Die Schauspielerin Kristen Stewart spielt Prinzessin Diana. Quelle: Nathan Denette/The Canadian Pres

Kristen Stewart: „Es gab Momente, in denen ich mich wegen meiner Sexualität unwohl gefühlt habe“

Diese Nachricht sorgte für Aufsehen: Kristen Stewart (30) wird im Film „Spencer“ Prinzessin Diana spielen. Das Biopic schildert drei Tage im Leben von Diana. Es sind die dramatischen Tage, in denen sie beim Familienweihnachtsfest der Royals beschließt, sich von Charles scheiden zu lassen. Wie der Zufall es will, beginnen die Dreharbeiten kurz nach der Premiere von Kristens Film „Happiest Season“. Die Handlung klingt vertraut: Eine junge Frau stemmt sich Weihnachten gegen die Zwänge ihrer konservativen Familie. Doch im Gegensatz zu „Spencer“ ist „Happiest Season“ eine Komödie, in der ein lesbisches Liebespaar im Mittelpunkt steht. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht Stewart über beide Rollen, Sexualität und ihre Weihnachtspläne.

Im Film haben die Eltern keine Ahnung, dass ihre Tochter lesbisch ist. Wie war es bei Ihnen, als Sie sich Ihren Eltern offenbart haben?

Ehrlicherweise habe ich mit meiner Familie da noch nie darüber direkt gesprochen. Es soll nicht falsch klingen, aber es ist mir echt egal, wie andere mein Leben bewerten. Es gab nie einen Moment, an dem ich mich offiziell geoutet habe. Auch nicht vor meinen Eltern. Ich habe mich einfach in ein Girl verliebt. Es hat mich selbst überrascht.

Aber Ihre Eltern haben dann ja davon erfahren.

Natürlich. Aber ich bin nicht zu ihnen hin und habe gesagt ‚Hey ihr beiden, ich muss euch leider etwas gestehen‘. Ich habe nie so etwas auch nur in Erwägung gezogen, weil ich nichts Ungewöhnliches an der Situation fand. Ich habe nur gesagt, dass es eine Frau in meinem Leben gibt, die mich glücklich macht. Das war’s. Sorry, also kein Drama. (lacht)

Wenn man vorher mit Männern zusammen war, kann man dann wirklich einfach so ein neues Kapitel aufschlagen?

Natürlich gab es für mich auch schwierige Momente, in denen ich mich wegen meiner Identität und Sexualität unwohl gefühlt habe. Allerdings hatte ich das Glück, in einer Metropole wie Los Angeles aufgewachsen zu sein, wo man wirklich nicht negativ bewertet wird, nur weil man lesbisch ist. Wäre ich woanders groß geworden, hätte ich mich wahrscheinlich geschämt, lesbisch zu sein. Weil andere Menschen und Mitschüler mich als andersartig und ekelig angesehen hätten.

Im Film machen Sie Ihrer Freundin einen Heiratsantrag. Haben Sie je über eine Ehe nachgedacht?

Grundsätzlich mag ich Traditionen und auch pompöse Erklärungen wie ein Ja-Wort. Auf der anderen Seite tue ich mich mit der scheinheiligen Natur der ganzen Angelegenheit sehr schwer. Wenn ich heirate, dann auf meine eigene Weise. Ich kann jemanden ein Versprechen geben und mich an ihn binden, ohne es auf die vorgegebene Weise zu tun.

Wollen Sie eines Tages auch Kinder?

Ich will das, was jeder normale Mensch im Leben will. Und dazu gehört auch eine Familie.

Sie haben noch nie so offen wie jetzt über ihre sexuelle Orientierung gesprochen. Was hat sich geändert?

Erst einmal habe ich nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich lesbisch bin. Es gibt genug Fotos, auf denen ich mit meiner Freundin in der Öffentlichkeit Händchen halte oder auf der Straße mit ihr rumknutsche. Aber es stimmt, ich hatte einfach keine Lust darauf, in Interviews diesen zutiefst privaten Teil meines Lebens breitzutreten – damit die Medien dann mit meiner Story Geld machen können. Mein Film gibt jetzt eine würdige Plattform dafür, etwas dazu zu sagen.

Sie stehen bereits seit ihrer frühesten Jugend im Rampenlicht. Wie können Sie abschalten?

Das ist mir früher viel schwerer gefallen. Ich stand unter Dauerstress und konnte schlecht schlafen. Inzwischen kann ich mit all den Ängsten, die mich einst beherrscht haben, umgehen. Ich mache Kickboxen, um mich abzureagieren und chille mit meinem Hund.

Haben Sie schon Weihnachtspläne?

Auf jeden Fall will ich mir schon Anfang Dezember einen Baum holen und ihn schmücken. Ich bin von Weihnachtsbäumen besessen und will sie so lange wie möglich in meinem Haus stehen haben.

Gibt es besondere Traditionen im Hause Stewart?

Ich lebe ja schon nicht mehr zu Hause seitdem ich 17 bin. Ich gehe am 1. Weihnachtstag traditionell thailändisch essen. Ich wohne in Los Angeles gleich neben Thai Town und es sind die einzigen Restaurants, die offen haben. Wobei dieses Jahr ist ja alles etwas anders und ich muss mal abwarten. Heiligabend will ich mit meiner Mutter verbringen. Ich werde mich vorher auf Covid-19 testen lassen, um sicher zu sein.

In „Spencer“ spielen sie Diana. Fühlt sich diese Rolle anders an als andere?

Ja, der Druck ist auf jeden Fall größer, es gut zu machen. Ich musste wirklich erst einmal abwägen, ob ich es mir zutraue, sie zu spielen. Mein erster Gedanke war „Oh shit, das wird hart!“. Diana zu werden ist mehr als nur eine Perücke aufzusetzen und ihre Outfits zu tragen. Auf der anderen Seite ist mir klar geworden, dass jeder in ihr etwas anderes sieht. Daher kann ich eigentlich nichts richtig oder falsch machen. Ich kann nur alles, was ich zu bieten habe, in die Rolle stecken.

Sie waren erst 7, als Diana starb. Wie bereiten sie sich auf die Rolle vor?

Ich bin nicht mit ihr aufgewachsen, aber ich fühle, wie schutzbedürftig sie war. Ich lese gerade die dritte Biografie über sie. Ich will sie nicht nur spielen, ich will sie kennen.