Samstag , 24. Oktober 2020
In Indien hat es nach tödlichen Vergewaltigungen von Frauen Proteste gegeben. Quelle: imago images/Hindustan Times

Proteste nach tödlichen Gruppenvergewaltigungen in Indien

Neu Delhi. Aus Protest gegen zwei Gruppenvergewaltigungen mit tödlichem Ausgang protestieren Menschen in mehreren Regionen Indiens. Beide Opfer waren Frauen aus der niedrigsten indischen Kaste, der Dalits. Berichten zufolge wurde eine der Frau von Männern aus einer höheren Kaste missbraucht, ehe sie an schweren Verletzungen starb.

Beide Frauen kamen aus dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat Uttar Pradesh, der zu den ärmsten gehört. Die Polizei versuchte am Donnerstag im Heimatdorf eines der Opfer, die Proteste einzuschränken.

Frau wurde auf Feld misshandelt

Eine der Frauen soll Mitte September auf einem Feld misshandelt worden sein. Dabei seien ihre Zunge und ihr Rückenmark verletzt worden, sagte ihr Bruder indischen Medien. Sie starb zwei Wochen später. Die Familie wirft der Polizei vor, die Leiche mitten in der Nacht ohne Einwilligung eingeäschert zu haben. Die Polizei wies diesen Vorwurf zurück. Der Regierungschef des betroffenen Bundesstaates twitterte, Premierminister Narendra Modi habe gesagt, dass die Täter streng bestraft werden sollten.

Die zweite Dalit-Frau soll laut Polizeiangaben Dienstagnacht vergewaltigt worden sein. Zuvor sei sie entführt und betäubt worden, sagte ihre Familie indischen Medien.

In Indien werden nach offiziellen Zahlen alle 15 Minuten eine Frau oder ein Mädchen vergewaltigt – weitere Fälle kommen hinzu. Auch heute schweigen viele Inderinnen darüber. Nur besonders brutale Fälle machen nationale Schlagzeilen, als Reaktion auf solche Berichte gab es in den vergangenen Jahren immer mal wieder Proteste. Aktivistinnen sagen, dass Indien ein grundsätzliches Problem habe – ein Vergewaltigungsproblem. Begründet liege es in der patriarchalen Gesellschaft, in der viele Frauen früh lernten, dass sie weniger wert seien als ihre Brüder.

Töchter für Familien oft eine finanzielle Belastung

Jedes Jahr werden Tausende weibliche Föten abgetrieben, Mädchen besuchen Schulen seltener als Jungen und Töchter sind für Familien oft eine finanzielle Belastung – häufig müssen sie bei ihrer Heirat eine hohe Mitgift zahlen, obwohl dies inzwischen offiziell verboten ist. Aktivistinnen werfen der Polizei und dem Justizsystem auch vor, Opfer sexueller Gewalt zu wenig ernst zu nehmen – besonders, wenn sie einer niedrigen Kaste angehören.

RND/dpa