Joe wäre eine falsche Beringung fast zum Verhängnis geworden (Symbolbild). Quelle: Francisco Seco/AP/dpa

Australien begnadigt Taube Joe

Eine Taube mit einer amerikanischen Kennung an ihrer Beringung ist in Australien der Tötung wegen mutmaßlicher Gefährdung der Biosicherheit entgangen. Das Landwirtschaftsministerium ließ sich am Freitag davon überzeugen, dass die Beringung von Taube Joe gefälscht war und der Vogel deshalb wohl doch nicht 13.000 Kilometer von Oregon nach Melbourne geflogen und damit illegal nach Australien eingereist sei. Die Beringung sei eine „betrügerische Kopie“.

„Nach Ermittlungen ist das Ministerium zu dem Schluss gekommen, dass Joe, die Taube, sehr wahrscheinlich Australier und keine Gefährdung der Biosicherheit ist“, hieß es in einer Mitteilung. Der geschäftsführende Premierminister Michael McCormack hatte vor Abschluss dieser Ermittlungen noch erklärt, falls Joe – benannt nach dem designierten US-Präsidenten Joe Biden – tatsächlich die 13.000 Kilometer von Oregon nach Melbourne geflogen sei, gebe es nach den strengen Commonwealth-Regeln kein Pardon.

„Pech gehabt, Joe“

„Falls Joe auf eine Art eingereist ist, die nicht unseren strengen Biosicherheitsmaßnahmen entspricht, dann Pech gehabt, Joe, flieg entweder heim oder trage die Konsequenzen“, sagte McCormack auf einer Pressekonferenz. Der Gesundheitsminister von Victoria, Martin Foley, plädierte hingegen auf Gnade. „Ich würde die Commonwealth-Quarantäne-Beamten bitten, etwas Mitgefühl zu zeigen“, sagte er.

Der Joe rettende Hinweis kam aus den USA. Eine Managerin der Amerikanischen Brieftauben-Union (American Racing Pigeon Union) in Oklahoma, Deone Roberts, sagte, Joes US-Beringung sei offensichtlich gefälscht. Die Kennung gehöre einer blau gestreiften Brieftaube, Joe ist aber braun-weiß. „Der Ring in Australien ist gefälscht und kann nicht nachverfolgt werden“, sagte sie. „Er (Joe) ist definitiv in Australien zu Hause und nicht in den USA.“ Jemand solle sich den Ring genauer anschauen und sehen, dass der Vogel nicht amerikanisch sei. „Sie müssen ihn nicht töten.“

Vögel mit gefälschten Beringungen

Gefälschte Beringungen nähmen in letzte Zeit zu, sagte Roberts. Die Haltung von Brieftauben und die Teilnahme an Wettbewerben seien in letzter Zeit wieder beliebter geworden. Viele, die in das Hobby einstiegen, kauften, ohne es zu wissen, Vögel mit gefälschten Beringungen. Brieftauben können recht wertvoll sein. Ein chinesischer Brieftaubenfan hat im November für eine in Belgien gezüchtete Taube 1,6 Millionen Euro gezahlt.

Ziemlich abgemagert

Gefunden wurde Joe am 26. Dezember von Kevin Celli-Bird im Hinterhof seines Hauses in Melbourne. Der Vogel sei ziemlich abgemagert gewesen, der Wirbel um dessen möglicherweise illegale Einreise habe ihn überrascht, sagte er. Celli-Bird hatte die US-Brieftaubenunion kontaktiert.

Der Vogel mit dem echten Ring sei bei einem 560-Kilometer-Rennen in Oregon am 29. Oktober verschwunden, teilte dessen Besitzer Lucan Cramer mit. Dass eine Taube den Pazifik überquert, sei nicht unmöglich. „Es kommt vor. Wir haben Vögel in den Vereinigten Staaten, die aus Japan gekommen sind. Es kann möglicherweise vorkommen, aber das ist nicht dieselbe Taube. Es ist noch nicht mal eine Brieftaube.“

RND/dpa