Der 102,5 Tonnen schwere Stein wird von einem 800 Tonnen Kran angehoben und auf einen Tieflader verladen. Quelle: Martin Remmers/dpa

Publikumsmagnet in Hüven: 100 Tonnen schwerer Findling wechselt seinen Ort

Hüven. Nach Monaten des Wartens hat am Freitag im emsländischen Hüven ein Findling den Ort gewechselt: Per Tieflader wurde der 102,5 Tonnen schwere Stein von einem Acker in die Ortsmitte gebracht, teilte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mit. Aufgrund von Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie musste im Herbst eine Begutachtung durch Experten mehrere Wochen lang verschoben werden.

Der Stein war im Sommer von einer Landwirtsfamilie freigelegt worden und hatte sich schnell zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Regelmäßig besuchten Hunderte von Menschen den Acker, um den 5,80 Meter langen, 2,90 Meter hohen und 4,50 Meter breiten Stein zu bestaunen. Nach einer Begutachtung durch LBEG-Experten vor einem Monat steht fest, dass der Findling als Naturdenkmal anzusehen ist. Das bedeutet, er darf nicht verändert werden, auch das Einmeißeln einer Inschrift ist nicht erlaubt. Aber er darf an einem anderen Ort aufgestellt werden - genau das geschah am Freitag. Gut 35.000 Euro kostet der Transport und das Aufstellen, inklusive der Neugestaltung der Ortsmitte.

Plan für Platz um den Findling herum

Nun soll eine Arbeitsgruppe in dem 560-Einwohner-Ort über den Winter einen Plan machen, wie der Platz rund um den Findling aussehen könnte. Zu Ostern sollen die Arbeiten fertig sein. Eigentlich hätte es schon zur Umsetzung des Steins ein kleines Dorffest geben sollen. Aber die aktuellen Beschränkungen wegen der Pandemie ließen das nicht zu. Um die Ansammlung Neugieriger beim Abtransport zu vermeiden war auch der genaue Transporttermin bis Freitagmorgen vertraulich behandelt worden, sagte der stellvertretende Bürgermeister Alfons Kohne (CDU).

Vor 150.000 bis 200.000 Jahren sei der Findling durch Gletscherbewegungen aus Skandinavien ins Emsland gekommen. Sein Alter schätzen die Experten auf bis zu eine Milliarde Jahre. Wo genau der Stein herkam, muss noch untersucht werden. Er ist nach Angaben des LBEG der viertgrößte, der in Niedersachsen gefunden worden ist. Der größte bislang gefundene Findling liegt mit 330 Tonnen in Stöckse (Landkreis Nienburg). In Dietrichsfeld bei Aurich und in Plumbohm in der Gemeinde Göhrde (Landkreis Lüchow-Dannenberg) sind Findlinge mit jeweils 110 Tonnen gefunden worden.

RND/dpa