Der 74-jährige Mann wurde von dem Landgericht Itzehoe verurteilt. Quelle: Bodo Marks/dpa

Totschlag im Kleingarten: 74-Jähriger zu acht Jahren Gefängnis verurteilt

Itzehoe. Die Schwurgerichtskammer am Landgericht Itzehoe hatte keinen Zweifel: Der heute 74 Jahre Angeklagte hat auf seiner Parzelle in einem Itzehoer Kleingarten einen 38 Jahre alten Mann getötet. Wegen Totschlags verurteilte die 5. Große Strafkammer den 74-Jährigen nun am Donnerstag zu einer Haftstrafe von acht Jahren.

Im März hatten sich die beiden Männer in der Laube des Angeklagten, der von Gartennachbarn als freundlich und hilfsbereit beschrieben wurde, getroffen. Warum es dann zu einer Auseinandersetzung kam, ist unklar. Da sich der zur Tatzeit 73 Jahre alte Mann zu keinem Zeitpunkt des Prozesses zu den Vorwürfen äußerte, liegt auch ein mögliches Motiv völlig im Dunklen.

Täter und Opfer stark betrunken

Der Enkel des Angeklagten meldete sich am Abend des Tattages beim Rettungsdienst. Als Krankenwagen und Polizei im Kleingarten eintrafen, fanden sie den Toten. Der Leichnam wies Würgemale und 27 Stichverletzungen mit einer Tiefe von bis zu 14 Zentimetern sowie fünf Schnittverletzungen auf. Getroffen wurden unter anderem der Hals, das Gesicht und der Intimbereich. Bei dem Toten wurde ein Blutalkoholwert von 2,45 Promille festgestellt. Für den 74-Jährigen wurde der Wert rückwirkend auf 3,34 Promille berechnet.

Auch wenn es keine Zeugen für die Tat gibt und die beiden benutzten Messer keine Spuren aufwiesen, sah die Schwurgerichtskammer die Täterschaft des Angeklagten als erwiesen an. Sie folgte dem von der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage geforderten Strafmaß. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, weil nicht zweifelsfrei zu beweisen sei, dass der damals 73-jährige die Tat wirklich begangen habe.

Die Kammer stützte sich vor allem auf Faserspuren von der Kleidung des Angeklagten beim Opfer sowie auf Blutspuren auf Jacke, Hose und Stiefeln des 74-Jährigen. Beide Männer waren zusammen in der Laube gesehen worden, und der Beklagte sei auch körperlich in der Lage gewesen, die Tat zu begehen.

Massive Gewalt

Dazu habe es keine konkreten Anhaltspunkte für die Anwesenheit einer dritten Person gegeben. Deshalb sei der Mann durch die Beweisaufnahme überführt. Sei das vorangegangene Würgen noch mit bedingtem Tötungsvorsatz geschehen, so habe er die Messer vorsätzlich eingesetzt, betonte die Kammer. Die Tat sei von einer massiven Gewalt geprägt gewesen. Der Blutalkoholwert des Beklagten, der zudem noch 3735 Euro für die Bestattungskosten an die Erbengemeinschaft des Getöteten zahlen muss, habe ihn nicht an der Tat gehindert.

Der Haftbefehl gegen den 74-Jährigen, der nach der Verhandlung zurück in die Justizvollzugsanstalt nach Lübeck gebracht wurde, blieb bestehen. Eine Revision gegen das Urteil ist zugelassen.

RND/dpa