Mittwoch , 23. September 2020
Obst und Gemüse lässt sich ganz leicht auf dem Balkon anbauen.

Grüne Oasen in der Stadt: Urban Gardening

Wenn wir ein Stück Natur wieder zurück in die Stadt holen möchten, dann werden in der Regel Parks und Grünanlagen aufgebaut, die besucht und genutzt werden können. Allerdings kann man selbst einen kleinen Beitrag zur Stadtbegrünung leisten, indem man seinen Balkon, seinen Garten oder andere Außenanlagen, die zur Wohnung gehören begrünt. Das sieht nicht nur schön aus, sondern kommt auch der Umwelt zugute. Insekten finden beispielsweise Nahrungsquellen, jede Pflanze produziert Sauerstoff und wenn man selbst Gemüse oder Kräuter anbaut, muss man diese wiederum nicht im Supermarkt kaufen. Was Urban Gardening ist, wie man es selbst umsetzen kann und weitere Informationen haben wir an dieser Stelle zusammengefasst.

Was ist Urban Gardening?

Unter Urban Gardening oder Urban Farming versteht man in erster Linie den Anbau von Nutzpflanzen in der Stadt. Mittlerweile haben deutschlandweit sehr viele Stadtverwaltungen speziell dafür vorgesehene Grünflächen angelegt. Aber nicht nur auf der Fläche wird angebaut, oft findet man sogenannte Hochbeete. Das sind Holzkisten, in denen etwa auf Hüfthöhe Kräuter, Obst und Gemüse angebaut sind.

Spezielle Programme, wie etwa „Essbare Stadt“, unterstützen das Vorhaben wieder mehr Grün in die Deutschen Innenstädte zu bringen. In Lüneburg stehen beispielsweise im gesamten Stadtgebiet verteilt Obstbäume und –Sträucher, an denen sich die Bürger nach Belieben einfach bedienen können.

Der Trend begrenzt sich aktuell aber nicht nur auf die öffentlichen Flächen und Räume, auch viele Privatpersonen haben den Urban-Gardening-Trend für sich entdeckt und bauen eigene Nahrungsmittel in Bio-Qualität auf ihrem Balkon oder in ihrem Garten an. Selbst auf kleinster Fläche lassen sich bereits eine Menge Pflanzen unterbringen.

Was braucht man zum Urban Gardening zu Hause?

Im Prinzip braucht es nicht viel, denn eigentlich reicht eine Fensterbank mit einem Blumentopf bereits aus, um ein paar Kräuter oder Salat anzubauen. Natürlich ist diese Situation nicht ganz optimal. Mit einem Balkon kann man hier schondeutlich mehr anbauen. Dabei ist es wichtig, dass man in die Höhe baut.

Im Baumarkt bekommt man hier spezielle Pflanzregale, in denen man das Obst und Gemüse auf verschiedenen Ebenen anbauen kann. Als Ausgangsmaterial sollte man sich hier für unbehandeltes Holz, Ton oder Plastik aus recycelten Materialien entscheiden. Mindesten 40 Zentimeter sollten sie hoch sein, damit die Pflanzen tief genug wurzeln können. Welche Erde man nutzt kommt auf die Art der Bepflanzung an.

Welche Pflanzen eignen sich besonders gut?

Die Möglichkeiten hier sind wirklich nahezu grenzenlos. Allerdings gibt es einige Nutzpflanzen, die besonders gut auf Balkonen gedeihen. Dazu zählen unter anderem Tomaten, Gurken, Paprika oder Kartoffeln, Salat und Rucola. Mit einer Sondergenehmigung lassen sich sogar Hanfpflanzen auf dem Balkon anbauen. Die werden beispielsweise auch online gehandelt. Alle anderen Gemüse und Obstsorten bekommt man ganz normal im Gartencenter oder im Baumarkt. Im Handel findet man sogar spezielle Züchtungen für den Balkon.

Diese Arten sind vor allem für kleinere Räume geeignet, da die Früchte nicht allzu groß wachsen. Dafür sind sie jedoch sehr ertragreich. Allerdings bekommt man sie eher selten als Jungpflanze, sondern sie müssen selbst angepflanzt werden.

Vorteile des urbanen Gärtnerns

In erster Linie tut man der Natur etwas Gutes. Urbanes Gärtnern auf dem Balkon schafft beispielsweise Lebensräume für alle möglichen Tiere und Insekten. Vor allem aber Bienen können von den Pflanzen profitieren. Denn ohne die Bienen kann der Mensch nicht existieren. Denn sollten die Bienen einmal sterben, stirbt wohl auch der Mensch. Diese und andere Insekten spielen in der Lebensmittelproduktion eine sehr wichtige Rolle.

80 Prozent unserer Nutzpflanzen werden nämlich von Bienen bestäubt. Würde die Population der Tierchen also zurückgehen, würde die Zahl der Krankheiten ansteigen, da weniger Obst, Gemüse und Getreide geerntet werden könnte.

Auch die Umwelt profitiert von dem Grün in der Stadt. Die Pflanzen sorgen durch Photosynthese dafür, dass CO2 in Sauerstoff umgewandelt wird. Jede einzelne Pflanze, die es mehr auf der Welt gibt, sorgt also dafür, dass das ausgestoßene CO2 in der Luft gebunden wird.

Allerdings sollte man hier die Relationen betrachten: Ein Baum schafft es pro Jahr etwa 12,5 Kilogramm CO2 in Sauerstoff umzuwandeln. Der Durchschnittsdeutsche verursacht jedoch pro Jahr einen CO2-Ausstoß von mehr als elf Tonnen. Es müssen also noch viele Pflanzen und Bäume gepflanzt werden, um unseren CO2-Ausstoß zu kompensieren. Zusätzlich sollte jedoch jeder einzelne versuchen seinen eigenen CO2-Fußabdruck zu schmälern.

Vorteile von Urban Gardening Flächen in der Stadt

Nicht nur das heimische Gärtnern auf dem Balkon bietet so manche Vorteile, sondern auch der Anbau auf öffentlichen Flächen wirkt sich im Allgemeinen ebenfalls positiv aus. Wenn man öffentliche Anbauflächen nutzt, so trifft man dort immer wieder neue Menschen. Zusätzlich wird ein großer Beitrag für die Bildung geleistet.

Wer Urban Gardening betreibt, isst in der Regel gesünder und weiß Lebensmittel mehr zu schätzen. Wer sich hier engagiert trägt einen Teil zum Aussehen der Stadt bei. Denn die Grünflächen sind nicht nur sinnvoll, sondern sehen auch noch schön aus.

Die Wirkung und die Macht dieses Trends sind nicht zu unterschätzen. Man isst nicht nur selbst gesünder, sondern man leistet gleichzeitig noch einen Beitrag zum Umweltschutz. Selbst mit einem Mini-Beet auf der Fensterbank lässt sich schon ein kleiner und leckerer Beitrag dazu leisten. Wer absolut keinen Platz hat, kann sich jedoch auch auf städtischen Grünflächen austoben.

Bildquelle:
© unsplash.com, Markus Spiske