Samstag , 24. Oktober 2020
Der australische Kardinal George Pell ist von Papst Franziskus nach Rom zurückgerufen worden.

Nach Missbrauchsvorwürfen: Kardinal Pell kehrt in den Vatikan zurück

Das berichtet die italienische Ausgabe der Onlinezeitung “Huffington Post”. Pell war zuvor in seiner Heimat von Missbrauchsvorwürfen freigesprochen worden.

Rom. Papst Franziskus hat den australischen Kardinal George Pell einem italienischen Medienbericht zufolge nach Rom zurückgerufen. Der in seiner Heimat von Missbrauchsvorwürfen freigesprochene Ex-Finanzminister des Vatikans wird nach Angaben der italienischen Ausgabe der Onlinezeitung “Huffington Post” (Montag) bereits am Dienstag in Rom erwartet. In welcher Funktion der ehemalige Erzbischof von Sidney im Vatikan tätig werden soll, teilte die Zeitung nicht mit.

Pell saß bis zum Freispruch mehr als ein Jahr in Haft

Die Rückkehr Pells ist laut „Huffington Post“ auch als Rehabilitierung des Australiers zu verstehen. Pell soll als Präfekt des Wirtschaftssekretariats mit Forderungen nach Offenlegung der Finanzen der einzelnen Vatikanbehörden auch im Staatssekretariat auf erheblichen Widerstand gestoßen sein.

Pell habe als Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats vor seinem Missbrauchsverfahren Erkundigungen über den Ankauf einer Luxusimmobilie in London durch das vatikanische Staatssekretariat eingeholt, berichtet die „Huffington Post“. Nach Pells Rückzug aus Rom kamen dann Ermittlungen der vatikanischen Justiz wegen dubioser Finanztransaktionen in Gang, die zum Erwerb der Immobilie zu einem überhöhten Preis geführt haben sollen.

In diesem Zusammenhang nahm der Papst vor wenigen Tagen den Rücktritt von Kardinal Giovanni Angelo Becciu als Präsidenten der Heiligsprechungskongregation an. In einem ungewöhnlichen Schritt verzichtete der bisherige Kurienchef auch auf die mit dem Kardinalrat verbundenen Rechte wie Teilnahme am Konklave. Bis zu seinem Wechsel an die Heiligsprechungskongregation und Ernennung zum Kardinal 2018 war Becciu im vatikanischen Staatssekretariat für Finanzangelegenheiten zuständig.

Der Australier Pell war im April in höchster Instanz vom Vorwurf freigesprochen worden, in den 90er Jahren zwei Jungen missbraucht zu haben. Bis zum Freispruch hatte Pell mehr als ein Jahr in Haft gesessen.

RND/epd