bei der Regelung nicht mitgezählt. Sie dürfen ergänzend zu den maximal fünf Personen mitkommen.

Der Mindestabstand von 1,5 Metern ist sowohl in geschlossenen Räumen als auch beim Begräbnis unter freiem Himmel einzuhalten. Die Maskenpflicht gilt nur für die Trauerfeier in Kirchen oder anderen Gebäuden. Selbstverständlich ist die Friedhofsordnung zu beachten. Wird dort die Maske auch im Freien vorgeschrieben, ist dem Folge zu leisten.

Religiöse Familien dürfen im Todesfall eine Gebetsveranstaltung einberufen. Der Bund rät allerdings von großen Zusammenkünften ab. Gottesdienste mit mehr als zehn Teilnehmern sind beim Ordnungsamt anzumelden. Die Hinterbliebenen müssen dafür eine Frist von zwei Werktagen einhalten. Keine Sorge, die Bestattungsunternehmen und Glaubensgemeinschaften sind hierüber bestens informiert. Sie kennen die Regelungen und geben sie stets an die Hinterbliebenen weiter. Teilweise wird die Anmeldung auch von den Beerdigungsinstituten übernommen.

Es darf in den Religionsstätten aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht gesungen werden. Auch wenn Orgel- und Chorbegleitung bei vielen Trauerfeiern normalerweise zum guten Ton gehören, sollten sie möglichst unterlassen werden. Das rät zumindest die Bundesregierung, denn die Wahrscheinlichkeit einer Virusübertragung sei höher.

Die Hochschule für Musik in Freiburg untersuchte das Infektionsrisiko bei Gesang und verschiedensten Blas-, Streich- und Zupfinstrumente. Der Einschätzung der Forschergruppe nach ist das Ansteckungsrisiko in Kirchengebäuden mit einer Deckenhöhe
von zehn Metern und mehr kaum vorhanden. Das gilt allerdings nur dann, wenn ausreichend Abstand von mindestens zwei Metern zwischen den Sängern und Bläsern besteht. Der Aerosolausstoß ist bei ihnen besonders intensiv. Deshalb ist das Ansteckungspotenzial leicht erhöht.

Vorschriften zur Trauerfeier in Niedersachsen

Glücklicherweise ist nicht jeder Kreis von einer hohen Inzidenz betroffen. Welche Regelungen sieht die niedersächsische Regierung vor, wenn die Infektionszahlen niedriger sind? Bei einer Inzidenz zwischen 35 und 100 dürfen sich die Personen aus einem Haushalt mit zwei Personen aus einem anderen Haushalt zusammenfinden. Sinkt die 7-Tage-Inzidenz unter 35, dann sind Treffen mit bis zu zehn Menschen aus maximal drei Haushalten gestattet.

Wichtig ist es, auf den Wohnort der jeweiligen Personen zu achten. Findet die Trauerfeier zwar in einer Gemeinde mit Inzidenz unter 35
statt, die Teilnehmer kommen aber aus einem Ort mit höheren Werten, dann gelten die strikteren Regelungen. Dies zählt nicht für Bürger unter 14 Jahren, Geimpfte oder Menschen, die eine Infektion hinter sich haben.

Wer nach der Bestattung noch zum gemeinsamen Leichenschmaus ins Restaurant gehen möchte, der hat aktuell die Möglichkeit. Dennoch gilt dies ebenfalls nur in Regionen mit einer Inzidenz unter 100. Vor dem Betreten der Gaststätte muss jede Person einen negativen Corona-Test vorlegen. Der Test darf nicht länger als 24 Stunden zurückliegen. Geimpfte und Genesene benötigen den Test nicht, um in ein Restaurant zu kommen.

Hinweise der Bestatter

Wer in Trauer um einen engen Angehörigen oder Freund ist, der hat vielleicht nicht alle Corona-Regeln parat. Am besten geben sich die Betroffenen in die vertrauensvollen Hände eines Bestattungsunternehmens. Die dortigen Experten sind stets auf dem aktuellen Stand und erklären die notwendigen Maßnahmen in Ruhe.

Beerdigungsinstitute raten zwar zu möglichst kleinen Trauerfeiern, dennoch ist die Anwesenheit der nächsten Familienmitglieder wichtig. Oftmals können die Hinterbliebenen den Tod des geliebten Menschen erst auf der Beerdigung richtig wahrhaben. Nur wer wirklich begreift, dass der Angehörige verstorben ist, kann mit dem Trauerprozess beginnen.

Zudem ist es für viele Menschen auch emotional wichtig, den Toten auf seinem letzten Weg zu begleiten. Der Gedanke daran, dass Großeltern, Eltern oder Kinder alleine beerdigt werden, ist für die Meisten unerträglich.

Deshalb ist eine kleine Trauerfeier richtig und wichtig. Einige Bestatter und Kirchengemeinden bieten den Service einer online Übertragung. Dadurch können Familienmitglieder und Freunde auch von Zuhause an der Beerdigung teilnehmen. Am Bildschirm verfolgen sie die letzten Worte, die den Verstorbenen begleiten und können so ebenfalls Abschied nehmen.

Des Weiteren können die Menschen mit kleinen Ritualen an den Toten erinnern. Wie machen das Angehörige, die nicht zur Trauerfeier gehen können? Die Deutsche Friedhofsgesellschaft rät dazu, sich zum Zeitpunkt der Beisetzung in Ruhe hinzusetzen und in sich zu gehen. Welche schönen Erinnerungen an den Verstorbenen kommen hoch? Was will noch ausgesprochen werden? Möglicherweise verfassen sie einen Brief an den Toten. Ein Bild des Verstorbenen kann dabei aufgestellt und eine Kerze entfacht werden.

Um selbst einer kleinen Feier mit online Übertragung einen offiziellen Charakter zu verleihen, können Einladungen sowie Danksagungen für Beileidsbekundungen und Geschenke per Post verschickt werden. Bei meine-kartenmanufaktur.de besteht die Option, ein schönes Foto des Verstorbenen abzubilden. Somit kann die Trauerkarte das Sterbebildchen, das sonst im Gottesdienst verteilt wird, ersetzen.

Natürlich darf das Grab besucht werden. Selbst wer bei der Beisetzung nicht dabei sein sollte, der kann in den Tagen nach der Beerdigung den Friedhof aussuchen. Hier darf in Ruhe noch einmal Abschied genommen werden.

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