Jenke von Wilmsdorff stellt sich einem Experiment, das unter die Haut geht. Für immer jung – aber zu welchem Preis? Quelle: ProSieben/Bene Müller

Jenke von Wilmsdorff: „Diese Pandemie hat die gesamte Berichterstattung eingeschränkt“

Am heutigen Montag läuft die Reportage „Jenke. Das Schönheits­experiment“ (Pro Sieben). Darin sieht man Jenke von Wilmsdorff, der in 100 Tagen 20 Jahre jünger aussehen will. Im Interview mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) spricht der 55-Jährige über die Schwierigkeiten, das TV-Experiment überhaupt realisieren zu können.

Herr von Wilmsdorff, gibt es eigentlich einen Grund, warum dieses Interview nur als Telefonat und nicht als Facetime-Anruf oder via Zoom-Konferenz stattfindet?

Ja, weil ich für mein neues Experiment mein Gesicht in zwei Hälften geteilt habe. Eine für kosmetische Behandlungen, die andere, um dort eventuell die Chirurgie ranzulassen. Das Ergebnis soll man natürlich erst am Montag zu sehen bekommen.

Für Ihre neue Reportage „Das Schönheits­experiment“ wollen Sie in 100 Tagen 20 Jahre jünger aussehen.

Bei einer Umfrage wurde ein älterer Herr gefragt, wie alt er mich schätzt, und der hat gesagt: „Der Jenke ist Anfang 70.“ Wenn man von diesem Alter ausgegangen wäre, hätte man es sich mit den 20 Jahren natürlich einfacher machen können. Aber wir haben uns an meinem wirklichen Alter orientiert. Mit verschiedenen Methoden kann man das Hautalter bestimmen. Das nennt sich Visia-Scan und wird zum Beispiel in der Charité in Berlin benutzt, um Hautschäden zu dokumentieren, die man mit bloßem Auge nicht sieht. Das sind zusammengesetzte Werte wie Pigmentierung, Hautebenheit, Rötungen, Sonnenschäden und Faltentiefe. Das alles bestimmt das Alter unserer Haut, und das Interessante war, dass ich auf der einen Gesichtshälfte fünf Jahre älter war als auf der anderen. Der Anspruch war nun, die Zeit zurückzudrehen und nach 100 Tagen zu gucken, wie viele Jahre habe ich wieder herausgeholt oder hat sich gar nichts getan. Oder waren die Dreharbeiten so stressig, dass ich sogar noch älter geworden bin. All diese Möglichkeiten gab es. (lacht)

Sie sind 55 Jahre alt. Wenn Sie 20 Jahre jünger aussehen würden, wären Sie jünger als Ihr Kollege Klaas Heufer-Umlauf mit seinen 37 Jahren.

Ist das nicht machbar? Faltenfreier als Klaas zu sein, das war mein eigentliches Ziel. (lacht)

Wenn Sie 100 Tage gedreht haben, war das definitiv in der Corona-Zeit.

Richtig. Wir haben Ende August angefangen zu drehen und sind vor knapp zwei Wochen fertig geworden. Es war alles viel aufwendiger, weil wir immer wieder Corona-Tests gemacht haben. Wir waren zum Beispiel in einem Ort auf Sardinien in Italien, wo überdurchschnittlich viele alte Menschen leben. Da es dort keine Corona-Fälle gab, hat man als Mensch, aber auch besonders als Journalist, noch mal zusätzlich eine sehr große Verantwortung. Erst nachdem das gesamte Team frisch getestet war, haben wir uns auf die Reise gemacht. Diese Pandemie hat natürlich die gesamte Berichterstattung eingeschränkt. Gerade bei so einem Thema wie Schönheitswahn wollten wir nach Südkorea. Das ist der Markt, auf dem man den ganzen heißen Scheiß zu diesem Thema kriegt. Ob Liftingfäden, Seren oder Bleichmethoden für die Haut – die sind dort wirklich weltführend. Da wollten wir hin, konnten aber leider nicht. Das ist natürlich bitter, weil man Abstriche für seine Geschichte machen muss, die immer so umfassend wie möglich sein soll. Aber wir waren dankbar, dass wir überhaupt drehen konnten. Selbst die Reise nach Wien, wo mein biologisches Alter bestimmt werden sollte, stand auf der Kippe.

Dieses Verjüngungsthema passt ausgezeichnet zu Ihnen. Immerhin haben Sie Ihren Stammsender RTL nach 20 Jahren für den jüngeren Sender Pro Sieben verlassen. Verständlich, dass man sich da zielgruppenmäßig anpassen muss.

(lacht) Ein sehr schöner Vergleich. Es stand anfangs nicht unbedingt fest, dass wir mit dem Schönheitsthema starten würden, sondern wir hatten auch noch ein oder zwei andere Themen in der engeren Auswahl. Mir lag das Thema Jugendwahn aber sehr am Herzen, weil es eine gesellschaftliche Relevanz hat. Man könnte meinen, dass einem nach 20 Jahren Experimenten die Geschichten ausgehen, aber als ich begonnen habe, wäre Schönheitswahn nie ein Thema für mich gewesen. Es wird immer wieder Themen geben, die für die Gesellschaft so relevant sind, dass wir sie zum Experiment machen können. Aber meine Kollegen und ich haben schon geflachst, ob ich nicht ein wenig zu alt für Pro Sieben bin. Dann haben wir jedoch erfahren, dass die Pro-Sieben-Zielgruppe gar nicht so jung ist. Das sind nicht die Elf- bis 17-Jährigen, sondern die geht auch bis 40 Jahre. Die Zielgruppe ist jünger als bei RTL, aber nicht auffallend jünger.

Vor einigen Wochen hat Pro Sieben mit der Reportage „Rechts. Deutsch. Radikal.“ Ihres Kollegen Thilo Mischke sehr gute Einschaltquoten auf dem 20.15-Uhr-Sendeplatz geholt, dabei laufen die meisten Reportagen normalerweise sehr viel später.

Das Genre Reportage war noch nie massentauglich, umso großartiger, dass sich so viele Zuschauer für Thilos Reportage entschieden haben. Es hat einmal mehr gezeigt, dass die Menschen sehr wohl ein großes Interesse an der Aufarbeitung solcher Themen haben auch in der Primetime und in besonderen Zeiten wie diesen, in denen die Unterhaltung klar im Vordergrund steht. Pro Sieben war hier mutig, weil das Thema für alle in unserer Gesellschaft eine riesige Relevanz hat. Und Pro Sieben hat ja immer wieder gezeigt, dass sich Information zur besten Sendezeit nicht ausschließt.

Jenke von Wilmsdorff: „Bin wieder rauchfrei geworden“

Was ich beeindruckend bei Ihren Experimenten finde, ist, wie nachhaltig die bei den Zuschauern in Erinnerung geblieben sind. Sehr viele googeln immer noch: „Ist Jenke rauchfrei geblieben?“ Was kann man diesen Leuten dazu sagen?

Ich bin wieder rauchfrei geworden. Nach der Sendung damals bin ich es eine Zeit lang geblieben. Dann war es ein ewiges Auf und Ab, bei dem ich schon gedacht habe, das wird das Experiment meines Lebens bleiben. Jetzt bin ich aber in der Tat seit mehreren Monaten rauchfrei. Mal abwarten, wie es weitergeht. (lacht)

Muss man sich das so vorstellen, wie bei einem trockenen Alkoholiker?

Nein, es ist zwar eine extrem starke Sucht, die oft verharmlost wird. Aber ein trockener Alkoholiker darf ja noch nicht mal mehr eine Likörpraline essen, ohne das Risiko einzugehen, rückfällig zu werden. Das hat man beim Rauchen so nicht. Irgendwann ist man an einem Punkt, an dem man das nicht mehr will. Es schmeckt nicht, es riecht nicht gut und es tut nicht gut. In dem Moment, in dem man die Zigarette anmacht, ist es ja nur so angenehm, weil es die Sucht stillt. Nikotin ist kein Genussmittel, das dürfte wohl klar sein. Wenn man das irgendwann kapiert hat, ist das Risiko, rückfällig zu werden, eigentlich überschaubar, persönliche Katastrophen mal ausgeschlossen, bei denen man ja gern in alte Suchtmuster zurückfällt.

Wann dürfen wir mit einem neuen Experiment rechnen?

Im Dezember ist erst mal ein bisschen Wundpflege nötig. Wink mit dem Lattenzaun. (lacht) Dann werde ich bei Pro Sieben mit einem neuen spannenden Format zu sehen sein, und im Frühjahr planen wir dann das nächste Experiment.

Wie wäre es denn mit dem Thema „In 100 Tagen zum Millionär“?

Super. Schreibe ich mir gleich auf. Sie würden eine Provision bekommen, wenn wir es machen. (lacht)

Von Thomas Kielhorn/RND