Gestikulierend hält der damals Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit auf dem Landesparteitag der SPD in Berlin eine Rede und sagt den legendären Satz: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so.“ Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

„Ich bin schwul – und das ist auch gut so“: Zehn Sätze, die viele Deutsche kennen

Ja, es gibt immer wieder Sätze, die, einst gesprochen, fast eine Ewigkeit halten. Sätze, die in die Geschichtsbücher eingegangen sind. Sätze, die nachhallen, wie „I have a dream“ von Martin Luther King oder „That’s one small step for a man … one giant leap for mankind“ von Neil Armstrong nach der Landung auf dem Mond. Auch „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ von Rosa Luxemburg bleibt unvergessen.

Ein Satz, der sitzt

Jedes Land hat darüber hinaus seine ganz eigenen Sätze. In Deutschland ist der Satz unvergessen, den Klaus Wowereit vor genau 20 Jahren sagte. Bei einem Sonderparteitag der Berlin-SPD verkündete er: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so.“ Der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin (2001-2014) wollte bei seiner Nominierungsrede für Klarheit sorgen und seine Genossen über sein Schwulsein informieren. Der Satz saß. Zum ersten Mal überhaupt hatte sich ein hochrangiger Politiker offen dazu bekannt, homosexuell zu sein, ein Novum.

Und noch andere Sätze haben hierzulande den Weg ins Gedächtnis gefunden. Einige davon waren wichtig, lösten Debatten aus, andere dagegen weniger. Eine kleine Auswahl:

„Wir schaffen das!“ (Bundekanzlerin Angela Merkel, 2015 in der Bundespressekonferenz)

Die Bundeskanzlerin wollte im Hinblick auf die Flüchtlingskrise in Deutschland 2015/2016 und die zunehmende Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland die Bevölkerung auf die Situation einstellen und motivieren. Es gab viel Zuspruch. Eine Welle der Solidarität ging durchs Land, sehr viele Menschen engagierten sich in der Flüchtlingshilfe. Es gab aber eben auch viel Kritik von allen Seiten und der Satz sorgte für eine politische Auseinandersetzung – bis heute.

„Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ (Karl Lagerfeld, 2012 in der Talkshow von Markus Lanz)

Dieser Satz der Modeikone mag manchem Schüler nicht geläufig sein. Er gehört allerdings zu den bekanntesten, die der 2019 verstorbene Karl Lagerfeld geäußert hat. Und er hat eine Menge Sprüche von sich gegeben.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ (der damalige DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961)

Zwei Monate nachdem dieser Satz gefallen ist, ist die Berliner Mauer gebaut worden. Was ihn zu dieser Aussage verleitet hat, weiß bis heute niemand.

„Harry, hol schon mal den Wagen.“( Schauspieler Horst Tappert 1975 in „Derrick“)

Dabei hat Kriminaloberinspektor Derrick diesen Satz in 281 Folgen der Serie „Derrick“ nur ein einziges Mal in ähnlicher Form gesagt: „Harry, wir brauchen den Wagen. Sofort.“ Dieser Satz fiel in der zweiten Folge der Serie mit dem Titel „Johanna“. Entertainer Harald Schmidt befeuerte in den 1990er-Jahren die Legende und machte sich lustig über die Behäbigkeit der 60-Minuten-Filme, die oft arg langsam erzählt waren.

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ (Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, 1980)

Diese etwas schnodderige Antwort gab Alt-Kanzler Helmut Schmidt einst einem Reporter im Wahlkampf.

„Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch, mit Verlaub!“ (der damalige grüne Bundestagsabgeordnete Joschka Fischer, 1984 im Bundestag)

Nach heftigen Tumulten und mehreren Zwischenrufen Fischers im Bundestag will der Vizepräsident Richard Stücklen den Grünen-Politiker von der weiteren Teilnahme der Sitzung ausschließen – so kommt es zu dem Satz. Dieser ist jedoch nicht mehr im Protokoll verzeichnet, da die Sitzung unterbrochen ist. Fischer nimmt den Satz am nächsten Tag zurück.

„Das Internet ist für uns alle Neuland.“ (Bundeskanzlerin Angela Merkel, 2013 bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem US-Präsidenten Barack Obama)

Nach diesem Satz ist innerhalb weniger Minuten der Hashtag #Neuland der meistverbreitete in Deutschland.

„Der Ball ist rund. Das Spiel dauert 90 Minuten.“ (ehemaliger Fußballbundestrainer Sepp Herberger, 1954 in Bern)

Dieser doch eher banale Satz fasst ziemlich gut die beliebteste Sportart in Deutschland zusammen. Es gab sogar eine Musiksendung namens „Der Ball ist rund“, deren Titel sich auf die Fußballweisheit stützt.

„Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“ (der damalige Bundespräsident Roman Herzog am 26. April 1997 in Berlin)

In seiner Rede, die später als sogenannte „Ruck-Rede“ in die Geschichte einging, forderte Herzog die Deutschen dazu auf, die verkrusteten Strukturen in ihrem Land zu überwinden. Er sprach darin unbequeme Wahrheiten an – in der seinerzeit für das Amt eher ungewohnten sprachlichen Direktheit.

„Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen“ (Gesundheitsminister Jens Spahn im April 2020)

Mit diesen Worten bat Spahn um Verständnis für schwierige politische Entscheidungen in der Corona-Krise.

RND/hma