Papst Franziskus hat sich erstmals als Papst für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ausgesprochen. Quelle: Evandro Inetti/ZUMA Wire/dpa

Papst befürwortet gleichgeschlechtliche Partnerschaften

Rom. Erstmals hat sich Franziskus als Papst für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ausgesprochen. „Homosexuelle Menschen haben das Recht darauf, in einer Familie zu sein. Sie sind Kinder Gottes“, sagte er in einem Interview für die Dokumentation „Francesco“, die am Mittwoch beim Filmfestival in Rom Premiere feierte. „Was wir brauchen, ist ein Gesetz zur eingetragenen Partnerschaft; dadurch sind sie rechtlich abgesichert.“

Als Erzbischof von Buenos Aires hatte sich Franziskus bereits für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften als Alternative zu gleichgeschlechtlichen Ehen ausgesprochen. Als Papst äußerte er sich bisher aber nicht dazu.

Der Jesuit James Martin, einer der Vorkämpfer für ein besseres Verhältnis zwischen Homosexuellen und Kirche, begrüßte die Stellungnahme des Papstes „als einen großen Schritt zur Unterstützung der Kirche für LGBT-Menschen“. LGBT ist eine englische Abkürzung für Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender. Wenn der Papst positiv über Lebenspartnerschaften spreche, sei das eine „starke Botschaft an Orte, an denen sich die Kirche gegen solche Gesetze ausgesprochen hat“, erklärte Martin.

Der Film zeigt auch, wie sich die Einstellung des Papstes zu sexuellem Missbrauch ändert. Eine der Hauptfiguren, Juan Carlos Cruz, ist ein Opfer eines Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche Chiles, dem Franziskus während seines Besuchs in dem Land 2018 zunächst keinen Glauben geschenkt hatte. Cruz, der homosexuell ist, berichtet, Franziskus habe ihm dann aber bei Treffen im Mai 2018 versichert, dass Gott ihn so geschaffen habe. Cruz erzählt seine eigene Geschichte in Ausschnitten neben den Interviews, in denen sich der Papst zu ihm wichtigen Themen äußert: Umwelt, Armut, Migration, Ungleichheiten und Diskriminierung.

Der Regisseur von „Francesco“, Jewgeni Afinejewski, konnte für die Dokumentation auf das Fernseharchiv des Vatikans, Kardinäle und den Papst selbst zugreifen. Mit Beharrlichkeit habe er sich seinen Weg nach ganz oben gebahnt, berichtete Afinejewski. Über gut im Vatikan vernetzte Argentinier habe er dem Papst zum Beispiel argentinischen Mate-Tee und Alfajores-Kekse zukommen lassen.

Er nutzte für die Dokumentation seit 2018 offizielle und inoffizielle Wege und kam letztlich so nah an den Papst, dass er Franziskus den Film im August auf seinem Tablet zeigen konnte. Im Vatikan könne man nur etwas erreichen, wenn man die Regeln breche und sich danach entschuldige, sagte Afinejewski in einem Interview vor der Filmpremiere.

„Francesco“ ist nicht nur, wie Wim Wenders' „Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes“ von 2018, ein Filmporträt. Afinejewski reiste um die Welt, um die Krisen und Tragödien der Welt zu filmen - etwa die Rohingya-Flüchtlinge, die von Myanmar nach Bangladesch vertrieben wurde, die amerikanisch- mexikanische Grenze und Franziskus' Heimatland Argentinien.

„Der Film erzählt die Geschichte des Papstes, indem er die Kameras umdreht“, sagt der Kommunikationsdirektor des Vatikans, Paolo Ruffini. Er gab Afinejewski die Namen von Flüchtlingen, die Franziskus auf Reisen traf und Häftlinge, die er segnete - und auch die einiger Homosexueller, derer er sich annahm.

Er habe Afinejewski gesagt, viele dieser Begegnungen seien von Kameras des Vatikans gefilmt worden; sie könnten eine „wahre Goldgrube“ an Dokumenten sein, „die eine Geschichte erzählen“, erklärte Ruffini. „Er (der Regisseur) wäre in der Lage, die Geschichte des Papstes durch die Augen aller und nicht nur seiner eigenen zu erzählen.“

RND/AP