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Die Macht der Worte

Wer einmal darauf geachtet hat, wie er gedanklich mit sich selbst spricht und wie er mit anderen Personen redet, wird immer wieder erschreckt feststellen, dass es große Unterschiede in der Wortwahl gibt. In den meisten Fällen gehen wir mit den Menschen in unserem Umfeld viel wohlwollender um, als mit uns selbst.

Das Schlimmste daran ist, dass wir uns diesem negativen Ton, den wir uns gegenüber benutzen, manchmal nicht einmal bewusst sind, da unsere Gedanken oft automatisiert erscheinen und keine große Aufmerksamkeit bekommen. Und dennoch haben sie eine dauerhafte Auswirkung auf uns.

Forschungen der Soziologie und Psychologie haben Methoden entwickelt, die uns zeigen, wie wichtig es sein kann, die richtigen Worte zu wählen. Das gilt sowohl für uns selbst als auch die konfliktfreie Kommunikation mit Menschen in unserem Umfeld. So stark ist die Macht der Worte:

Wohlwollende Worte

Konzepte, die das Wohlbefinden durch Affirmation steigern, bauen darauf auf, dass die Worte, die wir uns selbst sagen, eine Wirkung haben. Das Ziel ist es, das Selbstbewusstsein, und die Art, wie chancenreich man die Welt wahrnimmt, zu verbessern. Man trainiert sich den Optimismus an, indem man seine Sprache grundlegend umstellt und sich regelmäßig unterstützende Mantras vorhält.

Mithilfe unseres Lerngedächtnisses tricksen wir unser Unterbewusstsein aus. Wir kennen diese Wirkung von Interaktionen mit anderen Menschen. Wenn wir oft gesagt bekommen haben, dass wir gut singen können, speichert sich diese wiederholte Aussage in unserem Gedächtnis ab und wir nehmen sie als Fakt wahr.

Wer ein Pessimist ist oder ein schlechtes Selbstbewusstsein hat, sagt sich selbst häufiger, dass Dinge nicht funktionieren werden. Mit dieser Überzeugung legen sie meist den Grundstein dafür, dass etwas tatsächlich schiefgeht.

Wenn wir nun die Gedanken von diesem Menschen und einem Menschen mit gesteigertem Selbstbewusstsein vergleichen würden, würde einer vielleicht sagen: „Ich weiß nicht, wie ich das hinkriegen soll.“, und der andere: „Ich krieg das hin!“. Damit hat die zweite Person gleich mehr Motivation und Bereitschaft, dranzubleiben, während die erste Person ohne Hoffnung aufgibt.

Dass der Pessimist nun nicht hingehen kann und sich sagt, er kriegt das hin, wenn er daran nicht glaubt, ist selbstverständlich. Aber es hilft ihm dennoch, seine Ausdrucksweise zu überprüfen. Wenn er sich stattdessen sagt: „Ich kriege das schon irgendwie hin.“ Ist das direkt eine hoffnungsvollere Aussage, die vielleicht dazu führt, dass er bereit ist, mehr auszuprobieren, bevor er aufgibt.

Einen Schalter umzulegen, ist nicht das Ziel. Es ist etwas, das man Stück für Stück trainieren muss. Der erste, hilfreiche Schritt ist es, seine Gedanken aktiv zu analysieren und jedes Mal, wenn negative Worte auftauchen, darauf zu achten, sie umzuformulieren. Jedes ‚nicht‘, ‚nie‘ oder ‚müssen‘ wird aus dem Selbstgespräch gestrichen.

Auch wenn der Satz das Gleiche aussagt, kann er mit einer positiveren Formulierung dennoch ein besseres Gefühl hinterlassen:

Wir öffnen nicht vor 9 Uhr.

hat einen negativeren Beigeschmack als

Wir sind ab 9 für Sie da!

Genauso hilft es auch unserem Selbstbewusstsein auf Dauer, wenn wir uns nicht sagen: „Ich kann das nicht!“, sondern: „Ich werde es lernen!“, oder auch: „Ich kann dafür andere Dinge.“

Die Gefahren negativer Sprache

Die Worte, die wir wählen und hören, haben oft ungewollt einen Einfluss auf uns. Das kann positiv genutzt werden, wie bei der Affirmation oder einer psychologisch gesteuerten Gesprächsführung in Verkaufs- und Feedbacksituationen. Das kann aber auch verheerende Folgen haben.

Die Präsidentschaft von Donald Trump war voll mit diesen. Ob unbedacht oder mit voller Absicht, die wiederholte Bezeichnung des Corona-Virus als China-Virus hatte explosionsartige Anstiege von gewaltvollen Attacken auf asiatischstämmige Menschen in den USA, die mit dem schuldzuschreibenden Begriff zusammenhing.

Auch in Deutschland gibt es das. Das Wort Flüchtlingswelle erweckt sofort das Bild einer unüberwindbaren Naturgewalt. Auch wenn wir uns noch nie Gedanken darüber gemacht haben, dass und wieso dieser Begriff gewählt wurde, unterbewusst speichert es dennoch bei vielen Menschen eine negative Assoziation mit der Flüchtlingskrise ab, die dann in Ablehnung mündet.

Interpretationsfreiraum sorgt für Konflikte

In vielen Gesprächen achten wir nicht hundertprozentig darauf, die richtigen Worte zu wählen. Das ist ein Zeichen der Entspannung und dafür, dass wir auf den anderen vertrauen zu verstehen, was wir meinen, auch wenn wir etwas nur umschreiben. „Ich bin zu alt, um etwas Neues zu lernen.“, heißt oft eigentlich: „Ich habe keine Zeit und keinen Nerv dafür, das Lernen dieses Etwas zu priorisieren.“

Warum es wichtig ist, diesen Unterschied auszuformulieren? Mit der zweiten Aussage hat eine Person eventuell mehr Verständnis für die Entscheidung. Wichtiger noch, es hilft dem Menschen selbst zu akzeptieren, dass der Entschluss gerechtfertigt und nicht nur reine Weigerung ist.

Das Prinzip der gewaltfreien Kommunikation und das 4-Ohren-Modell sind Methoden, durch die uns bewusst gemacht wird, dass jeder Mensch Erfahrungen und Empfindungen hat, die ein anderer nicht gemacht hat. Was er in seiner Kommunikation versteckt, weil er davon ausgeht, dass der andere es wahrnimmt, ist für den anderen mit seiner Vorerfahrung eventuell nicht selbstverständlich. So entstehen Interpretationen von Aussagen, die durch den Aussprechenden nie beabsichtigt waren.

Zu sagen: „Es ist aber kalt heute!“, in der Hoffnung, dass die andere Person eine Decke holt, führt nur zu Frustrationen, wenn der andere es nicht als eine Aufforderung versteht. „Könntest du mir vielleicht eine Decke bringen?“, ist eine klare Aussage, die kaum fehlinterpretiert werden kann. Damit stellt man sich keine Fallen, die man als Desinteresse des andere interpretieren kann.

Fazit

Unterschwellige Botschaften sind ein natürlicher Teil unserer Kommunikation, aber nicht jeder von uns ist auf die gleiche Sendungsfrequenz eingestellt. Nicht nur Menschen mit Autismus haben Probleme, doppelte Bedeutungsebenen zu entschlüsseln. Deshalb ist es ein wichtiger Prozess in zwischenmenschlichen Beziehungen, die Kommunikationsweise des anderen verstehen zu lernen. Wenn man häufig auf Konflikte trifft, kann es helfen, wenn man die eigenen Aussagen hinterleuchtet und sich anschaut, ob eine klare Kommunikation stattfindet, oder Missverständnisse auftreten.

Das gilt auch für die Kommunikation mit uns selbst. Wer dort häufig negative Worte findet, sollte versuchen, sie bewusst aus seinem Wortschatz zu streichen. Auch das Wiederholen von Affirmationen, die man so in seinem Gedächtnis abspeichert und beginnt zu glauben, kann dabei helfen das Selbstbewusstsein zu steigern.

Bildquelle:
https://www.pexels.com/de-de/foto/holz-industrie-schreiben-winter-6690237/