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Der Schattenriss eines Mannes ist in einer Justizvollzugsanstalt in einer Tür zu sehen. (Symbolfoto) Quelle: dpa

Kind getötet: Freilassung nach 18 Jahren Haft sorgt in den USA für Aufregung

Minneapolis. In den Vereinigten Staaten sorgt die Freilassung eines wegen der Tötung eines Kindes inhaftierten Mannes für Aufregung. Der Schwarze Myon Burrell wurde am Dienstag aus dem Gefängnis in Minnesota entlassen, nachdem die Strafvollzugsbehörden seine lebenslange Haft in 20 Jahre Gefängnis umgewandelt hatten. Der 34-Jährige saß 18 Jahre lang hinter Gittern, die restlichen zwei Jahre wurden zur Bewährung ausgesetzt.

2002, als Burrell 16 Jahre alt war, soll er verantwortlich gewesen sein für den Tod eines ebenfalls schwarzen 11-jährigen Mädchens. Dieses starb durch einen Querschläger, als es an einem Tisch im Esszimmer Hausaufgaben machte. Die Nachrichtenagentur AP und das Radionetzwerk American Public Media deckten dieses Jahr schwerwiegende Pannen in der Polizeiermittlung zum Tod des Mädchens auf. Unter anderem fand AP heraus, dass es weder eine Waffe, noch Fingerabdrücke, andere DNA oder weitere harte Beweise gab, die Burrell mit den Schüssen in Verbindung bringen.

Begrüßung mit Jubelrufen

Bei seinem Antrag auf Straferlass erklärte der Insasse, es gehe ihm nicht darum, die Tragödie um den Verlust des Mädchens zu schmälern. Er sei aber für mehr als die Hälfte seines Lebens für ein Verbrechen eingesperrt worden, das er nicht begangen habe. In dem Fall hatte er stets seine Unschuld beteuert. Ein anderer Mann hat gestanden, das Mädchen erschossen zu haben. Als Burrell aus dem Gefängnis entlassen wurde, begrüßten ihn Unterstützer mit Jubelrufen und schellenden Glocken.

Die Familie des Mädchens zeigte sich indes empört über die Entscheidung. Der Nachrichtenagentur AP sagte der Bruder des Mädchens, Jimmie Edwards III, das Justizsystem, die Medien und die Unterstützer von Burrell hätten die Familie und seine Schwester im Stich gelassen. „Sie konnte nie zum Schulball gehen. Sie konnte nie aufs College gehen. (...) Ihr Leben wurde ihr mit 11 Jahren genommen. Wer ist das Opfer?“

RND/AP