Inka Bause kann sich trotz ihrem Singledasein für die Landwirte freuen.

„Bauer sucht Frau“-Star Inka Bause: „Mit Himmelfahrtskommandos kenne ich mich gut aus“

Bereits zum 16. Mal moderiert Inka Bause die beliebte Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ (RTL). Warum in diesem Jahr trotzdem einiges anders war, verrät sie im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Frau Bause, wie viele Corona-Tests haben Sie während der Dreharbeiten zur neuen Staffel von „Bauer sucht Frau“ schon gemacht?

In wenigen Tage drehen wir das Abschlussevent mit allen Bauern und Frauen, da bin ich wieder fällig. Ich zähle nicht mit.

Die schlechte Nachricht: Wegen Corona fällt das legendäre Scheunenfest am Anfang der Staffel flach.

Das stimmt. Es gibt aber auch Bauern, die total glücklich darüber waren. Die sind nämlich total schüchtern, hatten ein bisschen Angst vor dem Scheunenfest und wussten nicht, was sie anziehen sollen. Die sagten mir dann im Vertrauen: „Ich bin total froh, dass du mir die Frauen auf meinen Hof bringst und ich da nicht hin muss …“ (lacht) Alles Schlechte hat eben auch sein Gutes. Nach 15 Jahren „Bauer sucht Frau“ kann man natürlich auch denken, dass ein bisschen Langeweile einkehrt. Aber da kann ich sagen, dass das in diesem Jahr definitiv nicht passiert ist. Wir mussten uns komplett neu erfinden und alles umstricken. Das bringt wieder Spannung.

Was war denn beim Dreh anders?

Alles. Während des Drehs hat sich alles ständig geändert. Meine Maskenbildnerin durfte mich mal nur mit Maske schminken, dann teilweise gar nicht mehr. Gefühlt haben sich wöchentlich die Bestimmungen geändert. Aber wir haben immer nach den geltenden Richtlinien gedreht. Auch von den Bauern und allen Frauen wurde bis heute niemand positiv getestet. Was für ein Glück! Wir haben uns aber auch immer nur unter uns bewegt. Ich wollte mich aber nicht mit Mundschutz mit den Bauern unterhalten, deshalb haben wir da auf genügend Abstand geachtet. Teilweise war das sehr anstrengend, aber wir sind so glücklich, dass wir überhaupt drehen durften.

Wir hatten so eine Angst, dass wir irgendwann abbrechen müssen, weil es den nächsten Lockdown gibt. Ich mache drei Kreuze, dass das nicht passiert ist. Wir treffen uns seit fünf Jahren noch mal zum Schluss der Staffel für ein kleines Scheunenfest. Bislang dürfen wir es machen. Es wäre schön, wenn sich alle Bauern und Frauen mal kennenlernen. Denn das war immer das Schöne am Scheunenfest, dass dort der Grundstein für die Community der Staffel gelegt wurde. Die haben sich alle untereinander kennengelernt. Dadurch haben sich Freundschaften entwickelt. Die Bauern suchen sich und laden sich gegenseitig zum Grillen ein. Dass das dieses Mal nicht stattfindet, ist Mist. Ist aber nicht zu ändern. Aber durch das, was Corona mit uns allen gemacht hat, wird diese Staffel so intensiv, so emotional, so anders. Ohne uns fremd zu werden, sind wir noch mal gereift. Ich glaube, es wird den Menschen noch mehr bewusst, wie wichtig es in diesen Zeiten ist, die Liebe zu finden und jemanden zu haben, dem man vertrauen kann und der sich um einen kümmert.

Wie sieht es mit der neuen Staffel von „Bauer sucht Frau International“ aus? Wird die gedreht?

Sie wird verschoben. Ich hoffe, nur für ein paar Monate, denn wir haben tolle Bewerbungen.

Am 30. Oktober erscheint erst mal Ihr neues Album „Lebenslieder“. Haben Sie das auch in der Corona-Zeit aufgenommen?

Jetzt bringen alle ihre Alben heraus, weil alle viel Zeit hatten und sich verwirklicht haben. Deutschland wird überflutet mit kreativen Sachen. Da reihe ich mich ein. (lacht) Ich bediene mit meiner Musik aber eine Nische und will in den Charts ja gar nicht vor Helene Fischer landen. An dem Album „Lebenslieder“ arbeite ich schon etwas länger und habe als Produzentin alles Mögliche selber gemacht. Es ist eine Hommage an viele vergessene Autoren, Interpreten und Lieder des Ostens, die ich herausgekramt habe, um sie noch mal einer neuen Generation zu präsentieren. Schön wäre, wenn die nun sagt: „Das ist eine geile Nummer. Wie? Die ist schon 40 Jahre alt? Wusste ich ja gar nicht!“ Für mich ist nicht wichtig, ob ich in einer Show von Florian Silbereisen die Künstlerin vorm Finale bin, oder ob ich mit dem Album Gold mache. Ich glaube, die Leute, die ich mit diesen Liedern anspreche, sind total glücklich. Wenn man in der Nische ist, ist man nicht so unter Erfolgsdruck. Ich habe ja zum Glück noch meine Bauern. (lacht)

Was ist denn das Besondere an diesen Liedern?

Mit diesen Liedern ist es ein bisschen so, wie mit dem Gesicht auf der Kinderschokolade. Als man vor ein paar Jahren ein neues Kindergesicht auf die Packungen gedruckt hat, war das im Westen wie ein kollektiver Burnout. Ich habe nur Leute getroffen, die damals gesagt haben: „Das kann doch nicht deren Ernst sein. Das ist meine Kindheit!“ Schön, dass ihr aus dem Westen das auch mal gemerkt habt, aber das passiert uns Menschen aus dem Osten seit 30 Jahren. Wenn unsere Lieder nicht mehr gespielt werden, wenn es unsere Produkte nicht mehr gibt, wenn Häuser abgerissen werden. Es gibt so viel Vergangenheit nicht mehr. Ich rede nicht von ostalgischem Mist. Die Wende war das Beste, was uns passieren konnte. Aber dieses ständige Konfrontieren mit Dingen, mit denen wir aufgewachsen sind, aber die es nicht mehr gibt, ist schon hart. Lieder wie „Zeit, die nie vergeht“ und „Weißes Boot“ von einer polnischen Band haben die Leute so berührt. Die haben vor zwei Jahren bei mir im Konzert gesessen und geheult, weil ich Lieder gesungen habe, die sie seit 30 Jahren nicht mehr im Radio gehört haben.

Mit zeitlichem Abstand kann man viele gesellschaftliche Entwicklungen besser einordnen. Stichwort: Corona-Pandemie.

Absolut. Wir können uns in zwei, drei Jahren darüber unterhalten, was alles nicht so toll gelaufen ist. Aber ich bin der Meinung, dass jeder den Ball, den einem das Leben zuspielt, verwandeln sollte. Ich war neulich bei meinem Arzt und der sagte mir: „Es ist erstaunlich. Wir leben in einem Land, in dem sich so viele Menschen aufregen, dass wir so wenig Corona-Tote haben.“ Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Was ist denn hier mit den Menschen los? Ich habe in Italien Freunde, die wochenlang nur geheult haben, weil es so schrecklich war, was da passiert ist. Und dann sehe ich bei Instagram einen indisch aussehenden Arzt und google mal, was der sonst so macht. Das ist ein Arthrosearzt aus Heilbronn, der eine halbe Stunde lang der Kanzlerin in einem offenen Brief erklärt, was sie zu machen hat.

Wie erklären Sie sich, dass solche Menschen so einen Zulauf haben?

Es ist viel Sorge und Angst dabei. Man will Antworten. Manchmal gibt es aber nicht sofort auf alles eine Antwort. Manchmal muss man vertrauen. Für viele ist das schwer auszuhalten. Ich lese „Die Zeit“ und gucke Dokumentationen oder anderes im Fernsehen. Ich spiele lieber Backgammon mit meiner Tochter, lege eine Platte auf den Plattenspieler und versuche denen zu helfen, die Hilfe benötigen.

Woher kommt es, dass Sie sich privat eher zurückziehen?

Ich habe beruflich gerade sehr viel zu tun. In diesen Zeiten ruft das mehr denn je Unmut hervor. Ich kann aber nicht aufhören, meine Meinung zu sagen, die eher sozial, links und dem RKI vertrauend ist. Dann muss ich mir oft Vorwürfe anhören, dass man sich so eine Meinung auch leisten können muss. Eine Gesinnung und Meinung hat für mich nichts mit dem Geldbeutel zu tun.

Das sind sehr interessante Ansichten. Hätte ich so nicht erwartet.

Warum nicht? Weil ich die Moderatorin von „Bauer sucht Frau“ bin? Ich muss den Leuten nicht beweisen, dass ich das Alphabet kann. Wenn man Rainer Maria Rilke zitiert, heißt das nicht, dass man ihn versteht, und nur weil man Volksmusik singt, ist man nicht blöd wie eine Parkuhr. Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Menschen das eins zu eins spiegeln.

Sie moderieren eine der beliebtesten Kuppelshows im deutschen Fernsehen. Preise verdient man damit allerdings eher weniger.

Preise braucht nun wirklich keiner. Ich habe schon im Osten keine Preise bekommen, weil ich immer die Unterhaltungsnudel war. Mein Vater, der Schlagerkomponist war, übrigens auch nicht. Von daher kann ich das sehr gut ab. Leute zum Lachen zu bringen ist so ohnehin schwer. Mein Vater hat immer gesagt: „Weißt du was? Eine Ballade kann jeder, aber komponiere mal ein Lied, das die Leute nach zehn Jahren immer noch singen, wenn einer Geburtstag hat.“

Apropos singen, im März nächsten Jahres wollen Sie auf Tour gehen. Glauben Sie, dass das klappt?

Was wäre denn die Alternative? Ich habe im März meine Hallen, die auf dem Dorf sind. Ich bin extra in die ganz kleinen Orte gegangen, wo das Virus nicht hinkommen kann. (lacht) Verschieben geht nicht, denn ab Sommer gibt es gar keine Hallen mehr in Deutschland, weil alle die Nachholtermine von diesem Jahr spielen. Es gibt ab Mai 2021 keinen freien Raum in Deutschland, wo du auch nur ein Lied spielen kannst. Wohin soll ich die Auftritte denn noch verschieben? 2023 bin ich vielleicht vom Bus überfahren worden. Ich ziehe das Ding jetzt durch. Vielleicht müssen wir die Auftritte wegen Corona absagen. Aber man muss den Leuten und meinen Musikern ja auch ein bisschen Hoffnung machen. Ich verdiene mit den ganzen Veranstaltungen eh nichts. Die sollen aber mal alle beschäftigt werden und ein bisschen Spaß haben. Es hängen ja auch die Hallenbetreiber, Caterer, Security dran … Denen will ich was Gutes tun. Ich hoffe, das gelingt uns. Es müssen ja nur 200 bis 250 Leute kommen, damit sich das Ganze rechnet. Die Daumen sind jedenfalls gedrückt und mit Himmelfahrtskommandos kenne ich mich ganz gut aus. Da bin ich echt sehr mutig. (lacht) Man kann immer ohne Kunst existieren, aber nicht leben. Also denkt an die Künstler!

RND

 

 

Von Thomas Kielhorn/RND