Der Angeklagte (links) sitzt neben seinem Anwalt. Quelle: Nicolas Armer/dpa

Demente Ehefrau getötet: 92-Jähriger zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt

Würzburg. Etwa ein Jahr nach der Tötung seiner schwer kranken Frau ist der 92 Jahre alte Ehemann zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Die Strafe wegen Totschlags werde zur Bewährung ausgesetzt, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht Würzburg, Hans Brückner, am Donnerstag. Das Urteil gegen den Deutschen ist noch nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte hatte gestanden, am 3. November 2019 seine demente und schwer kranke Frau mit einer Decke erstickt zu haben. Er bereue die Tat. Er habe die 91-Jährige jahrelang nahezu alleine zu Hause gepflegt und sei überfordert gewesen. „Im Laufe dieser Pflegezeit konnte ich meine Frau nicht mehr leiden sehen und musste sie irgendwie befreien von der Demenz und von allen Schwierigkeiten“, sagte er. „Ich habe die Kontrolle wahrscheinlich verloren gehabt. Ich konnte nicht anders handeln.“ Das Paar aus dem bayerischen Gemünden am Main war fast 70 Jahre verheiratet und hatte keine Kinder.

Anklage forderte knapp drei Jahre Haft

Oberstaatsanwalt Thorsten Seebach hatte auf Totschlag im minderschweren Fall plädiert und zwei Jahre und neun Monate Haft verlangt. Verteidiger Norman Jacob plädierte ebenfalls für eine Freiheitsstrafe wegen Totschlags im minderschweren Fall, allerdings sollte diese zu Bewährung ausgesetzt werden.

RND/dpa