Anzeige
Sanduk Ruit operiert Menschen mit Grauem Star kostenfrei. Quelle: picture alliance / Pacific Press | Mark Joseph Sullivan

„Der Doktor ist von Gott gesandt“: Arzt in Nepal rettet Menschen vor Blindheit

Lumbini. Neben dem Mayadevi-Tempel, in dem vor mehr als 2600 Jahren Buddha zur Welt kam, stehen Hunderte Menschen vor einer provisorischen Augenklinik an: Mönche in safrangelben Gewändern, alte Bauern und Hausfrauen. Sie alle hoffen darauf, dass ihr schwindendes Sehvermögen wieder hergestellt werden kann. Nur einen Tag später haben die Patienten ihre volle Sehkraft zurück. Operiert wurden sie von dem renommierten nepalesischen Augenchirurgen Sanduk Ruit, der für seine innovativen und kostengünstigen Eingriffe gegen den Grauen Star schon zahlreiche Preise erhalten hat.

In drei Tagen 400 Patienten

Die provisorische Klinik in Lumbini, 288 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Kathmandu, ist eigentlich ein Besucherzentrum. Dank seiner Operationen wie am Fließband konnte Ruit innerhalb von nur drei Tagen fast 400 Patienten behandeln. Sein Ziel sei es, „dass in diesem Teil der Welt niemand mehr an unnötiger Blindheit“ leide, sagt der Arzt, der auch als nepalesischer „Gott des Augenlichts“ bekannt ist. Er wolle sicherstellen, dass seine Dienste allen Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen.

In Nepal haben viele, zumeist arme Patienten von Ruits Arbeit profitiert. Er gründete in Kathmandu das Tilganga-Institut für Augenheilkunde und besucht regelmäßig abgelegene Dörfer in den Bergen und Tiefebenen des Himalaya-Landes. Zusammen mit einem Team aus Experten bietet er dort seine Leistungen an.

Rund 130.000 Eingriffe gegen Grauen Star hat der Arzt nun schon vorgenommen, der sein Angebot nun über die Landesgrenzen hinaus erweitern will. Über eine Stiftung, die er zusammen mit dem britischen Philanthropen Tej Kohli gründete, will er so viele Staaten wie möglich erreichen. Ziel sind 500 000 Operationen in den kommenden fünf Jahren.

Mediziner will Katarakt-Chirurgie global ausweiten

Die Idee hinter der Tej-Kohli-Ruit-Stiftung sei, die sogenannte Katarakt-Chirurgie in Nepal für alle erschwinglich und verfügbar zu machen, erklärt der Mediziner: „Wir werden sie global ausweiten auf andere Teile der Welt, wo sie gebraucht wird.“

Ruit begann seine Laufbahn 1984, als bei Patienten mit Grauem Star noch der gesamte eingetrübte Teil der Linse entfernt wurde und Brillen mit dicken Gläsern verordnet wurden. Er stellte fest, dass die meisten Menschen die Brillen nicht trugen und ein hohes Risiko von Komplikationen bestand. Daher führte er eine einfache Technik ein: Die Trübung wird mittels winzig kleiner Schnitte ohne Naht entfernt und durch eine kostengünstige künstliche Linse ersetzt.

Ruits Kosten für den Eingriff betragen umgerechnet etwa 85 Euro. Für Menschen, die sich die Operation nicht leisten können, ist diese kostenlos. Nur selten müssen Patienten die Nacht im Krankenhaus verbringen. Nepal verfügt nur über eine begrenzte Zahl an Kliniken und medizinischem Personal, die meisten Einwohner haben keinen Zugang zu den Diensten.

Grauer Star kann auch Kinder treffen

Der Graue Star, bei dem ein weißer Film die Augenlinse eintrübt, tritt typischerweise bei älteren Menschen auf, kann aber auch Kinder oder junge Erwachsene treffen. Er macht sich zunächst durch undeutliches Sehen bemerkbar, da das Auge nicht mehr richtig fokussieren kann. In fortgeschrittenem Zustand kann der Katarakt sämtliches Licht blockieren. Grelles UV-Licht wie in hohen Lagen in Nepal ist ein großer Risikofaktor.

In Lumbini sind Patienten und Angehörige voll des Lobes für den Ruit. Der 58-jährige Büroangestellte Bhola Chai, der wegen seines nachlassenden Sehvermögens in Frührente gehen musste, ist begeistert, wieder sehen zu können: „Diese Operation hat mein Leben verändert“, sagt er.

Andere, die bereits von Ruits Arbeit profitierten, verglichen den Arzt mit einem Gott. „Der Doktor ist nicht nur von Gott gesandt, sondern er ist Gott für mich, der mir ein neues Leben gegeben hat“, sagt der Bauer Satindra Nath Tripathi. „Meine Welt war komplett verdunkelt, aber jetzt habe ich ein neues Leben und neues Augenlicht.“ Er freut sich schon darauf, wieder auf seiner Farm arbeiten zu können, wo er Reis, Weizen und Gemüse anbaut.

RND/AP