Mittwoch , 22. September 2021
Hanfsamen haben vielfältige gesundheitliche Vorteile.

Hanfpflanzen für Lebensmittel, Textilien und Baustoffe

Hanfpflanze ist nicht gleich Hanfpflanze. Die verschiedenen Pflanzen lassen sich nicht nur nach Sorten unterscheiden, in solche mit und solche ohne berauschende Wirkung. Es gibt auch einen gravierenden Unterschied bei den Pflanzen einer Sorte. Hanf bildet männliche und weibliche Pflanzen aus. Das Geschlecht hat Auswirkungen auf den Nutzen der Pflanze, doch lässt es sich erst in einem späteren Entwicklungsstadium erkennen. Erst wenn die Pflanze blüht, sind Unterscheidungsmerkmale zu sichtbar.

Die weibliche Hanfpflanze

Ob eine Hanfpflanze weiblich ist, ist zunächst daran zu erkennen, dass die Blüte etwas verzögert ist. Viele flaumige, weiße Fasern, die sich an den Stielkerben entwickeln, kündigen die Blüte an. Meist sind sie auch etwas kleiner. Weibliche Hanfpflanzen haben einen weißen Blütenstempel, während der Blütenstempel der männlichen Pflanze gelb ist. Im Blütenkelch befinden sich die Staubfäden, die schon nach wenigen Tagen etwas harzig werden und den Blütenstaub bilden. Das ist das deutlichste Erkennungsmerkmal für weibliche Hanfpflanzen.

Die weiblichen Blüten lassen sich leicht von den männlichen unterscheiden. Nur sie bilden die sogenannten „Buds“ aus, den harzigen Blütenstaub.

Aus den Samen der weiblichen Hanfpflanze lässt sich durch Schälen und Pressen Hanföl herstellen, das zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten hat. Es wird als Speiseöl in Flaschen abgefüllt oder wird Bestandteil von Kosmetikprodukten. Die Samen gibt es auch pur oder als Hanfmehl zu kaufen. Das frei im Handel erhältliche Hanföl enthält keinerlei berauschende Substanzen und lässt sich zu sehr vielen leckeren Speisen weiterverarbeiten. Wer sichergehen will, nur weibliche Hanfpflanzen zu erhalten, kauft sich feminisierte Samen.

Aus den Hanffasern der weiblichen Pflanzen entstehen auch robuste Textilien, beispielsweise Vorratssäcke oder Seile, feste Kleidung, beispielsweise Denimkleidungsstücke oder Militärjacken.

Die männliche Hanfpflanze

Dass eine Hanfpflanze männlich ist, ist schon etwas früher erkennbar als bei der weiblichen. Sie wächst schneller und ist entsprechend früher reif. Zudem hat die männliche Pflanze eine höhere Wuchshöhe, das ist allerdings nicht immer als eindeutiges Merkmal zu gebrauchen. Ganz sicher indentifizieren lassen sich die männlichen Hanfpflanzen an den kleinen Pollensäckchen, die direkt an den Zweigen wachsen. Es bilden sich schon früh kleine Kügelchen, die Blütenknospen der Hanfpflanze. Diese wachsen dann zu glockenartig herabhängengen Blüten heran, die Pollenstauden ausbilden.

Die männliche Hanfpflanze dient zum einen dazu, die weiblichen zu bestäuben, sonst können diese keine Samen ausbilden. Die Blätter und Äste bestehen aus feinen, sehr flexiblen Fasern, aus denen weiche Textiilien entstehen, wie beispielsweise Handtücher oder Kleidung. Die Ernte erfolgt dazu meistens mit dem Mähdrescher. Nach der Rodung kommen die Pflanzenteile zur sogenannten Röste. Dort trocknen sie unter Einfluss von Licht und Luft auf dem Boden. Der langsame Zerfall legt die Blattfasern frei. Liegen die Pflanzenteile in Wassertanks, geht der Zerfall wesentlich schneller. Die getrockneten Fasern lassen sich dann direkt zu Garn verspinnen. In Hanf ist Lignin enthalten, was die Fasern sehr robust und rau macht. Mithilfe eines biochemischen Prozesses ist es möglich, diese Substanz zu extrahieren. Dadurch entstehen weiche, glatte Fasern für Bettwäsche oder luftige Kleidung.

Die männlichen Pflanzen wehren Schädlinge und Parasiten ab und machen so den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln überflüssig. Sie hält auch lästige Instekten wie Mücken fern. Die starken, sich weitläufig ausbreitenden Wurzeln helfen dem Ackerboden. Sie festigen und sanieren ihn und sind in der Lage Schadstoffe herauszufiltern.

Manchmal wachsen auch Zwitterpflanzen heran, die sowohl weibliche wie auch männliche Blüten tragen. Diese sogenannten Hermaphroditen können sich theoretisch selbst bestäuben.

Wozu dienen die Hanfblüten?

Männliche Hanfblüten sind keine Blüten im eigentlichen Sinn. Sie bilden Pollensäckchen aus, die sich am Überganz von Hanfstängel und Hanfstiel entwickeln. Die Entwicklungsstadien fangen als länglich-ovale Vorblüte an, bis sie dann am Ende die runde Pollensackform erreichen. Wenn diese Hanfblüten aufbrechen, gelangen die Pollen an die Luft, die notwendig sind, um die weiblichen Hanfblüten zu bestäuben.

In der weiblichen Hanfblüte stecken die Inhaltsstoffe mit der beruhigenden, schmerzlindernden und berauschenden Wirkung, hauptsächlich THC (Delta-9-Tetrahydrocannabidiol) und CBD (Cannabidiol). Die Cannabidiol-haltigen Blüten lassen sich zu verschiedenen medizinischen Zwecken verwenden. Sobald die Blüten bestäubt sind, bilden sich Samen aus. Die Blüte vergeht und die Pflanze ist dann nur noch eine reine Nutzpflanze, die keinerlei Rauschzustände mehr verursacht.

Weiterer Nutzen der Hanfpflanze

Neben Samen und Fasern sind noch andere Pflanzenteile nützlich. Die Blätter enthalten gesundheitsfördernde Cannabinoide, ohne zu berauschen. Sie sind deshalb Bestandteil in verschiedenen, im Handel erhältlichen Teemischungen. Sie kommen als Aromaextrakt zum Einsatz und verleihen den Lebensmitteln einen typischen, nussig-bitteren Geschmack.

Hanf ist eine uralte Nutzpflanze, aus der die Menschen schon lange auch robuste Taue für den Schiffbau herstellen.

Hanffasern sind ein hervorragender Dämmstoff, der vor allem im Holzbau sehr häufig zum Einsatz kommt. Die bauphysikalischen Eigenschaften der Fasern sind hervorragend und konventionellen Dämmstoffen in vielen Punkten überlegen. Sie haben einen guten Dämmwert. Sie können Feuchtigkeit sehr gut aufnehmen und wieder abgeben, regulieren also die Luftfeuchtigkeit eines mit Hanf gedämmten Raumes. Zudem sind für die Herstellung nur geringe Mengen an Energie erforderlich, was die Herstellung kostengünstig und umweltfreundlich macht.

Aus Hanffasern und Kalk entsteht Hanfkalk, der sich dann zu einem Ziegel pressen lässt. Lose Hanfschäben, so heißen die Fasern, die in den Baustoffen zum Einsatz kommen, Naturkalk und weitere Mineralien lassen das Baumaterial so hart wie stein werden. Die Hanfziegel sind widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen. Häuser, die daraus gebaut werden, halten sehr lange. Durch die hervorragenden thermischen Eigenschaften ist eine zusätzliche Wärmedämmung nicht notwendig. Genau wie Lehm sorgt Hanf für ein gesundes Raumluft und gute Luft. Zudem bindet Hanf in einem Lebenszyklus mehr CO2, als es an die Umwelt abgibt. Das stellt eine zusätzliche Entlastung dar.

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