Der Sahara-Staub färbt den Himmel über den Boberger Dünen beim Sonnenaufgang orangefarben. Quelle: picture alliance

Wetterphänomen: So färbte der Saharasand den Himmel über Deutschland

Hannover. An vielen Orten in Deutschland wirkte der erste Blick aus dem Fenster am Dienstag ungewöhnlich: Der Sonnenaufgang sah merkwürdig trüb aus und färbte den Himmel in ein mattes Gelb. Der Grund: Eine seltene Wetterlage sorgt dafür, dass seit Montag größere Mengen an Saharastaub von Afrika nach Europa wehen. Gefährlich ist der Sand nicht. Fällt er stärker aus, bleibt auch mal eine dünne Schicht auf dem Boden liegen. In Deutschland gab es zu Beginn der Woche aber primär einen leichten Schleier vor der Sonne.

Saharasand reflektiert das Sonnenlicht

Die winzigen Partikel im Staub reflektieren das Sonnenlicht – und färben den Himmel so in teils spektakuläre Farben. Das lockt auch viele Hobbyfotografen an: Sie hofften schon am Montagabend auf einen Schnappschuss von dem seltenen Phänomen. Doch ganz so farbenfroh, wie es von manchem wohl erhofft wurde, war das Spektakel noch nicht. Anstelle eines tief orangefarbenen Himmels sahen viele eine leicht eingetrübte Sonne – ein beliebtes Motiv seit Wochenbeginn, auch bei Instagram.

Eine Userin postet am Montag ein Foto aus dem Norden Deutschlands und schreibt dazu: „Die Sonne ansehen, ohne geblendet zu sein … das ist nicht allzu oft möglich.“

Im Süden des Landes hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstagmorgen eine orangegelbe Sonne eingefangen: „Jetzt ist der Saharastaub auch richtig in Bayern angekommen: sehr staubiger Sonnenaufgang am hohen Peißenberg!“

Alle, die bislang noch kein Bild vom Saharastaub gemacht haben oder auf ein imposanteres Farbenspiel hoffen, können aufatmen. Laut Diplom-Meteorologe Dominik Jung wird das Phänomen auch in den kommenden Tagen noch zu beobachten sein. Schon am Dienstagabend komme dann bei klarem Himmel die nächste Chance auf einen Schnappschuss, sagt er der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ). Mit dabei: ein farbenprächtiger Sonnenuntergang.

Saharasand in Deutschland: Wie ist das möglich?

Der orangefarbene Himmel entsteht durch eine Kombination aus meteorologischen Prozessen. „Auf der einen Seite kommt die Kaltluft von Norden nach Europa, auf der anderen Seite die Warmluft aus Nordafrika und Südeuropa“, sagt der Hamburger Meteorologe Frank Böttcher. Der sogenannte Jetstream, also ein Bündel aus sich dynamisch verlagernden Starkwindbändern, ist gestört. Der Staub wird von den Luftmassen transportiert.

„Der Klimawandel erhöht die Zirkulation und macht die Wetterlage extremer“, erklärt TV-Meteorologe Sven Plöger. Die warme Luft, so die Wetterexperten, ströme öfter aus Südosteuropa nach Mitteleuropa. Und wenn sie kommt, sei sie im Mittel zwei Grad wärmer als noch vor 30 Jahren.

RND

Von Jessica Orlowicz/RND