300 Mädchen wurden von der Government Girls Junior Secondary School in Jangebe verschleppt - nun sind sie frei. Quelle: Ibrahim Mansur/AP/dpa

Nigeria: 317 entführte Schülerinnen freigelassen

Frankfurt a.M., Abuja. In Nigeria sind am Wochenende Hunderte entführte Schülerinnen und Schüler von bewaffneten Banden freigelassen worden. 317 Schülerinnen aus dem Bundesstaat Zamfara kamen nach Verhandlungen zwischen der Regionalregierung und den Entführern am Sonntag frei, wie die Zeitung „Vanguard“ berichtete. „Die Mädchen wurden freigelassen“, sagte der Sicherheitsminister der Zamfara-Provinz, Abubakar Dauran, am Dienstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte Gourverneur Bello Muhammad Matawalle die Freilassung von 279 Schülerinnen im Kurznachrichtendienst Twitter verkündet. Am Samstag waren bereits 42 Personen, darunter 27 Schüler eines Internats im Ort Kagara im Nachbarbundesstaat freigelassen worden.

Unbekannte hatten in den vergangenen Tagen die beiden Schulen überfallen und Hunderte Personen verschleppt. Die Schüler, Lehrer und Angehörigen aus Kagara befanden sich seit 17. Februar in der Gewalt bewaffneter Milizen; die mehr als 300 Schülerinnen aus dem Ort Jangebe waren am Freitag entführt worden. Details zu den Freilassungen am Wochenende wurden zunächst nicht bekannt, auch wer hinter den beiden Angriffen steckt blieb weiter unklar. Medienberichten zufolge sind damit wahrscheinlich alle in Kagara und Jangebe entführten Personen frei.

UN kritisiert Verletzung von Kinder- und Menschenrechten in Nigeria

Der Vertreter des Kinderhilfswerks Unicef in Nigeria, Peter Hawkins, erklärte am Samstag, erleichtert zu sein über die Freilassung der Schüler aus Kagara. Hawkins kritisierte jedoch, dass Kinder überhaupt zum Ziel von Angriffen würden. UN-Generalsekretär António Guterres hatte die Entführung der Schülerinnen am Freitag scharf verurteilt. Angriffe auf Schulen und Bildungseinrichtungen seien ein schwere Verletzung von Kinder- und Menschenrechten, erklärte ein Sprecher von Guterres. Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari hatte nach den beiden jüngsten Angriffen von einer „Entführungskrise“ gesprochen.

In Nigeria entführen bewaffnete Banden immer wieder Schulkinder, um von den Eltern oder vom Staat hohe Beträge an Lösegeld zu fordern. In Nigeria operieren mehrere bewaffnete Milizen, darunter auch islamistische Gruppen wie Boko Haram. Schätzungen von Unicef zufolge hat allein Boko Haram seit 2013 mehr als 1000 Kinder verschleppt. 2014 sorgte die Entführung von 276 Schülerinnen im Ort Chibok im Norden des Landes weltweit für Schlagzeilen. 107 von ihnen wurden seither befreit oder konnten fliehen, von den anderen 112 Mädchen fehlt noch immer jede Spur.

RND/epd/dpa