Samstag , 24. Oktober 2020
Die Männer kletterten an einem frei schwimmenden Eisberg hoch (Symbolbild). Quelle: Felipe Dana/AP/dpa

Lebensgefährlich: Extremsportler klettern auf Eisberg und versinken mit ihm

Longyearbyen. Auf Spitzbergen im Nordpolarkreis haben sich zwei Extremsportler daran gemacht, einen Eisberg zu erklimmen. Ein Video, das Mike Horn und Fred Roux davon auf Instagram teilten, sorgt nun für Kritik. Schon der Schweizer Horn selbst hatte das Video betitelt mit: “Oops, hätte vor dem Klettern kein Frühstück essen sollen, werden wir nicht wiederholen.”

Auf dem Videoausschnitt, das von einem Boot in der Barentsee gefilmt wurde, ist zu sehen, wie Horn und Roux auf einen aus dem Meer ragenden großen Eisbrocken klettern. Während sie sich an die steile Wand machen, dreht sich der Eisberg allerdings und wirft die beiden nicht nur ins Wasser, sondern zieht sie auch hinunter. Der Eisberg dreht sich komplett, während Roux und Horn versuchen, vom Unglücksort wegzuschwimmen. “Wir haben beide überlebt”, schreibt Horn zu seinem Video.

Kritik auf Instagram: “Das Dümmste, was ich seit Langem gesehen habe”

“Das ist das Dümmste, was ich seit Langem gesehen haben”, schreibt ein Instagram-User unter das Video. “Was habt ihr dort oben gesucht? Den Tod?”, fragt eine Userin. Viele teilen Mike Horn mit, dass sie die Aktion für einen großen Fehler halten. “Ihr hattet wirklich Glück, dass nichts passiert ist“, kommentiert jemand. “Ich dachte, du bist ein professioneller Extremsportler. Was ist das? Das ist einfach nur peinlich!”, ein anderer. Die Umweltfotografin Cristina Mittermeier, die für “National Geographic” arbeitete, bezeichnete den Vorfall als “einfach nur dumm und unverantwortlich.”

Auch in der norwegischen Web-TV-Serie “Spårtsklubben” wurde der Clip gezeigt. Ex-Eishockey-Profi Erik Follestad nannte die Aktion “lebensgefährlich”, Ex-Fußballspieler Mads Hansen bezeichnete die beiden als verrückt.

Mike Horn rechtfertigt sich: “Das Video soll eine Lektion sein, was man in der Arktis nicht tun sollte”

Mike Horn hingegen rechtfertigt sich auf seinem Youtube-Kanal. In einem Video sagte er: “Ich vertraue sehr auf meine Erfahrungen und die Vorbereitung, um die Risiken etwas geringer zu halten.” Dennoch räumte er einen Fehler ein, das Video solle eine Lektion sein, “was man in der Arktis nicht tun sollte: Wenn man lange leben möchte, sollte man etwas weniger Blödsinn machen.” Er liebe Eisberge und bei einer Tour in der Nähe von Spitzbergen hätten Fred Roux und er den Eisberg entdeckt und spontan entschieden, hinaufzuklettern.

Sie seien vorher extra mit dem Boot um den Eisberg herumgefahren, um zu sehen, wie stabil er sei. “Ich habe das Ende des Eisbergs genau sehen können.” Dann aber begann der Eisberg sich langsam zu drehen – während die beiden schon am Klettern waren. “Der Bruder von Fred hat die Situation schnell erkannt und gerufen, dass wir schnell hochklettern sollen. Fred hat daraufhin wie verrückt versucht, nach oben zu kommen, damit der Eisberg ihn nicht erschlägt.”

Stunt war lebensgefährlich – doch beide wollen wieder auf Eisberge klettern

Trotzdem landeten beide im nur zwei Grad kalten Wasser. “Mit der Ausrüstung und den schweren Klamotten am Körper beginnt man schnell zu sinken. In diesem Moment muss man ruhig bleiben.” Daraufhin habe der Sportler versucht, den Kopf solange über Wasser zu halten, bis seine Kollegen ihn mit einem kleinen Schlauchboot zurück zum Segelschiff bringen konnten. Beide blieben unverletzt.

“Ich habe entschieden, das Video hochzuladen, einfach weil man genau das nicht tun sollte. Das war eine 100-prozentige Dummheit.” Dennoch will Horn auch weiterhin auf Eisberge klettern – aber nur auf solche, die den Grund berühren, keine, die wie der vor Spitzbergen frei schwimmen. “Es sind nicht die Eisberge, die gefährlich sind. Es ist der Mensch, der dieses Eis hinaufklettert, weil er die falsche Entscheidung getroffen hat.”

RND/al/msk