Die Anzahl der Elefanten in Namibia nimmt stark zu.

Konflikte mit Menschen: Namibia verkauft 170 Elefanten

Windhoek. Namibia hat sich dazu entschieden, 170 hochwertige wilde Elefanten in einer Auktion anzubieten. Das hat das Umweltministerium in einer Anzeige in der staatlichen Tageszeitung „New Era“ verkündet. Als Gründe wurden eine Dürre sowie die steigende Population von Elefanten angegeben. Da es zunehmend mehr Elefanten gebe, sei es auch häufiger zu Konflikten zwischen Menschen und Elefanten gekommen, heißt es in dem Artikel.

An dem Kauf beteiligen kann sich jeder im In- und Ausland, ließ das Ministerium mitteilen. Voraussetzung sei, dass die Auflagen erfüllt seien – etwa was eine Quarantäneeinrichtung für die Tiere oder auch die Sicherung des Grundstücks sowie die Haltungserlaubnis betreffe. Über die Anzeige berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Zudem sollten jeweils ganze Herden verkauft werden, um das soziale Gefüge in den Nationalparks nicht zu zerstören. Jungtiere würden nicht zurückgelassen, heißt es in der Anzeige.

Elefantenpopulation geht weltweit zurück, steigt in Namibia aber stark an

Während die Elefantenpopulation weltweit stark zurückgeht, ist sie in Namibia in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Waren es 1995 nur noch 7500 Elefanten, lebten im vergangenen Jahr geschätzt 24.000 Exemplare in dem südafrikanischen Land. Namibia hat im vergangenen Jahr bereits mitgeteilt zu überlegen, das Abkommen zu verlassen, das den weltweiten Handel mit gefährdeten Arten, wozu auch Elefanten gehören, regelt. Namibia möchte gemeinsam mit anderen Ländern wie beispielsweise Südafrika mehr Trophäenjagden erlauben.

Es ist nicht das erste Mal, dass Namibia wilde, frei lebende Tiere versteigert. Im Oktober wurden 100 Büffel verkauft, im vergangenen Jahr während einer Dürreperiode 1000 Tiere, darunter 500 Büffel. Büffel zählen wie Elefanten zu den Big Five. Das enorm wüstenreiche und wasserarme Land Namibia leidet seit vier Jahren unter starker Dürre, die Wasserressourcen und das Weideland schrumpfen – Elefanten und andere Wildtiere wandern daher mehr als zuvor und dringen immer öfter in menschliche Siedlungen ein.

Hungrige Elefanten sind lebensbedrohlich für Dörfer

Elefanten können binnen Sekunden die überlebenswichtige Ernte eines gesamten Dorfes zerstören. Laut der Zeitung „The Telegraph“ verhungerten und verdursteten allein im Jahr 2018 64.000 frei lebende Tiere. Durch den Verkauf sollten nicht nur Menschen-, sondern auch Tierleben gerettet werden, argumentiert daher das Umweltministerium.

Tierschützer hingegen verweisen auf erfolgreiche Systeme aus anderen Ländern, in denen Elefanten von menschlichen Siedlungen vertrieben werden, etwa durch eine Elephant Task Force, die permanent Ausschau hält und Elefanten frühzeitig durch Lärm vertreibt. Jim Justus Nyamu vom Elephant Center in Kenia schrieb auf Twitter: „Was soll das jetzt? Die Regierung sucht nach billigen Alternativen, anstatt das Problem nachhaltig anzugehen.“ Die Tierschutzorganisation Future for Elephants forderte langfristige Maßnahmen für den Mensch-Wildlife-Konflikt.

Auch andere Länder verkaufen immer wieder wilde Tiere

Die Umweltschutzorganisation Frackfree Namibia vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Verkauf der Tiere und den jüngst öffentlich gewordenen Plänen, Ölfirmen Bohrungen im weltweit zweitgrößten Naturschutzgebiet, dem Kavango-Becken, zu erlauben. Die kanadische Firma Recon Africa darf dort ab 10. Dezember Probebohrungen vornehmen, im Grund des Naturareals wird das weltweit größte Erdölvorkommen an Land vermutet. Umwelt- und Tierschützer sowie Soziologen und Ethnologen warnen vor den Folgen eines möglichen Frackings in dem Gebiet – immerhin hängt die Frischwasserversorgung von einer Million Menschen daran.

Namibia ist im südlichen Afrika nicht das einzige Land, das wilde Tiere verkauft. Das Nachbarland Simbabwe steht immer wieder in der Kritik, weil es zur Tilgung der Staatsschulden frei lebende Babyelefanten einfängt und an chinesische Zoos verkauft. Da Elefanten in freier Wildbahn sehr lange bei ihren Müttern bleiben, sterben die Tiere oft binnen weniger Monate bis Jahre.

Von Miriam Keilbach/RND