Internatsschulen im Fokus

Ob Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft – die Pandemie stellt alle Menschen in allen Institutionen vor neue Herausforderungen. Die Schulen stehen in diesem Zusammenhang in einem besonderen Fokus – als Orte, an denen trotz Kontaktbeschränkungen viele Menschen zusammenkommen, und als Testlabore für neue Unterrichtsmethoden, die für Lehrer, Schüler und Eltern gleichermaßen funktionieren müssen. Internatsschulen nehmen hier einen besonderen Platz ein, da sie über den Unterrichtsbetrieb hinaus für ihre Schüler*innen da sind. Internatsschulen befinden sich meist in privater Trägerschaft, einige familiengeführt, andere konfessionell geprägt, viele aber als Stiftung oder als gemeinnützige Träger.

Heike Elz

„Der Bildungs- und Erziehungsauftrag endet nicht mit dem Schellen der Schulglocke. Wir sind verlässlich für unsere Schüler*innen da, im Präsenzunterricht, in Phasen des Homeschoolings und auch im alltäglichen Ablauf. Auch während des Lockdowns blieb und bleibt unser Internat geöffnet, denn es ist nicht nur Schule, sondern auch Zuhause. Es ist ein Privileg, so zu arbeiten, und geht mit einem hohen Maß an Verantwortung einher.“ Heike Elz, Leiterin des Gymnasiums Schule Marienau

Die Bedingungen des Lernens unterscheiden sich von denen an öffentlichen Schulen: Die Klassen sind deutlich kleiner – mit durchschnittlich 16 bis 18 Schüler*innen zum Teil nur halb so groß. Das verändert die Lernatmosphäre und ermöglicht es, alle Lernenden im Blick zu haben.

Darüber hinaus bietet eine Internatsschule Schüler*innen ein Zuhause, das heißt auch nach dem Unterricht verbringen sie Zeit auf dem Campus und wohnen dort. Engagierte Sozialpädagog*innen und Erzieher*innen ergänzen die Arbeit der Lehrkräfte, sodass sich die Tätigkeit multiprofessionell gestaltet. Gemeinsame Mahlzeiten, zahlreiche Arbeitsgemeinschaften und Lehrkräfte, die nicht nach Schulschluss verschwinden, bilden einen besonderen Rahmen. Viele Lehrer*innen leben ebenfalls auf dem Internatsgelände, zum Teil mit ihren Familien. Sie begleiten die Schüler*innen also nicht nur auf ihrem akademischen Werdegang, sondern lernen sie umfassend kennen. So sehen die Lehrkräfte die ganze Person mit allen Fertigkeiten, Talenten und im sozialen Miteinander auch außerhalb des Unterrichts: Die Persönlichkeit der jungen Menschen, die ihnen anvertraut werden.

Die Arbeitsbedingungen der Lehrer*innen unterscheiden sich nicht nur aufgrund der kleineren Klassenstärken und der räumlichen Nähe zu den Schüler*innen von denen anderer Lehrer*innen, sondern auch in der Wahrnehmung ihres Status. Im Gegensatz zu ihren Kolleg*innen an Staatsschulen sind Lehrer*innen am Internat keine Beamte, sondern Angestellte. Ihre Bildungs- und Erziehungsarbeit gilt als Dienstleistung, zu deren Erbringung sie verpflichtet sind – und für die sie von den Eltern im Gegenzug eine hohe Wertschätzung erhalten. Obwohl sich viele Lehrkräfte zu einer Risikogruppe zählen können, hat sich nach dem Lockdown kaum ein*e Lehrer*in krankgemeldet. Aber auch außerhalb einer Pandemie verzeichnen Internatsschulen einen deutlich geringeren Unterrichtsausfall, denn schließlich ist der größte Teil der Schülerschaft immer vor Ort. Es entspricht dem Selbstverständnis der hier Tätigen, dass sie in der Verantwortung stehen.

Oft steht der Schulbesuch an Internatsschulen auch Kindern und Jugendlichen offen, die aus der näheren Umgebung kommen. Sie besuchen die Privatschulen als Tages- oder Ganztagesschüler*innen und profitieren von dem Lernumfeld durch die kleinen Klassen und dem internationalen Umfeld. Seit vielen Jahren unterhalten alle Internatsschulen Kooperationen mit Schulen im Ausland. Die internationalen Schüler*innen kommen aus allen Teilen der Welt und bereichern sowohl das Schul- als auch das Internatsleben. Klassenfahrten und Austauschprogramme gehören nach wie vor zum Schulprogramm dazu, ein Aspekt, der an öffentlichen Schulen oft nicht mehr stattfindet.

In Zeiten, in denen Digitalität das Leben immer mehr beeinflusst, übernehmen die privaten Internatsschulen die Aufgabe, Schüler*innen Schritt für Schritt an das Lernen mit Tablet & Co. heranzuführen. Unterrichtlich ergeben sich hier besondere Möglichkeiten der Differenzierung und Individualisierung im Unterricht. Die Ausstattung der Schulen ist auf dem neuesten Stand, oft funktionieren die Klassenräume nach dem 360°-Prinzip im ausgewogenen Miteinander von klassischer Tafel und Tablets im Unterricht.