In Memmingen beginnt der Prozess gegen mutmaßliche Kokainschmuggler. Quelle: Christian Charisius/dpa

Hunderte Kilo Kokain in Bananenkisten: Prozess gegen Schmuggler beginnt

Memmingen. Fast eine halbe Tonne Kokain, versteckt in Bananenkartons: Weil sie Drogen mit einem Verkaufswert von rund 50 Millionen Euro nach Deutschland geschmuggelt haben sollen, müssen sich von heute (9.30 Uhr) an sechs Männer vor dem Landgericht Memmingen verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, das Kokain aus Ecuador über die Niederlande zu einem Obsthändler nach Neu-Ulm liefern lassen zu haben, der nichts von den Drogen wusste.

Polizei fasste Schmuggler bei Suche nach den Drogen

Aufgeflogen war die mutmaßliche Schmugglerbande, nachdem ein Mitarbeiter des Betriebs einige Päckchen entdeckte. Er alarmierte die Polizei, die das Kokain gegen Imitate austauschte. Als fünf der sechs Angeklagten Mitte Dezember 2019 in die Reifekammer des Obsthändlers einbrachen, mutmaßlich um die Kisten mit dem vermeintlichen Kokain zu klauen, nahm ein Spezialeinsatzkommando die Männer fest. Weitere, noch unbekannte Mitglieder der Bande konnten nach Angaben der Staatsanwaltschaft fliehen.

Bei dem sichergestellten Kokain handelt es sich um einen der größten Drogenfunde der vergangenen Jahrzehnte im Freistaat. Eine ähnlich große Menge Kokain hatte die Polizei nach Angaben des Landeskriminalamts zuletzt im September 2017 in zehn Filialen einer Supermarktkette entdeckt: Mehr als 180 Kilogramm der Droge fanden die Beamten – ebenfalls in Bananenkisten.

Schmugglern droht bis zu 15 Jahre Haft

An wen die nun angeklagten mutmaßlichen Schmuggler die Drogen weiterverkaufen wollten, blieb zunächst unklar. Vor Prozessbeginn schwiegen die Beschuldigten entweder zu den Vorwürfen oder gaben an, nichts von dem Kokain gewusst zu haben, wie das Landgericht Memmingen mitteilte. Bei einer Verurteilung wegen bandenmäßigen Drogenhandels drohen ihnen Haftstrafen zwischen zwei und 15 Jahren. Ein Urteil könnte im November fallen.

Der Prozess findet wegen der vielen Beteiligten in der Stadthalle Memmingen statt, um die coronabedingten Hygieneregeln und Mindestabstände einhalten zu können.

RND/dpa