Die Ehrlich Brothers Chris (l.) und Andreas Ehrlich lieben die Bühne. Quelle: Ralph Larmann

Ein magischer Ort: Wo die Ehrlich Brothers zaubern

Bünde. Ein Teil eines mit kleinen Spiegelflächen beklebten Loopings, ein Klavier mit Schwebeaufhängung, Lederjacken mit einer Menge Nieten darauf und ganz viel säuberlich nebeneinander aufgehängtes Werkzeug: Wer durch diese große Werkstatt läuft, erkennt so manches aus den großen Zaubershows der Ehrlich Brothers wieder – und vielleicht auch manches, das noch auf seinen großen Auftritt wartet. In diesem Gebäude am Rande der ostwestfälischen Stadt Bünde entstehen die Ideen und Illusionen des Magierduos. Von außen wirkt es wie eine normale Lagerhalle – stünden davor nicht mehrere mit den Gesichtern von Andreas (42) und Chris Ehrlich (38) bedruckte Trucks. Doch in Wahrheit ist es eine richtige Zauberwerkstatt.

Während in einem Teil der Halle gewerkelt werden kann, wird in einem anderen Trakt unter Realbedingungen für die Shows geprobt. Dutzende Strahler tauchen den Raum in lila-bläuliches Licht. In einer Ecke steht auf einem Podest der goldene Lamborghini, den die Brüder bei ihren Auftritten gern auf die Bühne zaubern, in einer anderen der sogenannte Todesengel, wiederum in einer anderen Ecke der aus den Shows bekannte Monstertruck.

Hier wird aus der rund 45.000-Seelen-Stadt Bünde ein magischer Ort. Nur knapp 30 Autominuten entfernt liegt Herford, der Geburtsort der Brüder. Sie könnten sich bei ihrem Erfolg vermutlich auch in Los Angeles oder anderswo auf der Welt eine Zauberwerkstatt aufbauen, doch sie bleiben lieber in der Heimat. “Wir können hier proben, wir haben unsere Zulieferer hier – mittlerweile über tausend –, wo wir genau wissen, wenn wir das Teil brauchen oder eine Frage dazu haben, rufen wir den und den an”, sagt Andreas Ehrlich dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) dazu. Sein vier Jahre jüngerer Bruder Chris wirft ein, dass sie die natürlich auch aus L. A. anrufen könnten, doch “letztlich lieben wir es, beruflich in der Welt zu sein, aber man braucht ja auch eine Heimat”. Und das sei nun eben Bünde, ergänzt Andreas lachend.

Die Ehrlich-Brüder wohnten zeitweise im selben Haus in Bünde

Dahingekommen sind sie durch die Frau von Andreas Ehrlich. Das Ehepaar übernahm in der Stadt ein großes Haus – und Bruder Chris zog gleich mit ein, wie der ältere Bruder erzählt. “Wir haben einen Riesenkredit aufgenommen für dieses Haus, in dem dann auch die erste Werkstatt war. Da war es natürlich toll, dass mein Bruder auch mit eingezogen ist und uns ein bisschen Miete gezahlt hat”, so Andreas. So lebten sie eine Weile wieder unter einem Dach. “Dieses Haus wurde dann immer mehr zum Büro, weil wir jedes Jahr auch mehr Angestellte hatten und irgendwann hatte ich kein Schlafzimmer mehr”, erzählt Chris lachend. “Dann musste ich ausziehen.”

Trotz mittlerweile wieder getrennter Wohnorte, sehen die beiden Brüder sich fast täglich – in ihrer Zauberwerkstatt, die schon seit einer ganzen Weile nicht mehr im Haus von Andreas Ehrlich angesiedelt ist, sondern in der großen Halle in Bünde. Mehr als 100 Leute arbeiten hier heute an der Seite der beiden Magier. “Wir lieben diese Arbeit, für uns ist das kein 9-to-5-job”, sagt Andreas Ehrlich. “Wir leben das und arbeiten wirklich von morgens bis abends, wir nehmen die Gedanken mit ins Bett.” Auf die Nerven gehen die beiden Brüder sich deshalb aber offenbar nicht, sie scherzen miteinander, drücken sich auch mal einen Spruch rein. Dass Chris Ehrlich zum Interview etwas zu spät kommt, nimmt Andreas gelassen hin. Ersterer entschuldigt sich charmant, als er kommt, und fragt erstmal scherzend, was sein Bruder schon Böses über ihn erzählt habe.

Immer gut gelaunt, immer einen flotten Spruch auf den Lippen

So wie die beiden auf der Bühne wirken, immer gut gelaunt, immer einen flotten Spruch auf den Lippen, zeigen sie sich auch hier an ihrer Wirkungsstätte, wo sie tagtäglich an neuen Illusionen und Zaubertricks herumbasteln – oder wie jetzt gerade auch mal was fürs Fernsehen drehen. Von einem Fototermin für die “Ehrlich Brothers Magic School” stehen noch zwei Stühle in der Mitte des ausgeleuchteten Raumes, darauf die Namen der beiden. In der Super-RTL-Show gehen die Zauberer auf die Suche nach Nachwuchs. Kinder liegen ihnen am Herzen: “Wir haben auch kurz nach oder während des Lockdowns eine Handvoll Zaubervideos für zu Hause veröffentlicht”, erzählt Chris Ehrlich. Das sei auch bei den Eltern gut angekommen, ergänzt sein großer Bruder, “weil die Kinder zu Hause eine sinnvolle Beschäftigung hatten.” Einen neuen Zauberkasten hätten sie ebenfalls produziert. Andreas hat selbst drei Kinder.

Die beiden sind Familienmenschen durch und durch – sonst würde das mit dem Zusammenarbeiten wohl auch nicht so gut funktionieren. “Es wurde uns immer vorgelebt, dass es wichtig ist, zusammenzuhalten”, erzählt Andreas von ihren Eltern. Das habe sie sehr geprägt. Und nachdem der mittlerweile verstorbene Vater der beiden damals akzeptiert hatte, dass man tatsächlich hauptberuflich Zauberer sein kann, sei er auch mächtig stolz gewesen auf seine Söhne. “Er war jeden Tag hier in der Werkstatt”, so Andreas.

Aufgrund der aktuellen Unsicherheit bei der Planung von Veranstaltungen mit mehr als 3000 Besuchern finden die im November und Dezember angekündigten “Dream & Fly”-Shows der Ehrlich Brothers nicht statt. Stattdessen gehen die Zauberbrüder in der Vorweihnachtszeit mit der Show “Let it snow– die magische Weihnachtsshow” auf Tour. Sie wird in kleineren Dimensionen in Hallen zu sehen sein, für die ein von behördlicher Seite genehmigtes Sicherheits- und Hygienekonzept vorliegt. Tickets und Termine finden Sie hier .

RND

Von Hannah Scheiwe/RND