Der Hollywood-Star George Clooney. Quelle: Ian West/PA Wire/dpa

George Clooney: „Ich bin am Filmset so glücklich wie ein Kind auf dem Spielplatz“

Los Angeles. „Sexiest Man Alive“ war er schon zweimal. Die dritte Auszeichnung des Magazins „People“ teilt sich George Clooney mit Regina King, Dr. Anthony Fauci und Selena Gomez: Sie alle sind „People of the Year“. Der Hollywood-Star wird für sein politisches Engagement geehrt. Eine Bürgerpflicht, zu der er von seinem Vater Nick erzogen wurde, wie er im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärt: „Er hat gesagt, ‚Schau mir nicht in die Augen, wenn du dich nicht gegen Unterdrückung und Rassismus auflehnst‘.“ Die selbe Einstellung will er an seine Kinder, die Zwillinge Ella und Alexander (3), weitergeben: „Es ist das Vermächtnis von meiner Frau und mir an sie, dass sie sich für die Dinge offen einsetzen, an die sie glauben.“ Wie im wahren Leben zeigt sich Clooney auch in seinem neuen Science-Fiction-Film „Midnight Sky“ (ab 23. Dezember bei Netflix) engagiert: Dort muss er das Leben eines kleinen Mädchens in einer postapokalyptischen Welt retten.

Wie geht denn in Ihrem Film die Welt unter? Durch eine Nuklearkatastrophe?

Das wird nie genau gesagt, was es für mich interessanter macht. Weil wir nicht wirklich wissen, auf wie viele verschiedene Arten wir die Menschheit ausrotten können.

Sie haben Ihre Szenen als letzter Mann auf dem Planeten auf Island gedreht. Wie hart waren dort die Bedingungen?

Wettertechnisch nicht besonders. Wir waren im August da und es war ziemlich warm, auch wenn der Schnee echt ist. Am härtesten waren die Umweltauflagen, die wir bekommen haben. Wir durften keine Einwegsachen aus Plastik am Set benutzen und mussten alles recyceln. Was für das Filmbudget super ist, weil man so ziemlich viel sparen kann.

Da spricht der Produzent. Nebenbei haben Sie auch noch Regie geführt und spielen die Hauptrolle. Wie hält man so einer Dreifachbelastung stand.

Mit genug Alkohol geht alles (lacht). Normalerweise ist alles einfach für mich, zumal ich es ja schon mehrere Male gemacht habe. Ich bin am Set so glücklich wie ein Kind auf dem Spielplatz. Das Problem diesmal war allerdings, dass es mir in den ersten drei Wochen körperlich ziemlich dreckig gegangen ist.

Warum?

Ich habe mir drei Tage vor dem Abflug nach Island eine schwere Bauchspeicheldrüsenentzündung zugezogen und lag sogar in England in der Notaufnahme. Ich wurde zwei Tage an den Morphiumtropf gehängt und bin dann direkt vom Hospital ins Flugzeug gestiegen. Immerhin habe ich dann meine Rolle als schwacher, todkranker Mann viel authentischer rüberbringen können (lacht).

Neigen Sie zur Wehleidigkeit oder beißen Sie eher die Zähne zusammen und sagen nichts, wenn es Ihnen Mal nicht gut geht?

Sind nicht alle Männer Memmen, wenn sie krank sind? (lacht) Ich auf jeden Fall. Wenn ich mir den Zeh stoße, verkrieche ich mich eine Woche lang im Zimmer, während meine Frau mal eben nebenbei zwei Kinder zur Welt bringt. Diese Entzündung hat mich echt aus den Latschen gekippt. Als die Schmerzen anfingen, stand ich wie unter Schock. Ich glaubte zuerst, ich hätte einen Herzinfarkt und dachte: „Das war es wohl jetzt für dich!“

Sie sehen nicht nur wieder kerngesund aus, sondern auch glattrasiert. War der Vollbart im Film nur angeklebt?

Nein, er war ein echter Bart. Und meine Frau war sehr happy, als das Shooting vorbei war (lacht).

Ihre Filmfigur wird in Rückblicken als junger Mann gezeigt. Haben Sie sich digital verjüngen lassen?

Nein, mit der digitalen Technik sieht es sehr merkwürdig aus. Ich lasse mein junges Ich von einem anderen Schauspieler doubeln. Es ist der Enkel von Gregory Peck, der ein guter Freund von mir war. Ethan Peck hat dieselben Augenbrauen wie ich. Dass er besser aussieht mit 34 als ich damals ist ein Bonus für mich (lacht).

Haben Sie als kleiner Junge nachts in den Sternenhimmel gestarrt und sich gefragt, was es da draußen im All alles geben mag?

Ich war acht, als Neil Armstrong zum Mond geflogen ist. Alles drehte sich nur um die Raumfahrt und das All für mich. Ich habe mir ausgemalt, wie es ist, auf dem Mond zu leben und den Weltraum zu bereisen. Mein Sohn Alexander kommt da ganz nach mir. Er will auch zum Mond. Ich habe ihm am Set das Raumschiff gezeigt und ihm gesagt, dass er später damit dort hinfliegen kann. Er war begeistert!

Und was ist mit Ihrer Tochter?

Die steht eher auf Autos. Wir haben ein ferngesteuertes Gefährt im Film, in das sie sich setzen kann. Sie glaubt, dass sie selbst steuert. Sie liebt es, die Kontrolle zu haben und fährt wie eine Verrückte. Sie ist echt spaßig!

Haben die Kleinen auch Papas Sinn für Humor geerbt?

Ich fürchte, es gibt da Ansätze. Ich spiele mit meinen Kindern immer ein Spiel, mit dem man Wortsteigerungen lernt. Ich frage dann zum Beispiel „Wenn Du groß bist, was bin dann ich?“ Und die richtige Antwort wäre dann „größer“. Neulich habe ich meinen Sohn gefragt „Wenn du schlau bist, was bin ich dann?“ Und er meinte doch tatsächlich „alt“! Seitdem muss er vor der Tür schlafen (lacht).

Von Dierk Sinderman/RND