Das von der Polizei geblendete Polaroid-Foto zeigt Jan Philipp Reemtsma bei seinen Entführern mit einer Ausgabe der Bild-Zeitung vom 26. März 1996. Das Foto wurde den Angehörigen als Lebensbeweis übermittelt. Quelle: Polizei/dpa

Chronologie: Thomas Drach und der Fall Reemtsma

Köln. Bei einem nach mehreren Geldtransporter-Überfällen verhafteten 60-Jährigen handelt es sich nach dpa-Informationen um den verurteilten Reemtsma-Entführer Thomas Drach. Die Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma im Jahr 1996 ist einer der spektakulärsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte. 1998 wurde Drach, der Drahtzieher der Entführung, in Argentinien gefasst und Ende 2000 in Hamburg zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Eine Chronologie der Ereignisse.

25. März 1996: Der Hamburger Multimillionär Jan Philipp Reemtsma wird in Hamburg vor seiner Villa überfallen und entführt. Die Täter fordern 20 Millionen Mark Lösegeld.

28. März: Die Familie des Entführten erklärt sich über eine Kleinanzeige in einer Hamburger Tageszeitung für zahlungsbereit.

3. April: Die erste Lösegeldübergabe in Hamburg scheitert. Der Übergabeort an einer Autobahnauffahrt existiert nicht.

14. April: Die zweite Lösegeldübergabe in Luxemburg scheitert, obwohl sich der Überbringer, Gerhard Johann Schwenn, genau an die Anweisungen der Entführer hält.

18. April: Die Kidnapper verlangen eine höhere Lösegeldsumme: 30 Millionen Mark.

24. April: Im dritten Anlauf einer Übergabe dirigieren die Entführer die beiden Überbringer des Lösegelds zunächst quer durch den Norden der Republik. Der Hamburger Pastor Christian Arndt und der Kieler Soziologe Lars Clausen erfahren gegen 5 Uhr morgens, dass die Entführer das Geld an sich genommen haben.

26. April: Jan Philipp Reemtsma wird gegen Zahlung von 30 Millionen Mark in der Nähe von Hamburg freigelassen. 33 Tage hatte er, angekettet an die Wand, in einem Kellerverlies verbracht.

24. Mai: Die Polizei findet in Garlstedt bei Bremen den Kellerraum, in dem der Entführte eingesperrt war.

26. Mai: Wolfgang Koszics, einer der Mittäter, wird in Murcia (Spanien) festgenommen. Die Polizei findet bei ihm 166.000 Mark.

29. Mai: Peter Richter, der ebenfalls an der Entführung beteiligt war, wird im spanischen Málaga fest genommen.

14. Februar 1997: Wolfgang Koszics wird vom Hamburger Landgericht zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Wegen Beihilfe bekommt Peter Richter fünf Jahre Haft.

28. März 1998: Thomas Drach, der mutmaßliche Drahtzieher des Verbrechens, wird in Buenos Aires in Argentinien verhaftet.

29. Juli 2000: Drach wird nach Deutschland ausgeliefert.

13. Dezember: Der Prozess gegen Drach wird vor dem Hamburger Landgericht eröffnet. Drach gesteht, an der Entführung des Multimillionärs beteiligt gewesen zu sein. Das Opfer verfolgt den Prozessauftakt im Gerichtssaal.

7. Februar 2001: Das Gericht lehnt den Antrag der Verteidigung zu Drachs Haftbedingungen ab. Der Entführer strebt eine dreifache, wenigstens jedoch eine doppelte Anrechnung der zwei Jahre und vier Monate in Argentinien an. Dem 40-jährigen Drach droht die Höchststrafe für erpresserischen Menschenraub: 15 Jahre Gefängnis. Reemtsma hält diese für unzureichend. Er fordert „Sicherheitsverwahrung“.

8. März: Drach wird vom Hamburger Landgericht wegen erpresserischen Menschenraubs zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der größte Teil des Lösegeldes aus der Reemtsma-Entführung – 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken – bleibt verschwunden.

25. November 2002: Drachs jüngerer Bruder Lutz wird in Madrid verhaftet, als er nach Südamerika fliegen will. Er wird anschließend zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zur Geldwäsche verurteilt. 2006 korrigierten die Richter das Urteil in der Revision auf sechseinhalb Jahre.

14. April 2004: Thomas Drachs Haftstrafe verlängert sich. Weil er sich mit Gewalt einer gerichtlich angeordneten DNA-Probe widersetzte, verurteilt ihn das Hamburger Amtsgericht wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte zu drei zusätzlichen Monaten Gefängnis.

23. Februar 2006: Wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Nötigung steht Drach erneut vor Gericht. Seine Strafe wird um weitere drei Monate und zwei Wochen verlängert.

Mai 2009: Lutz Drach wird aus dem Gefängnis entlassen.

8. November 2011: Das Hamburger Landgericht verurteilt Drach wegen der versuchten Anstiftung zur räuberischen Erpressung zu einem Jahr und drei Monaten Haft. Das Gericht ist überzeugt, dass er im Februar 2009 aus der Haft heraus versucht hatte, einen Bekannten zur Erpressung seines jüngeren Bruders anzustiften.

19. Juni 2012: Die von Drach gegen die letzte Verurteilung eingelegte Revision wird vom Bundesgerichtshof als offensichtlich unbegründet verworfen.

21. Oktober 2013: Thomas Drach wird aus dem Gefängnis entlassen. Anschließend lebt er eine Zeit lang auf Ibiza bei einem Freund aus Hafttagen.

23. Februar 2021: Drach wird von der niederländischen Polizei verhaftet. Er ist dringend verdächtig, an Überfällen auf Geldtransporter in Köln im März 2018, am Flughafen Köln/Bonn im März 2019 und in Frankfurt am Main im November 2019 beteiligt gewesen zu sein.

RND