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Der Zukunft um viele Jahre voraus

Die Trafostation in der Stöteroggestraße wirkt zunächst eher unspektakulär. Dabei steckt in ihr gewaltiges Potenzial: Als eine von 400 neuen digitalen Ortsnetzstationen macht sie künftig das Lüneburger Stromnetz intelligenter, die Stromversorgung sicherer und die Stadt zum Leuchtturmprojekt für die Energiewende. Mit dem, was hier bis 2024 investiert wird, sollen die Energie-Visionen für 2030 schon ein gutes Stück früher Realität werden. Und nur mit der entsprechenden, schlauen (Netz-)Infrastruktur kann der Wandel gelingen.

Mit der offiziellen Inbetriebnahme der Ortsnetzstation wurde am vergangenen Mittwoch die "Smart Energy Region" eröffnet – Lüneburg wird Modellregion für das digitale Stromnetz der Zukunft. Rund 40 Millionen Euro steckt Energieversorger Avacon insgesamt in das Projekt. Mit der schnellen, nachhaltigen Digitalisierung des Stromnetzes in weiten Teilen der Hansestadt und des Landkreises sollen die dezentrale Energieversorgung und die Einbindung erneuerbarer Energien nachdrücklich vorangetrieben werden. Ein Thema, das in den letzten Monaten noch an Dringlichkeit gewonnen hat: Wie wichtig uns die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und ihrem Import sein sollte, führt uns das Kriegsgeschehen in der Ukraine deutlicher denn je vor Augen. Versorgungssicherheit ist zu einer Kernforderung in der Energiewende geworden. Intelligente Verteilnetze sind der Schlüssel dazu.

Ausgebaute, schlaue Netze als Herzstück des Wandels

Schon mit der Formulierung der Klimaziele 2030 wurde klargestellt, dass der Digitalisierung eine entscheidende Rolle in der Energiewende zukommt. Der Umstieg auf E- Mobilität, die Transformation der Wärme, die bedarfsorientierte Nutzung der erneuerbaren Energien – all das ist ohne smarte Netze nicht denkbar. Kurz: Der Weg in die Energiewende ist ein digitaler!

Und während über die zukünftige Rolle von Energiequellen wie Windkraft und Photovoltaik in der Öffentlichkeit schon lange breit diskutiert wird, kommt der so wichtige Aspekt der im Hinter- und auch Untergrund wirkenden Infrastruktur häufig zu kurz. Die Netze sind es, die die Basis für jede Weiterentwicklung bilden, weil ihnen die Aufgabe zukommt, die Erzeugung von Energie und ihren Verbrauch zu synchronisieren und den Stromtransport zu harmonisieren – erst recht, da großformatige Speicherlösungen bis auf weiteres nicht zur Verfügung stehen. Die Smartifizierung der Netze dient dem flüssigen Stromtransport zwischen Regionen und bei uns vor allem von Norden nach Süden (Windkraft!). Und sie ermöglicht ihnen, wie ein gesunder Kreislauf darauf hinzuwirken, dezentrale Erzeugung und flexiblen Verbrauch auszubalancieren und zu verbinden – nicht nur regional oder national, sondern auch EU-weit zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage und für die größtmögliche Versorgungssicherheit.

Seit Mittwoch ist sie offiziell in Betrieb: Die erste digitale Ortsnetzstation in der Stöteroggestraße in Lüneburg. 400 weitere sollen bis Ende 2024 folgen.

Digitale Knotenpunkte – lesen, verstehen und verteilen vor Ort.

Zurück nach Lüneburg: In den neuen Ortsnetzstationen unserer Region wird die Smartifizierung der Infrastruktur erleb- und anfassbar. Hochleistungsfähige, regelbare Trafos werden hier über Router an das öffentliche Mobilfunknetz angebunden und zusammen mit rund 5000 zusätzlichen intelligenten Messsystemen (Smart Meter) und einem neuen, smarten Umspannwerk (geplant für 2023) vernetzen sie das Nutzungsverhalten der Menschen vor Ort eng mit den Aktivitäten von Energieversorgern und -erzeugern. Die gesammelten Informationen werden zur Grundlage datengetriebener Lösungen wie z. B. von Prognosemodellen und Netzmonitoring. Angebot und Nachfrage können durch stetiges Beobachten der Situation aufeinander abgestimmt und Kapazitäten einfach, flexibel und bedarfsgerecht umverteilt werden. Über dieses intelligente Datenmanagement werden sich auch Elektromobilität und dezentral erzeugte erneuerbare Energien vermehrt ins Stromnetz integrieren lassen. Konkret heißt das: Das schafft zusätzliche Kapazitäten für Tausende PV-Anlagen, Wallboxen und Wärmepumpen.

Schneller, digitaler, nachhaltiger – "Smart Energy" wird zum Standortvorteil.

Ein modernes, digitalisiertes und automatisiertes Stromnetz ist selbstverständlich auch ein wichtiges Standort-Kriterium für Unternehmen und technische Innovationen, zum Beispiel, wenn es um die Erzeugung von grünem Wasserstoff geht. Auch privat begreifen sich immer mehr Menschen als aktiven Teil der Energiewende und möchten zu einer klimaneutralen Energiezukunft beitragen. Nachhaltigkeit und ein intelligentes Energiemanagement können so zum gemeinsamen Ziel werden, das alle Akteure regional und landesübergreifend realistisch miteinander angehen – schön, wenn man dann in und um Lüneburg zuhause ist! In der "Smart Energy Region" geht das nämlich ab jetzt besser und schneller als fast überall sonst in der Republik.


EXPERTEN-MEINUNG
Marten Bunnemann zur Rolle der Infrastruktur in der Energiewende.

„Starke Netze sind der Schlüssel für das Gelingen der Energiewende “

„Die Energiewende ist kein starrer Plan, sie entwickelt sich vielmehr dynamisch mit den veränderten Gewohnheiten der Menschen und den technischen, ökologischen und politischen Herausforderungen unserer Zeit. So erfordern beispielsweise die nachhaltige Wärme- und Verkehrswende eine deutlich dezentralere, erneuerbare Stromerzeugung. Gleichzeitig entstehen neue, flexible Kundenanforderungen wie Ladesäulen, Wärmepumpen und Speicher. All diese Energieliefer- und -speicherprodukte müssen intelligent koordiniert werden! Mit der Digitalisierung des Verteilnetzes werden wir in Lüneburg zu einer Gemeinschaft mit Vorbildcharakter."

Marten Bunnemann ist Vorstandsvorsitzender der Avacon AG und seit vielen Jahren mit der Ausrichtung von Unternehmensleistungen auf die Herausforderungen der Energiewende befasst.

Fotoquellen:
iStock / Petmal; Thomas Ix