"Kein Benzin" steht an einer Tankstelle in Canton (Georgia). Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Sprit an US-Tankstellen wird nach Cyberattacke knapp: Kundin füllt Benzin in Plastiktüten ab

Washington. Nach dem Cyberangriff auf die größte Benzin-Pipeline in den USA ist es im Südosten des Landes zu Engpässen an Tankstellen gekommen. Der Experte Patrick De Haan von der Marktanalysefirma Gasbuddy teilte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) auf Twitter mit, im Bundesstaat North Carolina sei an fast zwei von drei Tankstellen kein Benzin mehr erhältlich. In Virginia seien 44 Prozent der Tankstellen betroffen, in South Carolina und in Georgia seien es jeweils 43 Prozent. Auch in anderen Bundesstaaten im Südosten der USA kam es demnach zu Engpässen.

Das führte zu teils kuriosen Szenen. Ein inzwischen millionenfach bei Twitter aufgerufenes Video zeigt eine Frau, die an einer Tankstelle offenbar Benzin in eine Plastiktüte füllt und in ihren Kofferraum legt. Ein anderes, vielfach in Sozialen Medien geteiltes Foto zeigt ein Pärchen mit einem SUV an einer Tankstelle in Alabama, das rund ein halbes Dutzend Benzinkanister im Kofferraum hat.

Die U.S. Consumer Product Safety Commission, eine Verbraucherschutzbehörde, warnte am Mittwoch angesichts der Fälle auf Twitter: „Füllen Sie kein Benzin in Plastiktüten.“ In einem weiteren Tweet heißt es: „Wir wissen, dass dies einfach klingt, aber wenn Menschen verzweifelt sind, hören sie auf, klar zu denken. Sie gehen Risiken ein, die tödliche Folgen haben können. Wenn Sie jemanden kennen, der darüber nachdenkt, einen Container mitzubringen, der nicht für Kraftstoff bestimmt ist, um Benzin hinein zu füllen, teilen Sie ihm bitte mit, dass dies gefährlich ist.“

US-Regierung ruft auf, keinen Kraftstoff zu horten

Doch nicht nur im Südosten der USA sind die Folgen des Cyberangriffs spürbar: In der US-Hauptstadt Washington war nach De Haans Daten jede zehnte Tankstelle betroffen. Autofahrer im Großraum Washington berichteten von leeren Zapfsäulen und von langen Schlangen vor Tankstellen, die noch Treibstoff zur Verfügung hatten. Die US-Regierung hatte die Bürger am Dienstag dazu aufgerufen, keinen Kraftstoff zu horten. „Wir haben Benzin, wir müssen es nur zu den richtigen Orten bringen“, sagte Energieministerin Jennifer Granholm.

Die Knappheit hat die Spritpreise in den USA auf den höchsten Stand seit 2014 getrieben. Der Betreiber Colonial will die Pipeline aber bis Ende der Woche wieder weitgehend zum Normalbetrieb zurückbringen. Das Unternehmen transportiert etwa 45 Prozent aller an der Ostküste verbrauchten Kraftstoffe. Die Firma hatte Ende vergangener Woche nach eigenen Angaben bestimmte Systeme nach einer Cyberattacke vom Netz genommen, um die Bedrohung einzudämmen.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA setzte als Reaktion auf die Knappheit bestimmte gesetzliche Anforderungen an Treibstoffe aus. EPA-Chef Michael Regan sagte am Mittwoch, man sei sich bewusst, dass die Treibstoff-Engpässe wegen des Pipeline-Angriffs „Stress und Verwirrung im Leben der Menschen verursachen“.

RND/seb/dpa