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Scheut keinen großen Vergleich: Arnold Schwarzenegger, Schauspieler aus Österreich und ehemaliger Gouverneur von Kalifornien, ruft zur Unterstützung Bidens auf. Quelle: Andrzej Grygiel/PAP/dpa

Schwarzenegger: Angriff aufs Kapitol war „Amerikas Kristallnacht“

Los Angeles. In einer dramatischen Videoansprache hat Arnold Schwarzenegger die Amerikaner zur Versöhnung unter dem gewählten Präsidenten Joe Biden aufgerufen. Der republikanische Ex-Gouverneur von Kalifornien (73) scheute dabei keine großen Vergleiche und gab eine bisher unbekannte Seite seiner Vergangenheit preis.

Der Sturm aufs Kapitol in Washington am 6. Januar sei „Amerikas Kristallnacht“ gewesen, sagte der in Österreich geborene und aufgewachsene frühere Schauspieler. Der Angriff auf das Parlament habe nicht nur die Fenster und Türen des Kapitols zerstört, sagt Schwarzenegger. Die Eindringlinge hätten auch „auf den Prinzipien herumgetrampelt, auf denen unser Land gegründet wurde“.

Schwarzenegger verglich die Geschehnisse mit der nationalsozialistischen Vergangenheit seines Heimatlandes Österreich. Unterlegt von dramatischer Streichermusik erzählte er von seinem Vater, der oft betrunken nach Hause kam, seine Kinder schlug und ihre Mutter verängstigte – weil er seine Schuldgefühle aus Krieg und Nazi-Zeit im Alkohol ertränken wollte.

„Ich habe ihn dafür nicht persönlich verantwortlich gemacht“, sagte Schwarzenegger über diesen bisher unbekannten Teil seiner Biografie: „Die Nachbarn verhielten sich ja genauso.“

Vergleich auf vielen Ebenen historisch falsch, aber nicht auf allen

Es seien ganz normale Österreicher gewesen, die sich schuldig gemacht hätten, die Schritt für Schritt Teil des Terrorregimes geworden seien – „alles begann mit Lügen, Lügen, Lügen und Intoleranz“. „Als Europäer weiß ich, wie schnell alles außer Kontrolle geraten kann“, fügte Schwarzenegger hinzu.

Der Vergleich ist auf vielen Ebenen historisch falsch, aber eben nicht auf allen – und vor allem ist er eingängig. Die Pogromnacht gegen Synagogen und jüdische Geschäfte und Häuser am 9. November 1938 markierte den Übergang von der Ausgrenzung zur Vernichtung der Juden, sie war orchestriert und angestachelt vom Regime selbst.

Der gescheiterte Angriff aufs US-Parlament markierte den vorläufigen Endpunkt eines demokratischen Machtübergangs, aber auch er wurde vom amtierenden Präsidenten und seinen Unterstützern vorbereitet.

So verglich Schwarzenegger Trump mit Hitler und seine Anhänger mit dessen Unterstützern: Auch Trump habe seine Anhänger mit Lügen verführt, er habe einen Staatsstreich versucht. Bald werde er so unwichtig sein wie ein alter Tweet.

Die Demokratie sei wie Conans Schwert

Trump sei ein „gescheiterter Führer“ und der „schlechteste Präsident aller Zeiten“, begann Schwarzenegger den zweiten Teil seiner Ansprache: Nach der Warnung kam nun die Selbstvergewisserung. Und wieder bediente er sich seiner Biografie, diesmal der als Actionstar: Er zog das Schwert aus den „Conan“-Filmen hervor.

„Ein Schwert wird besser, je mehr man es härtet“, predigte Schwarzenegger, „und unsere Demokratie wird auch besser, je mehr Härtetests sie übersteht.“

Dafür sei es jetzt nötig, das Land wieder zu einen – hinter dem neuen Präsidenten: „Republikaner und Demokraten müssen jetzt unserem gewählten Präsidenten Biden sagen: Wir wünschen Ihnen viel Erfolg als Präsident. Wenn Sie Erfolg haben, hat unser Land Erfolg.“ Scharf kritisiert der Republikaner Schwarzenegger seine “rückgratlosen” Parteifreunde, die Trump immer noch im Amt hielten. Sie müssten dem Volk dienen, nicht ihrer Partei.

Die Feinde der Verfassung würden niemals siegen, endete Schwarzenegger seine Ansprache aus Hollywood. Nur einen Satz sagte er nicht: „Hasta la vista, Donald.“

Von Jan Sternberg/RND