Stefanie Kloß und Yvonne Catterfeld bilden ein Team bei „The Voice of Germany“. Quelle: ProSieben/ Richard Hübner

„The Voice“-Team Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß: „Wir haben ganz gut Paroli geboten“

Es ist das erste Mal in der Geschichte von „The Voice of Germany“, dass es ein Frauenteam auf einem Doppelstuhl gibt. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sprechen die Sängerinnen Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß von Silbermond über ihre männliche Konkurrenz. „Wir haben ganz gut Paroli geboten“, sagen sie.

Frau Catterfeld, Frau Kloß, wie lange haben Sie darüber nachgedacht, ob Sie bei „The Voice of Germany“ im Team antreten sollen?

Yvonne Catterfeld: Ich bin normalerweise niemand, der sofort ja sagt. Aber bei diesem Mal habe ich tatsächlich direkt zugesagt.

Stefanie Kloß: Bei mir war es genauso. Ich glaube, das war ein intuitives Gefühl. Wir kannten uns vorher zwar noch nicht besonders gut, aber wussten, dass das total gut passen würde.

Bisher haben Sie beide noch nicht bei „The Voice“ gewonnen.

Yvonne Catterfeld: Es heißt ja nicht, dass man das beste Team hatte, nur weil man am Ende gewonnen hat. (lacht) Oder dass immer nur der beste Sänger gewinnt. Aber es wäre schon schön, mal zu gewinnen, doch in dieser Phase der Show sind uns erst mal andere Kriterien wichtig. Wir wollen ein gutes Team haben, in dem alle glücklich sind. Unsere Talente sollen sich gut präsentieren können und mit ihrem Potential auch alle anderen Coaches von sich überzeugen.

Stefanie Kloß: Ich würde sagen, dass es bei den Blind Auditions schon ordentlich zur Sache ging. Keiner von uns Coaches wollte ein gutes Talent gehen lassen. Wir haben alle nur 18 Plätze und mussten uns sehr genau überlegen, bei wem wir buzzern. Da legt man sich schon mal mit dem ein oder anderen Coach an. Aber ich glaube, dass wir ganz gut Paroli geboten haben. (lacht)

Yvonne Catterfeld: Wir sind da entspannt und realistisch. Allein zu sehen wie viele Talente von „The Voice“ zwar nicht gewonnen, aber trotzdem sehr viel erreicht haben. Das ist toll. Wir sagen all unseren Talenten: „Nutzt die Zeit, die ihr jetzt habt und arbeitet an neuen Songs.“ Ich habe mich wirklich sehr gefreut, als ich gesehen habe, wer aus meinen ehemaligen Teams alles Singles herausgebracht hat.

Frau Kloß, Sie haben 2015 zum letzten Mal bei der Ur-Show von „The Voice“ mitgemacht. Hat sich seitdem etwas bei den Bewerbern geändert?

Stefanie Kloß: Es gibt wieder alles: Es gibt Talente, die wahnsinnig unvorbereitet ins Coaching kommen. Sowas ärgert mich immer, weil es sehr respektlos gegenüber den ganzen Technikern ist. Aber auch respektlos gegenüber der Situation, die wir hier haben. Wir sind alle gerade froh, dass wir die Sendung unter strengsten Hygienebedingungen machen können. Das ist toll. Aber von solchen Talenten gibt es auch sehr wenige. Die meisten meinen das gar nicht bösartig und machen das aus Verpeiltheit, weil sie noch sehr jung oder unerfahren sind.

Wie ehrgeizig sind Sie, wenn es darum geht, ein Talent von sich zu überzeugen?

Yvonne Catterfeld: Steff legt sofort los. Und ist eine tolle Kämpferin. Ich bin dann eher die Kämpferin, wenn es ums Arbeiten an den Songs geht. Ich freue mich jetzt schon auf die Battlephase.

Stefanie Kloß: Einmal habe ich mich so geärgert, dass ein anderes Team ein Talent bekommen hat, dass ich danach stampfend in die Garderobe gelaufen bin, sodass mir das Handy aus der Hand gerutscht und das ganze Display gesplittert ist. Das habe ich dem Talent danach mal erzählt. (lacht) Aber deshalb kommen jedes Jahr immer noch neue Talente zu den Blind Auditions. Die sehen, dass wir hier sitzen und leidenschaftlich um sie kämpfen.

Yvonne Catterfeld: „Es fehlt einfach etwas“

Wie sehen die strengen Hygienemaßnahmen, die Sie gerade angesprochen haben, konkret aus?

Stefanie Kloß: Wir haben eine Plexiglasscheibe zwischen uns auf dem Doppelstuhl. Alle Fotos werden auf Abstand gemacht. Wir dürfen die Talente, die sich für unser Team entscheiden, kurz an der frischen Luft treffen, aber mit Abstand. Die Maßnahmen machen einiges besonders bei den Blind Auditions.

Yvonne Catterfeld: Das ist wirklich eine Einschränkung. Es funktioniert trotzdem irgendwie und man kann Nähe erzeugen, aber es fehlt einfach etwas. Man muss diesen Impuls unterbinden, dass man die Talente umarmen möchte. Der erste Kontakt, die erste Nähe, die man aufbaut, entfällt. Stattdessen steht man ein bisschen unbeholfen voreinander und weiß nicht, wie man zeigen soll, dass man sich sehr freut. Da sagt man dann halt: „Wir drücken dich.“

Auch Ihre eigenen musikalischen Tätigkeiten mit Silbermond wurden ausgebremst.

Stefanie Kloß: Wir waren eine der wenigen Bands, die ihre Tour noch komplett spielen konnte. Danach kam der Lockdown, und wir haben kein einziges Konzert mehr gespielt. Wir wollten keine Picknick- oder Autokinokonzerte spielen. Die Platte „Schritte“ ist letztes Jahr im November herausgekommen. Wir hatten uns ein tolles Konzept überlegt. Aber dann hieß es: „Ihr könntet auf eine Bühne, aber da ist keine Anlage und vor der Bühne stehen Autos, die hupen.“ Dann war das für uns weder Fisch noch Fleisch. Wir wollten natürlich weiter Musik machen, weil das unser Alltag ist und haben uns etwas anderes überlegt. Wir haben ein eigenes, kleines Onlineformat namens „Wäbshow“ entworfen, das direkt aus unserem Proberaum live gestreamt wird. Das hat wirklich Spaß gemacht. Es war so komisch, dass wir ein Album veröffentlicht haben, das zu einer ganz anderen Zeit entstand. Normalerweise macht man danach die Singleauskopplungen. Es ist erst knapp ein Jahr her, dass wir die Songs herausgebracht haben, aber teilweise spiegeln die Songs diese Zeit nicht wider. Wir können davon kein Lied mehr als Single veröffentlichen, gerade weil es uns allen ganz anders geht und wir das ganz anders fühlen. Wir haben im März einen neuen Song herausgebracht, der hieß: „Machen wir das Beste draus“. Das war in dem Moment, als alle versucht haben, das Beste draus zu machen, weil wir alle im selben Boot sitzen. Nun kam „Ein anderer Sommer“ raus. Ich glaube, es war für uns alle ein Sommer, den wir so noch nicht erlebt haben. Das ist das, wie wir Musiker gerade versuchen, unseren Platz zu finden.

Yvonne Catterfeld: Für manche ist es ein existentielles Desaster und schwer, dann noch etwas Positives zu finden. Es gibt die, die ihren Job lieben, ihn aber nicht ausüben können oder konnten und die, die vielleicht darin eine Chance entdeckt haben, noch mal umzudenken, was sie eigentlich lieber machen möchten. Etwas Positives zu suchen, funktioniert in diesen Zeiten aber leider nicht immer. Es ist für die meisten frustrierend und existenzbedrohend, auch für Künstler. Das mit uns beiden in einem Team hätte nicht so stattgefunden, wenn Corona nicht gewesen wäre.

Stefanie Kloß: Stimmt. Du hättest gedreht und wir hätten 25 Open-Air-Konzerte gespielt. Wenn man es positiv sehen will, hatten wir jetzt alle Zeit für „The Voice“.

Von Thomas Kielhorn/RND