Italien, Mailand: Ein Radfahrer fährt an einem Gebäude vorbei, an dessen Fassade der Schriftzug «No a un altro lockdown» («Nein zu einem neuen Lockdown») gesprayt worden ist. Quelle: Luca Bruno/AP/dpa

Gewalt und Festnahmen bei Protesten gegen Corona-Maßnahmen in Italien

Mailand/Turin. Bei Protesten gegen die Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Italien hat es gewalttätige Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Die Zahl der Neuinfektionen erreichte unterdessen einen neuen Höchststand - innerhalb eines Tages wurden fast 22 000 Fälle gemeldet.

In Rom gerieten am Dienstagabend auf der zentralen Piazza del Popolo mehrere Hundert Menschen - darunter Anhänger der neo-faschistischen Partei Forza Nuova - mit der Polizei aneinander. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, zündeten Demonstranten Mülleimer an und beschädigten geparkte Fahrräder und Motorroller, die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

Nach Ausschreitungen in Mailand und Turin in der Nacht zum Dienstag wurden mindestens sechs Menschen festgenommen, wie Ansa meldete. Dutzende wurden Polizeiangaben zufolge abgeführt. Bei den Ausschreitungen seien mindestens elf Beamte verletzt worden. Bei den Protesten Hunderter Menschen gegen die Corona-Beschränkungen in den beiden norditalienischen Städten hätten Demonstrierende unter anderem mit Steinen, Flaschen und Molotow-Cocktails geworfen, meldete Ansa. Auch Schaufenster von Geschäften wurden zerstört. Die Polizei setzte demnach Tränengas ein.

Gewalt in Neapel und Rom

Auch in weiteren Städten wie Neapel und Triest gingen Menschen auf die Straße. Bereits am Wochenende war es in Neapel und in Rom zu Gewalt bei Demonstrationen gekommen. Grund für die Proteste sind unter anderem neue Maßnahmen der Regierung angesichts der zuletzt stark angestiegenen Neuinfektionszahlen.

Am Dienstag meldete Italien 21 994 bestätigte Neuinfektionen innerhalb eines Tages - ein Rekord. Innerhalb eines Monats hat sich die Zahl der täglichen Infektionen etwa verzehnfacht. Der bisherige Höchstwert war erst am Sonntag mit 21 273 Fällen in 24 Stunden registriert worden. Die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie stieg auf mehr als 564 000. Binnen eines Tages starben zuletzt 221 Menschen in Verbindung mit dem Virus, seit Beginn der Pandemie zählte Italien 37 700 Tote. Italien hat rund 60 Millionen Einwohner.

Düstere Konjunkturprognosen

In ganz Italien müssen seit Montag alle Restaurants und Bars um 18.00 Uhr für Gäste schließen. Auch Kinos, Theater, Fitnessstudios, Bäder, Skiresorts und Konzerthallen dürfen nicht mehr öffnen. Ein Großteil der Gymnasialschüler wird vorerst online unterrichtet.

Italien hatte zu Beginn der Pandemie zu den am stärksten getroffenen Ländern in Europa gehört und einen der weltweit längsten Lockdowns verhängt. Die neuen Einschränkungen sorgen angesichts düsterer Konjunkturprognosen bei vielen Italienern für Unmut. Die Regierung beschloss am Dienstag Hilfen im Umfang von 2,4 Milliarden Euro für Unternehmen und Mitarbeiter, die von Zwangsschließungen betroffen sind.

RND/dpa