Ein Mund-Nasen-Schutz liegt auf einem Gehweg in Berlin. Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Sorgenkind Berlin: Bei Infektionszahlen vor Bayern – Corona-Ampel doppelt gelb

Berlin. Zum ersten Mal seit der Einführung des Ampelsystems zur Bewertung der Corona-Lage in Berlin steht der Sprung auf Doppel-Gelb bevor. Grund ist, dass die sogenannte Reproduktionszahl, kurz R-Wert, auf 1,52 steigt, wie ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung am Montag sagte. Der Wert sollte demnach am Montagabend im Lagebericht im Internet veröffentlicht werden. Damit springe die entsprechende Ampel von Grün auf Gelb.

Gemäß der Ampelsystematik besteht dann laut dem Sprecher Beratungsbedarf, weil auch die Ampel für die Fallzahlen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen bereits auf Gelb steht.

Berlin bei Infektionszahlen jetzt vor Bayern

Wie der Sprecher ankündigte, hat Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) angesichts der verschärften Lage die Bezirksbürgermeister der drei besonders betroffenen Bezirke Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg für Dienstagnachmittag zu Beratungen eingeladen. Sie zeigte sich besorgt über die Entwicklung der Corona-Pandemie in der Hauptstadt.

Der Anstieg der Neuinfektionen in Berlin gewinne an Fahrt, sagte Kalayci am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. Bei der Inzidenz in den vergangenen sieben Tagen (Fallzahl pro 100.000 Einwohner) liege Berlin im Durchschnitt der Bundesländer mit einem Wert von 20,4 nun vor Bayern an der Spitze.

Beim dritten Indikator steht Ampel noch auf Grün

Der Schutz der älteren Menschen funktioniere noch. Allerdings müsse man damit rechnen, dass die derzeit bei jüngeren Menschen verbreiteten Infektionen auch verstärkt die höheren Altersgruppen erreichten und dann die Zahl der Krankenhaus- und Todesfälle steigen könne, erklärte sie. Neben Ansteckungen in Privathaushalten und beim Freizeitverhalten habe man in der Stadt viele gestreute Neuinfektionen, die nicht auf bestimmte Ausbrüche zurückzuführen seien.

Beim dritten Indikator, den Intensivbetten, steht die Ampel laut Gesundheitsverwaltung jedoch weiter auf Grün. Für jeden der Indikatoren waren Schwellenwerte definiert worden: Bei Überschreitungen wechselt die entsprechende Ampelfarbe. Für den Fall von Doppel-Rot hatte die Politik vereinbart, dass dies Handlungsbedarf bedeuten würde. Der nun gestiegene R-Wert besagt, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt.

Friedrichshain-Kreuzberg: Corona nach Partys bei jungen Erwachsenen

So betroffen wie derzeit kein anderer Berliner Bezirk ist. Friedrichshain-Kreuzberg. Er zeigt sich wegen gestiegener Corona-Zahlen in Verbindung mit Partys alarmiert. “Die hohen Infektionszahlen in unserem Bezirk sind vielfach auf junge, feiernde Menschen zurückzuführen”, erklärte Gesundheitsstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) am Freitag. Ansteckungsorte seien “oftmals Clubs, private Feiern und inoffizielle Veranstaltungsorte in Friedrichshain-Kreuzberg”, aber auch in anderen Bezirken".

Von Infektionen betroffen ist nach Bezirksangaben vor allem die Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen. Auch Außenbereiche von Clubs spielten bei der Ansteckung eine Rolle, hieß es. “Weitere Schwerpunkte sind private Feiern und illegale Raves in Außenbezirken.” Der Bezirk kündigte verstärkte Kontrollen von Veranstaltungsorten an und will bei Polizei und anderen Bezirken diesbezüglich “für eine gemeinsame Schwerpunktsetzung” werben.

Laut dem Lagebericht der Gesundheitsverwaltung von Freitag sind in Friedrichshain-Kreuzberg in den vergangenen sieben Tagen berlinweit die meisten Neuinfektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl registriert worden, 114 Fälle wurden in dem Zeitraum erfasst.

RND/dpa