Dienstag , 27. Oktober 2020
Warnhinweise in einer Mittelschule in Bayern. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Corona-Fälle und Quarantäne an Schulen: So ist die Lage in den Bundesländern

Wegen der steigenden Zahlen von Neuinfektionen fällt für einige Schüler und Lehrer wieder der Unterricht aus. Das Land Nordrhein-Westfalen hat am Montag konkrete Zahlen veröffentlicht. Dort sind derzeit fast 7000 Schüler und knapp 600 Lehrkräfte in Quarantäne. Vier Schulen sind komplett geschlossen, in 106 weiteren Standorten ist es zu Teilschließungen gekommen.

Aber wie sieht es in den anderen Bundesländern aus? Während einige Bildungsministerien tägliche Statistiken führen, bleiben andere Länder bei groben Zahlen in Klassenverbänden, wie Anfragen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) ergeben haben.

Die meisten Schüler in Quarantäne finden sich demnach nicht im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW, sondern in Bayern. Der Freistaat hat mit 1,65 Millionen Schülern rund eine Million weniger als NRW, davon sind aktuell rund 9000 in Quarantäne, 343 von ihnen mit nachgewiesenen Corona-Infektionen. Hinzu kommen 48 infizierte Lehrkräfte.

Corona an Schulen: Bundesländer mit eigenen Statistiken

Anderes Land, andere Zählweise: Auch in Schleswig-Holstein weiß das Kultusministerium über die Schüler und Lehrkräfte Bescheid, die wegen Covid-19 nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können. Gesammelt werden die Daten bereits seit dem Ende der Sommerferien Anfang August. Von den insgesamt 365.000 Schülern und 28.000 Lehrkräften wurden bisher 77 Schüler und vier Lehrer positiv getestet. Schleswig-Holstein schickte daher 52 Klassen und Kleingruppen von rund zehn Schülern in die vorsorgliche Quarantäne. 16 von ihnen sind noch immer nicht zurück in der Schule.

Die Zahlen sind jedoch nicht validiert, erklärt die Pressestelle des Kultusministeriums, sondern beruhen auf “schulaufsichtlichen Erkenntnissen”.

Dass jedes Bundesland in Sachen Corona und Schule eigene Wege geht, zeigt sich auch in Sachsen-Anhalt. Details zu Quarantänemaßnahmen für Lehrkräfte und Schüler “werden nicht gesamtsystematisch erfasst”, heißt es aus dem Kultusministerium Sachsen-Anhalt. Auch, weil die Fluktuation relativ hoch sei. Anzumerken ist dabei jedoch, dass Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich generell eher geringe Fallzahlen von Sars-CoV-19-Infektionen aufweist.

Ein Nachbarland hält es ähnlich. Niedersachsen hält sich, was die Gesamtzahl infizierter Schüler und Lehrer betrifft, bedeckt. Auf Nachfrage des RND teilt das Kultusministerium mit, dass sich derzeit eine Schule komplett in Quarantäne befindet. Dabei handelt es sich um ein Gymnasium im Landkreis Cloppenburg. Der Landkreis vermeldete in den vergangenen Tagen stark steigende Zahlen von Neuinfektionen. Insgesamt sind in Niedersachsen 161 Klassen und Gruppen aktuell vom Präsenzunterricht ausgeschlossen.

Baden-Württemberg: Schülerparty sorgt für viele Quarantänefälle

Der Föderalismus zeigt seine Seiten auch in Baden-Württemberg. In 38 Schulstandorten bleiben 49 Klassen im Moment zu Hause. Will man in Erfahrung bringen, wie viele Infizierte es dort gibt, wird es kompliziert. Das Kultusministerium verweist auf das Ministerium für Soziales, das auf das Gesundheitsministerium. Dort wird erklärt, dass es erst kürzlich eine Schülerparty gab, die mit einigen infizierten Schülern zusammenhängt, genauere Zahlen fänden sich jedoch nur bei den einzelnen Landkreisen.

Die Schülerparty fand in Reutlingen statt. Dort feierten 33 Jugendliche von sieben verschiedenen Schulen und vier Fußballvereinen. 14 Gäste wurden bisher positiv auf das Coronavirus getestet, knapp 350 Personen mussten in Quarantäne.

Es gibt jedoch auch Bundesländer, die regelmäßige Zahlen listen. Dazu gehört Hamburg. Dort schickte das Gesundheitsamt 19 Klassen und 49 Schulbeschäftigte in Quarantäne, 59 Schüler und 13 Beschäftigte sind mit dem Coronavirus infiziert. Ob es sich bei den Beschäftigten jedoch um Lehrkräfte handelt, ist unklar. Ebenso in Berlin. In der Hauptstadt wird zumindest über die Infektionszahlen berichtet: 79 Schüler und 24 Lehrkräfte infizierten sich seit Schuljahresbeginn mit dem Coronavirus (Stand: 18.09.2020).

Unbürokratisch hält es Thüringen. Mit einem Ampelsystem zeigt das Kultusministerium coronabedingte Einschränkungen an. Aktuell ist eine Schule auf der Stufe Rot. Die Grundschule in Buttelstedt blieb bis Montag, 21. September, geschlossen. Insgesamt finden sich an 18 Schulen in Thüringen vereinzelte Infektionsfälle, verstärkt im Landkreis Weimar. Dort sind die Schulen nur mit eingeschränktem Regelbetrieb geöffnet.

Nachbarland Sachsen zählt etwas detaillierter, seit Schuljahresbeginn mussten sich 876 Schüler in Quarantäne begeben, insgesamt gab es 41 positive Corona-Testergebnisse. Über die Zahlen bei den Lehrkräften ist nichts bekannt.

In Hessen und Rheinland-Pfalz behält ebenfalls das jeweilige Kultusministerium den Überblick über Infektions- und Quarantänezahlen. Von insgesamt 76.000 Schülern befinden sich in Hessen derzeit rund 4718 in Quarantäne, 483 Lehrer sind zusätzlich nicht im Präsenzunterricht (Stand: 18.09.2020). In Rheinland-Pfalz sind es nur halb so viele: 2271 Schüler mussten in Quarantäne, 68 von ihnen sind bisher (Stand: 18.09.2020) infiziert. Hinzu kommen 224 isolierte Lehrer, acht mit einem positiven Corona-Test.

Sieben Wochen ist das neue Schuljahr in Mecklenburg-Vorpommern alt. Seitdem gab es an 24 Schulen Quarantänemaßnahmen, an zehn Schulen wurden Infektionsfälle entdeckt. Derzeit befinden sich 892 Schüler und 101 Lehrkräfte und Pädagogen in Quarantäne, eine Gesamtschule in Rostock ist geschlossen. Viel kleiner, aber mit fast gleicher Quarantänezahl bei den Schülern steht aktuell das Saarland da. Für 966 Schüler und 76 Lehrkräfte ist die häusliche Isolation angeordnet. Ein Gymnasium in Lebach bleibt noch bis zum 25. September geschlossen.

Die Behörden in Bremen und Brandenburg antworteten nicht auf die RND-Anfrage.

Von Vanessa Gregor/RND