Die Arzthelferin hat unter anderem Patienten geimpft und ihnen Blut abgenommen.

Arzthelferin behandelt trotz Quarantänepflicht 150 Patienten – Haft

Oslo. Eine junge Norwegerin führt eine Beziehung zu einem Mann in London – auch inmitten der Corona-Pandemie besucht sie ihn. Doch obwohl Großbritannien von Norwegen auf die rote Liste gesetzt wurde und nach der Einreise damit eine zehntägige Quarantänepflicht greift, geht die Frau zur Arbeit – in eine Arztpraxis, berichtet die norwegische Zeitung „VG“.

Dreimal soll die Frau, die Mitte 20 sein soll, nach einem Besuch bei ihrem Freund unerlaubt wieder gearbeitet haben – obwohl 400 der 2000 Patienten der Arztpraxis zur Covid-19-Risikogruppe gehören. An besagten 21 Tagen, die sie in Quarantäne hätte verbringen sollen, hatte die Frau mindestens in 153 Fällen nahen Kontakt mit Patienten – etwa beim Blutabnehmen, bei Impfungen oder beim Blutdruckmessen.

Arzthelferin behauptet, nichts von Quarantänepflicht gewusst zu haben

Ein Gericht in Oslo verurteilte die Frau am Mittwoch zu einer Haftstrafe von 24 Tagen. Vor Gericht ging es vor allem um die Frage, ob die Frau vorsätzlich gehandelt hatte. Während sie angab, dass sie nichts von der Quarantänepflicht wusste, weil sie in Großbritannien ja auch nicht in Quarantäne hätte gehen müssen, sagten Mitarbeiter anderes aus.

Ihr Chef gab vor Gericht an, das Personal persönlich und via E-Mail darauf hingewiesen zu haben, dass nach Auslandsreisen kein Arbeitseinsatz möglich sei. Zudem habe die Frau sich bei der Pause darüber echauffiert, dass Menschen sich fahrlässig dem Risiko aussetzten, sich mit Corona zu infizieren, indem sie verreisten. Der Chef war es letztendlich auch, der von den Reisen erfuhr und seine Mitarbeiterin nicht nur kündigte, sondern auch den Ermittlern meldete, schreibt die Lokalzeitung „Avisa Oslo“.

Verteidigerin: Jobverlust bei Urteil nicht berücksichtigt

„Diese Menschen sind zu einer Arztpraxis gegangen, obwohl wir eine Pandemie haben, weil sie wirklich medizinische Hilfe gebraucht haben. Sie müssen sich sicher fühlen, wenn sie so etwas machen“, sagte Staatsanwältin Karianne Worren. Sie zeigte sich zufrieden mit der Strafe – immerhin müsse man in solch einem Fall ein Zeichen setzen, dass die Allgemeinheit geschützt werde, auch wenn es in diesem Fall wohl „glücklicherweise ohne Konsequenzen für die Patienten“ ausgegangen sei, da sich die Angeklagte offenbar nicht mit dem Coronavirus infiziert hatte.

Verteidigerin Annette Barlinn möchte hingegen mit ihrer Mandantin prüfen, gegen das Urteil vorzugehen. Sie hatte Sozialstunden für die junge Frau gefordert. „Nur wenige haben beim Urteil berücksichtigt, dass sie ihre Arbeit verloren hat und dass sie auch Schwierigkeiten haben wird, je wieder eine Arbeit im Gesundheitssektor zu finden. Das ist eine sehr empfindliche zusätzliche Strafe für sie.“

RND/msk