Daniel Donskoy ist ein gefragter Schauspieler. Quelle: Valeria Mitelman.

„The Crown“-Schauspieler Daniel Donskoy: „Lady Di hätte ich sehr gerne kennengelernt“

Drei Staffeln lang spielte Daniel Donskoy die Hauptrolle in der RTL-Serie „Sankt Maik“. Außerdem ermittelt er an der Seite von Maria Furtwängler im „Tatort“ aus Göttingen. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht der Schauspieler und Musiker über seine jüngste Rolle: als Liebhaber von Lady Di in der vierten Staffel der Netflix-Serie „The Crown“.

Herr Donskoy, wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Erste Mal sind schwierig, manchmal schmerzvoll, aber fast immer gut. (lacht) Das Musikvideo, das ich jetzt gerade plane und wir unter Corona-Bedingungen drehen, mache ich zum ersten Mal. Mit Social Distancing ein Video zu einem Song zu drehen, in dem es auch um körperliche Nähe geht, ist wirklich schwierig – aber dank Corona-Tests möglich.

Was hat Sie dazu bewogen, alle Fotos von Ihrem Instagram-Account zu löschen und nur den Anfang Ihrer neuen Single zu posten?

Ich finde, wir leben in einer sehr verqueren Welt, in der wir durch die Corona-Zeit gesehen haben, dass alles, was online existiert, wir für die Wahrheit halten – ob es Fake News oder Real News sind . Jeder von uns hat die Möglichkeit, sich so zu präsentieren, wie man sich gerade präsentieren möchten. Und das ist auch gut so. Ich glaube, dass man nicht immer alles von sich zeigen muss. Gerade in dieser Zeit ist die Musik das Wichtigste für mich. Die möchte ich leben und nichts zeigen, was davon ablenkt. Darum war es mir wichtig, einen Cut zu machen. Neuanfänge sind etwas Wunderschönes, das mir total Kraft im Leben gibt. Es ist ja kein richtiger Neuanfang, aber ein neuer Weg. Und neue Wege kann man mit neuen Mitteln bestreiten.

Haben Sie denn alle anderen Fotos gelöscht oder kann man die nur gerade nicht mehr sehen?

Instagram hat so eine Möglichkeit, dass man sie archivieren kann. Ich habe keine Ahnung, wie man das wieder zurückholt. (lacht) Aber auch wenn das nicht funktioniert, wäre das auch nicht schlimm. Was ist Social Media schon? Was sind diese Likes. Es war ganz interessant, weil ein paar der Fankommentare waren: „Verleugnest du jetzt deine Vergangenheit?“ oder „Bist du nicht mehr stolz auf das, was du getan hast?“ Das habe ich nicht ganz nachvollziehen können, weil ich natürlich auf jeden einzelnen Schritt, auf jede einzelne Hürde stolz bin: über jedes einzelne Hinfallen, über jedes einzelne Aufstehen. Aber in diesem Moment ist es nicht wichtig, auch wenn es mich zu diesem Moment gebracht hat. Ich bin hier und dieser Moment ist jetzt. Ich bin tatsächlich nicht so ein sentimentaler Mensch. (lacht)

Es fällt auf, dass sich Ihre neue Single „24“ musikalisch sehr von ihren älteren Songs unterscheidet.

Diese Musik, die ich jetzt mache, war immer schon in mir drin. Ich bin mit Soul und R’n’B aufgewachsen. Aber die Musik, die ich vorher gemacht habe, ist auch ein Teil von mir. Ich habe diese Songs geschrieben, aber in mir hat es immer gebrannt, diese neue Art von Musik zu machen. Mit dem Ende von „Sankt Maik“ war es für mich noch mal einfacher, in mich hineinzuhören und zu sagen: „Wenn du dir schon das Leben ausgesucht hast, dass du täglich auf einer Bühne stehst, dann mach aber genau das, was du willst.“ Ich habe ein ganz neues Team aus jungen Produzenten, die aus ganz Deutschland und London kommen, um mich herum. Ich habe mich noch mal neu sammeln können. Da hat mir der Lockdown auch Zeit für gegeben. Ich hatte das erste Mal nach fünf Jahren Zeit, mich über mehrere Monate nur mit der Musik zu beschäftigen.

Der neue Song ist sehr ruhig geworden. Lag das auch daran, dass man gerade ohnehin nicht tanzen gehen kann?

Vieles in dem Song geht um Lust und Leidenschaft. Ich hoffe, dass sich die Hörer wirklich darauf einlassen, es sie vielleicht dazu hinleitet, Liebe machen zu wollen. Hoffentlich haben sie auch jemanden zu Hause, mit dem sie das machen können. Auch das ist während Corona ja gerade sehr schwierig. Obwohl wir heute so liberal und offen sind, wird tatsächlich wenig über Sex gesprochen. Wenn man im Lockdown nicht verpartnert ist, was macht man denn dann? Man hat doch trotzdem ein sexuelles Verlangen. Der britische Premierminister Boris Johnson sagte wirklich: „Man soll mit niemandem schlafen, mit dem man nicht zusammenwohnt.“ Was ist, wenn man alleine wohnt? Was macht man denn dann? Den ganzen Lockdown keinen Sex mehr haben? (lacht)

Elton John soll in den Siebzigerjahren mal gesagt haben, dass er den besten Sex hat, während er seine eigenen Songs hört.

Es ist alleine schon komisch, sich selber im Fernsehen oder Kino anzusehen. Wenn man sich währenddessen beim Singen selber zuhört? Das muss nicht sein. (lacht) Nach dem Sex zusammen Musikmachen ist wunderschön, aber während des Sex meine eigenen Songs laufen lassen? Dafür habe ich noch nicht den richtigen Song geschrieben. (lacht)

In welcher Stadt waren Sie eigentlich während des Lockdowns?

Während des Lockdowns war ich in Köln, weil der „Sankt Maik“-Dreh unterbrochen wurde. Eigentlich wollte ich während des Lockdowns nach Israel, weil es da sonnig und warm ist. Da wohnen meine Eltern so richtig schön auf dem Land.

Bevor Sie die dritte Staffel von „Sankt Maik“ zu Ende gedreht haben, standen Sie unter anderem für die vierte Staffel der Netflix-Serie „The Crown“ vor der Kamera.

Rund um meinen 30. Geburtstag im Januar hatte ich die Drehtage bei „The Crown“. Ich mag es sehr, an meinem Geburtstag zu arbeiten. Zu meinem 30. wurde mir ein großer Wunsch erfüllt. Ich durfte beim Mittagessen zwischen Helena Bonham Carter und Olivia Colman sitzen und dachte mir: „Pretty cool. I’m happy!“

In der Serie spielen Sie den Reitlehrer von Lady Di. Wie Sind Sie an die Rolle gekommen?

Das erste Casting lief gut, aber dann ist der komplette Handlungsstrang herausgeflogen, über meine englische Agentur kam dann sehr kurzfristig noch mal die Anfrage und zwei Wochen später stand ich schon am Set. Ich habe an meinem britischen Akzent gearbeitet und wer „The Crown“ guckt und mag, weiß, wie präzise die Figuren gezeichnet sind. Deswegen funktioniert die Serie auch so gut. Die Akzente sind perfekt und alles ist sehr, sehr detailgetreu.

Sie sind 30 Jahre alt. Haben Sie in den Neunzigerjahren überhaupt etwas von Lady Diana mitbekommen?

Tatsächlich gar nichts. Ich bin niemand, der die Geschichten der Royals verfolgt. Ich habe das eher nie verstanden. Aber ich glaube, das waren einfach zwei Menschen, die miteinander angebandelt haben. Die Gesellschaft liebt es, sich das Maul über jeden und alles zu zerreißen, was im Rampenlicht steht. Lady Di hätte ich schon sehr gerne kennengelernt. Sie war bestimmt eine faszinierende Persönlichkeit.

Worin besteht denn der größte Unterschied, wenn man zum einen für die RTL-Serie „Sankt Maik“ als Hauptdarsteller vor der Kamera steht und wenn man eine kleine Rolle in „The Crown“ spielt?

Natürlich gibt es budgetäre Unterschiede zwischen einer RTL-Serie und einer der weltweit erfolgreichsten Netflix-Serien. Ich habe mit Leuten spielen dürfen, mit denen ich aufgewachsen bin. Helena Bonham Carter und Olivia Colman kenne ich seit meiner Kindheit. Das war eine Ehre, mit denen drehen zu dürfen. Bei „The Crown“ war ich zwar nur die Nummer 448 auf der Tagesdisposition. Aber da wird man schon anders behandelt als in Deutschland. (lacht) Für mich war es aber so essenziell wichtig, mich weiterzuentwickeln. Die Rolle bei „Sankt Maik“ war für mich als Mensch, als Schauspieler ein großes Geschenk. Es war meine erste Hauptrolle: 90 Tage am Stück am Set stehen und jeden Tag funktionieren. Das war schwierig und eine sehr große Aufgabe, aber wenn man sie bewältigt hat, will man weiter. Ich bin relativ rastlos und will noch viel erleben. Ich finde es richtig, dass die Serie nach der dritten Staffel zu Ende geht, weil wir auch die Möglichkeit hatten, sie zu Ende zu erzählen. Jetzt kann ich zufrieden weiterziehen. (lacht)

Ihre Mutter wohnt in Israel, ihr Vater in der Schweiz, ihr Bruder in England und ihre beiden Schwestern in Amerika. Wie feiern Sie in Zeiten von Corona denn Weihnachten?

Wahrscheinlich werde ich in Deutschland bleiben. Mal gucken, wo im Dezember die Grenzen offen sind. Meine Mama war vor Kurzem in Berlin zu Besuch, weil ich nicht nach Israel konnte. Natürlich ist es wunderschön, seine Familie zu sehen und ich vermisse sie und hoffe dass ich sie bald an einem großen Tisch zum Freitagabendessen sehe. Aber durch Skype und diese ganzen Möglichkeiten sieht man sich wenigstens auch so und kann miteinander sprechen. Also kann ich mein Leiden ganz weit hinten anstellen, weil es bei anderen Menschen um ihre Existenz geht. Wenn das Nichttreffen und das Limitieren seiner Kontakte dazu führt, dass unsere Wirtschaft bald wieder funktioniert und eine ganze Branche wie die Veranstaltungsbranche nicht in den Ruin gerät, dann nehme ich das sehr gerne in Kauf.

Von Thomas Kielhorn/RND