Freitag , 2. Dezember 2022
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Trotz der Corona-Pandemie sind die Statistiken zur Eheschließung nur leicht eingebrochen. Quelle: Friso Gentsch/dpa

Nach über einem Jahr Corona-Pandemie: Standesamt bietet nun Livestream von Trauungen an

Zweibrücken. Bei Trauungen im Rathaus in Zweibrücken können trotz Corona neuerdings wieder alle Angehörigen und Freunde dabei sein. Möglich wird das durch einen Livestream, den das Standesamt zum Jawort des Brautpaares nun für „geladene Gäste“ anbietet. Ein eigener Youtube-Kanal wurde dafür eingerichtet. „Die Paare sind begeistert“, sagt Standesbeamtin Yvonne Langner. Und die „Hochzeitsgesellschaft“ auch: Sie versammele sich oft vor dem Rathaus und verfolge die Trauung live über Handy oder Tablet.

„Die Situation in der Pandemie ist für Brautpaare nicht leicht. Viele wünschen sich für ihren großen Tag ein entsprechendes Fest“, sagt Bürgermeister Christian Gauf (CDU). Mit dem neuen Live-Stream-Angebot könnten Familie und Freunde jetzt beim Jawort ganz nah dabei sein. Langner erzählt, bei sechs Trauungen in den vergangenen Tagen hätten bereits vier Brautpaare das zusätzliche Angebot genutzt.

Livestream beim Standesamt kostet 35 Euro

„Und wir haben jetzt auch Paare in den nächsten Wochen, die das haben möchten.“ Manche wollten auch gerne nur eine Aufzeichnung, die sie dann später bei einer Feier – wenn sich alle wieder treffen dürften – zeigen wollten. Die Einrichtung des Livestreams kostet 35 Euro, ein aufgearbeiteter Mitschnitt der Trauung 15 Euro.

Für eine Aufzeichnung haben sich Patrick und Nicole Frey vor ihrer Trauung spontan entschieden. Als Erinnerung für sich selbst. „Aber auch für die Familie, dass sie sieht, was an dem Tag passiert ist, weil sie nicht live dabei sein konnte“, sagt Nicole Frey in Zweibrücken. Man bekomme die Aufzeichnung zum Downloaden und könne sie dann an Eltern und Co weitergeben. „Das haben die ganz toll gemacht“, sagt das frisch vermählte Paar zu dem Angebot.

Kaum Gäste im Trauzimmer zugelassen

In Zweibrücken sind dieses Jahr bis Pfingsten 67 Ehen geschlossen worden. In 2020 waren es bis dahin 74 gewesen. Derzeit könnten im Trauzimmer in Zweibrücken nur das Brautpaar und die beiden Trauzeugen dabei sein. „Das finden manche Brautpaare schon traurig“, berichtet Langner. Wenigstens noch die Eltern wollten viele dabei haben. Der Raum sei aber unter den geltenden Corona-Regeln zu klein dafür. Der Livestream schließe da eine Lücke.

Das Standesamt Trier bietet solch eine Infrastruktur nicht an. Brautleute hätten aber die Möglichkeit, die Hochzeit über ihr Handy zu „streamen“, sagt der Sprecher der Stadt. Dies sei auch in der Pandemie häufiger gemacht worden, auch an Verwandte in aller Welt, die nicht einreisen konnten. In Trier dürfen derzeit sechs Gäste bei einer Eheschließung dabei sein. Man gehe aber davon aus, dass bald wieder mehr zugelassen würden.

Trotz Corona: Kein Einbruch in der Hochzeitsstatistik

Die Hochzeitsmonate stehen bevor: Den ganzen Sommer über seien fast keine Freitagstermine mehr frei, die Termine an Samstagen bis in den Oktober ausgebucht, sagt der Trierer Sprecher. Bisher habe es 170 Trauungen (2020: 140) gegeben. Das Corona-Jahr 2020 habe nicht zu einem großen Einbruch der Zahlen geführt: In der Statistik standen 576 Trauungen nach 615 in 2019.

Auch in Koblenz wird fleißig getraut: 153 Eheschließungen gab es bereits in diesem Jahr. Und: „Unser Standesamt ist ausgebucht bis Juli. Das entspricht 20 Trauungen pro Woche“, sagt der Sprecher. Darunter seien nur „verschwindend“ wenige Paare, die ihre Hochzeiten aus 2020 verschoben hätten. Insgesamt werde mit noch bestehenden Einschränkungen wegen Corona gelassen umgegangen: „Die Menschen haben sich mit der Situation wohl arrangiert“, sagt er.

Manche Brautpaare wollen auf Trauung im großen Stil warten

In Koblenz dürfen derzeit bei der Trauung neben dem Brautpaar zehn weitere Personen dabei sein. Ein Live-Streaming-Angebot wie in Zweibrücken gibt es nicht. Im Corona-Jahr 2020 gab es in der Rhein-Mosel-Stadt 591 Trauungen, in 2019 waren es 629 gewesen.

Im Standesamt in Mainz darf nur das Brautpaar plus mögliche gemeinsame Kinder mit der Standesbeamtin im Trausaal sein. Man merke schon, dass seit den strengen Regelungen vom November 2020 die Paare zunehmend gelassener geworden seien. Nach wie vor gebe es aber auch wenige, für die „die große Hochzeitsfeier“ überaus wichtig sei. Sie würden „wohl erst wieder Termine anfragen, wenn wieder eine Hochzeit im „großen Stil“ möglich ist“, sagte der Sprecher in Mainz. Dort hatte es 2020 insgesamt 814 Trauungen (2019: 901) gegeben.

Live-Stream auch nach Corona weiter im Angebot

Einigen Paaren komme die Einschränkung der Gästeanzahl dagegen „gelegen, weil sie ohnehin im kleinen Rahmen heiraten wollten und sich jetzt sozusagen keine ‚Ausrede‘ mehr suchen müssen“, teilt die Stadt Trier mit. Aber es gebe auch Diskussionen mit anderen Paaren, die gerne mehr Gäste zulassen wollten. „Einige sind regelrecht in Panik und wollen die Hochzeit eigentlich im großen Stil feiern. Hier bleibt dann nur die Terminverschiebung und die Hoffnung, dass es im Sommer oder Spätsommer besser aussieht.“

Auch in Ludwigshafen herrsche bei Terminen großer Andrang. Manche Tage seien bereits ausgebucht, sagt der Sprecher der Stadt. Zum Teil würden verschobene Termine aus dem Winter nachgeholt. Neben dem Brautpaar sei nur die Trauperson zugelassen. „Die Reaktionen der Brautpaare sind unterschiedlich.“ Die meisten akzeptierten die Lage „recht gelassen oder nur mit geringen Diskussionen“. Nur vereinzelt werde „größerer Unmut“ geäußert. Ein Live-Streaming-Angebot gebe es nicht. 2019 gab es dort 481 Trauungen. 2020 waren es 363.

In Zweibrücken wolle man den Livestream auch nach Corona weiter anbieten. Es komme ja immer wieder vor, dass Angehörige oder Freunde nicht zur Trauung kommen könnten. Zum Beispiel die Oma, die im Pflegeheim lebt und nicht mehr so mobil ist. Oder die Freundin, die im Ausland arbeitet. Aber jetzt komme erst mal die Hauptsaison für Trauungen: „Ich gehe davon aus, dass der Livestream im Juni, Juli und August sehr gut angenommen wird“, sagt Langner.

RND/dpa