Sir Sean Connery, britischer Schauspieler, kommt während des Internationalen Filmfestivals zu einer Vorstellung seines alten Films „Der Mann, der König sein wollte“ aus dem Jahr 1975. Nun ist die James-Bond-Legende Sean Connery tot. Quelle: Danny Lawson/PA Media/dpa

Der ewige James Bond: Ein Nachruf auf Sean Connery

Edinburgh. Bald vier Jahrzehnte ist es bereits her, dass Sean Connery das letzte Mal als Geheimagent ihrer Majestät auftrat. Aber das ändert nichts daran: Für viele wird der schottische Schauspieler auf ewig Bond, James Bond bleiben.

Selten wird das Leben eines Schauspielers so sehr mit einer Rolle verknüpft wie bei Connery. Anfang der Sechziger war es für ihn ein Segen, als die Bond-Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli einen James-Bond-Darsteller suchten und auf den Gedanken verfielen, die Leser einer Londoner Zeitung über ihre Kandidaten abstimmen zu lassen. Bis dahin hatte Connery schon alle möglichen Jobs erledigt, war als Marinesoldat, Bodybuilder, Nacktmodell, sogar als Sargpolierer tätig. Seine schauspielerische Karriere hatte er Komparse auf einer Londoner Bühne begonnen - als Gardoffizier mit Gardemaß (1,88 Meter).

Connery bekam den Job, musste sich bei seinem ersten Abenteuer „007 jagt Dr. No“ (1962) mit ein paar Tausend Pfund begnügen – und galt seitdem für viele als die einzig mögliche Verkörperung eines britischen Topagenten. Seine ironische Lässigkeit, sein Snobismus und seine Verführungskraft waren unerreichbar für alle Nachfolger - wann immer der Beste aller Bonds gekürt wurde, hatte er den Platz ganz oben auf dem Podest sicher.

Macho durch und durch

Erst Daniel Craig, der immer noch aktuelle Bond, dessen letzte Mission in Corona-Zeiten einfach nicht in die Kinos kommen will, löste sich durch sein knallhartes, unironisches Auftreten von diesen Rollenerwartungen. Aber seitdem ist die Filmreihe auch eine andere. Zu Connerys Zeiten wäre es undenkbar gewesen, darüber zu spekulieren, ob eine Frau den Job übernehmen könne. Connerys Bond war Macho durch und durch, aber ein Macho mit viel Charme.

Für Connery muss sich der Bond-Segen irgendwann in einen Fluch verwandelt haben. Gewiss, die Gagen vervielfachten sich, für „Diamantenfieber“ (1971) etwa auf umgerechnet eine Million Euro – und obendrauf noch eine Gewinnbeteiligung von 12,5 Prozent, was damals absolut unüblich war.

Doch wenn Sean Connery etwas auszeichnete, dann war dies das Pochen auf persönliche Freiheit. Zeit seines Lebens aber blieb er ein Gefangener des Bond-Ruhms.

Früh aus dem Filmgeschäft zurückgezogen

Schon früh versuchte er, aus der Agentenrolle auszubrechen, spielte etwa für Alfred Hitchcock in dem Thriller „Marnie“ (1964). Es half alles nichts. Die Zuschauer wollten ihn als Bond sehen. Noch einmal beugte sich Connery dem Wunsch – und ließ die Produzenten ordentlich bluten. Für „Sag niemals nie“ (1983) kehrte er als nunmehr gereifter, 53-jähriger Spion zurück, zeitgleich zu Roger Moores Auftritt in „Octopussy“ – und war vielleicht besser als je zuvor, wenn er mit schmerzenden Knochen die Welt rettete.

Danach begann endlich eine zweite Kinokarriere – als Franziskaner-Mönch William von Baskerville in „Der Name der Rose“ (1986), als Polizist in „Die Unbestechlichen“ (1987), wofür es einen Oscar als bester Nebendarsteller gab, oder als leicht trotteliger Vater von „Indiana Jones“ (1989). Connery kämpfte in „The Rock“ (1996) mit Nicolas Cage und turtelte in „Verlockende Falle“ (1999) mit Catherine Zeta-Jones. Und, ach ja, als 69-Jähriger wurde er mit dem Titel als „Sexiest Man of the Century“ versehen.Aber was bedeuten all diese Erfolge, wenn ihn die Leute auf der Straße doch mit Mr. Bond ansprachen? Wenn durch beinahe jede Rolle ein Hauch Bond durchschimmerte? Wenn das Drehbuch sogar seiner Figur im Alcatraz-Thriller „The Rock“ eine Agentenvergangenheit andichtete?

Vielleicht hatte sich Connery auch deshalb früher aus dem Filmgeschäft zurückgezogen, als es nötig gewesen wäre. Er war diese dauernden Verwechslungen leid. 2006 zog er sich aus dem Kino zurück. Ein Jahr später lehnte er – trotz des Flehens von George Lucas, Harrison Ford und Steven Spielberg – ein weiteres Auftreten in der „Indiana Jones“-Reihe ab.

Agentenbonus auf Lebenszeit

Dafür pflegte er andere Interessen und spielte auf den Bahamas, seinem Altersruhesitz, geradezu leidenschaftlich Golf. Mit Nachdruck engagierte er sich auch für die politische Eigenständigkeit Schottlands. Seine Autobiografie trägt den bezeichnenden Titel „Being a Scot“ (auf Deutsch: „Mein Schottland, mein Leben“). Als die Queen ihn zum Ritter schlug, trug er einen Kilt – und auf dem linken Unterarm die Tätowierung „Scotland forever“.

Sein Umgang mit Geld, so heißt es, habe dem Naturell entsprochen, das Schotten nachgesagt wird – was Connery nicht hinderte, der von ihm gegründeten Stiftung für die Ausbildung junger Landsleute Millionen zufließen zu lassen (übrigens auch die gesamte Gage von „Diamantenfieber“).

Später lag er mal mit den spanischen Behörden im Clinch. Er ging um Steuerhinterziehung rund um Immobiliengeschäfte. Die Ermittlungen liefen unter dem Namen „Goldfinger“, einem der schillerndsten Bösewichte der Bond-Reihe. Von Bond kam der Schauspieler nun mal nicht los, der am Sonnabend in Nassau auf den Bahamas im Alter von 90 Jahren gestorben ist. Hoffentlich wird er zumindest in der Himmelsabteilung für Kinospione als Sean Connery in den Namenslisten geführt.

Von Stefan Stosch/RND