Menschen laufen durch die Innenstadt von Hildburghausen und protestieren gegen die neuen Infektionsschutzregeln in dem Kreis. Quelle: Steffen Ittig/NEWS5/dpa

Proteste: Hunderte Menschen versammeln sich im Corona-Hotspot Hildburghausen

Hildburghausen. Bei den Protesten gegen die neuen Infektionsschutzregeln im Corona-Hotspot-Landkreis Hildburghausen hat die Polizei am Mittwochabend Pfefferspray eingesetzt. Mehrfache kommunikative Versuche, die Teilnehmer zum Verlassen der Demonstration zu bewegen, seien fehlgeschlagen, teilte die Polizei in der Nacht zum Donnerstag mit. Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht. Gegen 20.45 Uhr seien die Proteste beendet gewesen.

Rund 400 Personen hatten sich auf dem Marktplatz in Hildburghausen entgegen der geltenden Thüringer Infektionsschutzverordnung und der Allgemeinverfügung des Landkreises Hildburghausen versammelt, teilte die Polizei mit. Die Beamten stellten zahlreiche Verstöße gegen die geltenden Infektionsschutzregelungen fest. So wurden laut Mitteilung Mindestabstände nicht eingehalten, Masken nicht getragen und die eigene Wohnung ohne triftigen Grund verlassen, hieß es. Am Donnerstag erklärte eine Sprecherin der Polizei, dass der Protest wohl nicht von Rechtsradikalen organisiert wurde.

Ramelow appelliert an Bürger

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat an die Menschen im Corona-Hotspot Hildburghausen appelliert, sich an die neuen Infektionsschutzregeln zu halten. Es gebe ein großes Bemühen, mit strengeren Maßnahmen „Leib und Leben von Menschen zu schützen“, sagte er am Mittwoch nach einer Schalte der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Er habe aber Bilder gesehen, die zeigten, dass sich mehrere Hundert Menschen auf dem Marktplatz versammelt hätten.

Diese Menschen, so Ramelow, hätten damit das Signal gegeben, dass sie das Infektionsgeschehen in ihrem Kreis nicht interessiere. „Sie sind zwar in dem Landkreis, in dem die höchste Infektionsrate in ganz Deutschland ist, aber sie signalisieren, dass sie die Maßnahmen zur Unterbindung der Infektionen wohl eher ablehnen“, sagte Ramelow.

Ramelow appellierte an die Menschen in Hildburghausen, solidarisch zu sein und „sich gegenseitig zu helfen und sich zu unterstützen“. Gerade im Raum Südthüringen sei die Situation in den Intensivstationen der Krankenhäuser angespannt. „Wenn man dann auch noch mit einer größeren Form von Missachtung und Leugnung glaubt, darauf reagieren zu können, erweist man seinen Mitbürgern einen Bärendienst“, sagte Ramelow.

Bürgermeister „fassungslos“

Auch Hildburghausens Bürgermeister Tilo Kummer (Die Linke) zeigte sich auf Facebook „fassungslos“. Er schrieb am Abend: „Was muss denn noch passieren, bis manche den Ernst der Lage begreifen? Ganze Kitas, Schulen, Rettungswachen, Feuerwehren mussten bereits in Quarantäne. Etliche Menschen, vor allem aus betroffenen Pflegeheimen, kämpfen aktuell in unserem Kreis um ihr Leben.“

Regionaler Lockdown seit Mittwoch

Insgesamt seien mehr als 30 Anzeigen erstattet worden. Die Proteste fanden während der Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) statt. Der Kreis Hildburghausen hat derzeit bundesweit das größte Infektionsgeschehen bei Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Seit Mittwoch gilt dort ein regionaler Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen sowie geschlossenen Schulen und Kindergärten.

RND/dpa