Anis Mohamed Youssef Ferchichi (l), bekannt als Rapper Bushido, steht beim Prozess gegen den Chef einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie neben seinem Anwalt. Quelle: ---/dpa Pool/dpa

Bushido im Zeugenstand: Bedrohung von Frau und Kindern war Schock

Berlin. Rapper Bushido hat im Prozess gegen Clanchef Arafat Abou-Chaker seinen einstigen Geschäftspartner als „schlafenden Vulkan“ bezeichnet, der jederzeit ausbrechen könne. Abou-Chaker denke bis heute, dass er ihm gehöre, sagte Bushido am Montag vor dem Berliner Landgericht. Der Rapper betonte, er habe sein Gesicht wiedererlangt, indem er sich gegen Abou-Chaker gestellt habe. Der 42-Jährige wurde schon mehr als 20 Mal als Zeuge vernommen. Auch am 27. Prozesstag wurde Bushido, der auch Nebenkläger ist, von vermummten Personenschützern in den Saal gebracht.

Laut Anklage soll es zu Straftaten zum Nachteil Bushidos gekommen sein, nachdem er 2017 die Beziehungen zu seinem Geschäftspartner aufgelöst habe. Arafat Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und unberechtigt eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an Bushidos Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert. Bushido sei bedroht, beschimpft, im Januar 2018 in einem Büro eingesperrt und mit einer Wasserflasche und einem Stuhl attackiert worden.

Bei dem Treffen im abgeschlossenen Büro sei er vehement beleidigt und als Verräter beschimpft worden, so Bushido. Abou-Chaker habe gleich losgeschrien und gedroht, er werde hier nicht lebend herauskommen.

Familie von Bushido steht unter Polizeischutz

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-jährigen Hauptangeklagten Abou-Chaker Beleidigung, Freiheitsberaubung, versuchte schwere räuberische Erpressung, Nötigung und gefährliche Körperverletzung vor. Mitangeklagt sind drei Brüder des Clanchefs. Bislang schweigen sie.

Auch die Familie von Bushido, bürgerlich Anis Ferchichi, steht unter Polizeischutz. Als er von der Bedrohung von Ehefrau und Kindern im November 2018 erfahren habe, sei er geschockt gewesen, sagte der Musiker. Auf die Frage des Richters, warum er dann nicht gleich zur Polizei gegangen sein, antwortete Bushido: „Das war eine emotionale Entscheidung meinerseits“. Er habe sich angesichts seiner Verzweiflung nicht sofort offenbaren können.

Im Januar 2019 sagte Bushido dann gegen Arafat Abou-Chaker aus. „Weil eine Grenze überschritten worden war“, hatte er in seiner Befragung vor einer Woche betont. Jahrelang habe er „alles geschluckt“ und so getan, als wären er und Arafat Abou-Chaker beste Freunde. Der Clanchef habe versucht, seinen in arabischen Cafés erworbenen Anspruch auf eine juristische Ebene zu pressen und Millionenzahlungen gefordert, sagte Bushido am Montag. Der Prozess wird am 22. März fortgesetzt.

RND/dpa