Dienstag , 29. September 2020
Online-Zahlungen sind per PayPal besonders komfortabel - nun hat PayPal die Nutzungsbedingungen abgeändert.

Zahlungsabwickler: Auswirkungen der neuen PayPal-Nutzungsrichtlinien

Der Zahlungsabwickler PayPal ist in der letzten Zeit durch einige Schritte aufgefallen. Im Oktober änderte PayPal nun seine Nutzungsrichtlinien. Während etliche Privatpersonen die Informationsmail vermutlich schlichtweg wegklicken und löschen, fragen sich Online-Anbieter natürlich, was ihnen nun bevorsteht. Wie werden sich die Änderungen auswirken und wie sahen die Änderungen überhaupt aus? Dieser Artikel schaut auf die Auswirkungen.

Irritationen um Mail von PayPal

PayPal ändert die Nutzungsbestimmungen – und niemand schaut hin. Der Zeitpunkt war wirklich ein wenig ungünstig, da zugleich Phishingmails unterwegs wagen, die User allgemein aufhorchen ließen. Was ist echt, was nicht? Worauf darf ich klicken, worauf nicht? Phishing ist rund um PayPal längst bekannt, denn solche Versuche von Betrügern kommen beinahe ständig vor. Der »Fake« von PayPal ist in diesem Fall jedoch dem Anbieter selbst zuzuschreiben:

  • E-Mail – es gab eine E-Mail mit dem Verweis, dass sich die Nutzungsrichtlinien ändern. Soweit so gut, allerdings gab es in diesem Jahr schon mehrere Änderungen und zugleich mehrere Phishingversuche, die auch auf geänderte Richtlinien hinwiesen.
  • Anhang/Link – genau hier lag das Problem. PayPal hat die geänderten Nutzungsbedingungen als PDF zur Einsicht zur Verfügung gestellt. Der Link in der E-Mail ließ allerdings keinerlei Rückschlüsse auf PayPal zu. Das Dokument lag nicht auf dem eigenen Server, sondern auf einem fremden. Aufmerksame User dachten natürlich sogleich, dass diese E-Mail ein Betrugsversuch war.

Erst, wenn die Homepage von PayPal aufgerufen wurde, natürlich über die Selbsteingabe der Adresse, konnten Nutzer herausfinden, dass die Änderungen tatsächlich korrekt sind und es sich bei der E-Mail nicht um einen Fake handelt. Wer selbst nicht häufig mit Phishingversuchen konfrontiert ist, der fragt sich natürlich, wie solche Irritationen auftreten können. Es ist einfach:

  • Professionalisierung – gute Phishing-Mails oder Webseiten sind heute nur noch schwer vom Original zu unterscheiden. Die Rechtschreibung und Grammatik sind korrekt, das Logo des Anbieters wirkt echt, der Inhalt ist so verfasst, dass er glaubhaft ist.
  • Absender – die Betrüger nutzen echt erscheinende Absenderadressen. Da sie auch Webseiten in den Stil mit einbinden, ist es wirklich schwer festzustellen, ob diese Mail nun ein Fake ist oder nicht.

Trotzdem, obwohl etliche Personen, gerade Anbieter, hofften, dass diese Änderung ein Betrugsversuch ist, so stimmt sie. Mit Folgen.

Welche Änderungen wurden umgesetzt?

Es gab gleich mehrere Änderungen:

  • Verbotene Aktivitäten – darunter fallen Zahlungsabwicklungen, die am jeweiligen Aufenthaltsort illegal sind, worunter auch Glücksspielangebote fallen.
  • Wechselkursgebühr – sie wird allgemein angehoben, von 2,5 Prozent auf 3 Prozent über dem Transaktionswechselkurs. Die Wechselkursgebühr beträgt somit 4 Prozent.

Erst im August gab es eine umfassende Änderung durch PayPal, dies war nun die nächste.

Was bedeutet das in der Praxis?

Besonders interessant sind die »Verbotenen Aktivitäten«. Was auf den ersten Blick absolut logisch klingt, ist es nicht. Denn was verstehen die meisten Bürger unter verbotenen Aktivitäten? Hierbei geht es oft um Dinge wie Drogenhandel, Waffenhandel oder auch um den Handel mit Diebesgut. Diese Aktivitäten sind selbstverständlich verboten. Aber wie sieht es in anderen Bereichen aus?

Das Problem liegt beispielsweise beim Glücksspiel. Die Lage in Deutschland ist so verzwickt, dass sogar Kenner der Materie oft genug aufstöhnen. Allerdings dürfen rund 80 Prozent der Spielinteressierten keine Kenner sein. Wie sollen sie feststellen, ob ein Angebot legal oder nicht ist? Zumal:

  • Werbung – wer auch nur kurzzeitig auf den privaten Programmen Werbung schaut, der sieht unweigerlich die TV-Werbung etlicher Casinos. Sicher ist mehr oder weniger sichtbar eingeblendet, dass das Angebot nur für Bewohner in Schleswig-Holstein gilt, dennoch wirkt das Angebot legal. Und da der Hinweis ähnlich dem Apothekenhinweis oder dem Hinweis von Waschmittel-Pods gleicht, ist die Gefahr groß, dass er untergeht.
  • Hinweis: Online-Casinos sind in Deutschland grundsätzlich verboten. Die Ausnahme macht hier das Bundesland Schleswig-Holstein. 

  • Aufruf – wer die beworbenen Seiten aufruft, der gelangt auch zum Ziel. Nur ist dies, außer in Schleswig-Holstein, nicht die deutsche Seite, sondern die mit einer EU-Lizenz. Faktisch betrachtet sieht das deutsche Glücksspielgesetz diese als illegal an, innerhalb Europas sind sie dies jedoch nicht. PayPal sieht darin allerdings ein verbotenes Angebot und stellt deshalb den Support für Online-Glücksspielanbieter ein. Doch welche Alternativen bleiben letztlich? Auf Online-Casinos.com/de/ wird eine Übersicht über bekannte Glücksspielanbieter gezeigt und auch auf die Zahlungsanbieter hingewiesen.
  • Sportwetten – hier wird es noch verzwickter. Wettinteressierte brauchen nur nebenbei Fußball zu schauen, schon kennen sie mindestens drei Sportwetten-Anbieter mit Namen. Die meisten davon haben mittlerweile eine deutsche Lizenz, etliche Sportwetten-Anbieter haben aber auch ein Casino. Beides ist mit einem Account aufzurufen. Sportwetten-einzahlungen sind demzufolge laut PayPal erlaubt, das Casinoangebot derselben Seite jedoch nicht.

Wesentlich problematischer ist allerdings die Erklärung von PayPal: »… Falls Sie unsicher sein sollten, ob ein konkretes Angebot an Ihrem Aufenthaltsort legal ist oder nicht, müssen Sie sich vor der Nutzung der PayPal-Services im Zusammenhang mit dem Angebot von der Legalität vergewissern.« Der Nutzer wird somit in die Pflicht genommen, obgleich er bei der aktuellen Gesetzeslage gar keine Antwort finden kann, da deutsches Recht mit dem EU-Recht kollidiert. Im Ernstfall kann gar sein Konto bei PayPal gesperrt werden.

Fazit – Unsicherheit von vorne bis hinten

Schon die Mail von PayPal war unklug formuliert. Der Anbieter muss Kenntnis darüber gehabt haben, dass mehrfach Phishingmails unter seinem Namen verschickt wurde. Eine Datei mit unbekanntem und nicht zuzuordnendem Ziel anzuhängen, war natürlich nochmals problematisch. Wie auch die Änderung der Nutzungsbedingungen. Sicherlich sind »verbotene Aktivitäten« recht deutlich, doch die Beweislast, ob ein Angebot legal ist oder nicht, dem Kunden zuzuschieben, ist für diesen nicht immer einfach

An dieser Stelle dürfen nicht die versierten Nutzer angesprochen werden, sich rund um Casinos und Glücksspielstaatsverträge bestens auskennen, sondern diejenigen, die hin und wieder mal online Roulette oder Poker spielen wollen. Oder aber, auf den Sieg ihres Vereins tippen möchten. Wenn zugleich noch TV-Werbung suggeriert, dass ein Angebot völlig in Ordnung ist, hat der allgemeine User ein Problem, sofern er nicht gewillt ist, sich tief in die Materie einzuarbeiten.

Bildquelle:
@ christinhumephoto / Unsplash.com