Schauspieler Heiner Lauterbach hat keine Geheimnisse vor seiner Ehefrau.

Heiner Lauterbach: “Irgendwann werden wir wieder zu einer Normalität zurückkommen”

Er gehört zu den meistbeschäftigten Schauspielern Deutschlands. Am Donnerstag startet seine neue Komödie “Es ist zu deinem Besten” in den Kinos. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht Heiner Lauterbach über seine Kinder, Geheimnisse in der Ehe und das Drehen in Zeiten von Corona.

Wann haben Sie den Satz “Es ist zu deinem Besten” zum letzten Mal gehört?

Wahrscheinlich von meiner Mutter in den Sechzigerjahren. (lacht) Das ist ein klassischer Satz, den Eltern zu ihren Kindern sagen, wenn sie Erziehungsmaßnahmen ergreifen, die die Kinder nicht verstehen.

Sie sind selber Vater von drei Kindern. Inwiefern haben Sie bei denen ein Wörtchen mitgeredet, wenn es um die Wahl ihrer Partner ging?

Man wünscht sich natürlich einen anständigen Partner für seine Kinder. Aber letztendlich müssen sie ihr Leben leben. Als Vater möchte man, dass sie glücklich sind oder dass sie eine Chance haben, glücklich zu werden. Aber wo die Reise letztlich hingeht, wissen wir alle nicht.

Sie selber haben gerade ihren 19. Hochzeitstag gefeiert. Ihr Filmcharakter Arthur hat kleine Geheimnisse vor seiner Frau. Sie auch?

Ich habe keine Geheimnisse vor meiner Frau, und ich glaube, sie auch nicht vor mir. (lacht) Aber man sagt ja: Jeder Mensch ist ein Mond mit einer dunklen Seite. Das hängt ein bisschen von der Beziehung ab, ob jemand in der Ehe Geheimnisse hat, würde ich sagen. Ich bin grundsätzlich ganz froh, dass ich mich in meinem Leben in etwas ruhigere Gefilde begeben habe, sodass ich in der Regel keine Geheimnisse mehr vor meiner Frau habe. Das ist auch ein ganz schönes Gefühl. (lacht)

Warum sollte man Ihre Komödie im Kino sehen?

Bei einer Komödie ist es natürlich ein Unterschied, ob man die im Kino sieht oder zu Hause. Wir haben Ende Januar mit der Komödie “Enkel für Anfänger” eine Premierenfeier in der Lichtburg in Essen gehabt. Da kamen 1.500 Leute hin. So eine Komödie lebt auch ein bisschen vom Feedback der anderen Zuschauer. Wenn es gut läuft, schaukelt sich das schön hoch und erzeugt eine super Stimmung im Kino.

Aktuell dürfen Kinosäle wegen der Corona-Maßnahmen oft nur bis zu einem Viertel belegt werden. Da wird es schwierig werden, gute Besucherzahlen zu bekommen…

Da muss man sehen, wie sich das Ganze entwickelt. Der Verleih ist frohen Mutes, da wir jetzt auch nicht so viel Konkurrenz im Kino haben. Das ist eine ungewohnte Situation für uns alle. Wir hatten dieses Mal auch keine Premierenfeier. Man muss sehen, wo die Reise hingeht…

Inwieweit hat Sie die coronabedingte Drehpause getroffen?

Ich habe von November letzten Jahres bis Juni diesen Jahres nicht gedreht. Dann habe ich erst den zweiten Teil des Kinderfilms “Immenhof” gemacht. Danach stand ich für die Miniserie “Unter Freunden stirbt man nicht” in Köln vor der Kamera. Und gerade drehe ich in Berlin den sechsteiligen Thriller “Blackout” für einen Streamingdienst.

Dann dürften Sie sich bereits an die neuen Corona-Maßnahmen am Set gewöhnt haben…

Ja, aber für das Team ist es viel schwieriger. Es ist zwar von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, aber in der Regel dürfen die Schauspieler ohne Mundschutz herumlaufen und das Team nicht. Es sind teilweise Leute dabei, wie die Beleuchter, die körperlich schwer arbeiten müssen. Unter diesen Bedingungen ist das völlig hart. Alles ist mittlerweile auf dieses coronabedingte Arbeiten eingestellt. Beim Essen hat man einzelne Käfige wie im Knast. Aber wir meckern auf hohem Niveau. Andere Generationen mussten den Krieg mitmachen oder teilweise sogar zwei. Und wir jammern schon, wenn wir mal eine Maske tragen müssen.

Glauben Sie, dass man in Zukunft wieder ganz normal drehen kann?

Irgendwann werden wir wohl wieder zu einer einigermaßen Normalität zurückkommen. Aber wann das sein wird, weiß ich nicht. Ich habe gerade mit Filmproduzent und UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann gesprochen, inwieweit man künftig dramaturgisch auf diese Pandemie eingehen sollte oder müsste. Soll man Sachen wie Social Distancing in die Geschichten einbauen? Muss man das vielleicht eines Tages, weil wir einer Zeit entgegensehen, in der das normal wird? Schon heute müssen Drehbücher umgeschrieben werden, weil bestimmte Szenen aktuell nicht realisierbar sind.

Auch im Alltag werden wir uns langfristig umstellen müssen. Stichwort Begrüßungen…

Aber das finde ich wunderbar. Ich habe immer schon gesagt, dass ich dieses Händeschütteln hasse. Gerade in der Winterzeit, wenn jeder erkältet oder verschnupft ist. Aber wenn man damit aufhört, gilt man als Sonderling. Warum machen wir das nicht wie die Japaner, dass wir uns zur Begrüßung voreinander verbeugen, um unseren Respekt auszudrücken?

Von Thomas Kielhorn/RND