Erhebt schwere Vorwürfe: Klägerin B. mit ihrem Anwalt Florian Hans vor dem Arbeitsgericht. Quelle: Manuel Behrens

Arzt soll Angestellte in Praxis mit Corona infiziert und ihr dann gekündigt haben

Hannover. Es ist ein Fall fürs Arbeitsgericht. Sandra B., die in einer Gemeinschaftspraxis für Orthopädie in Hannover gearbeitet hat, erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Chef. Der Praxisbetreiber soll erst das Coronavirus verharmlost haben, dann wurde der Orthopäde selbst krank und soll mehrere Angestellte infiziert haben. Unter ihnen Sandra B., die arbeitsunfähig wurde und daraufhin die Kündigung erhielt.

Dagegen wehrte sich B. mit einer Kündigungsschutzklage. Sie sieht in ihrem Rauswurf eine Maßregelung, weil sie seit der Krankheit ihren Job nicht mehr machen konnte, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ) am Freitag. Außerdem forderte B. 10.000 Euro Schmerzensgeld vom Praxisbetreiber für die Gesundheitsschäden.

Klägerin hat immer noch Atemnot

Nach Angaben der Zeitung sagte B. in der Verhandlung am Donnerstag, dass der schwere Krankheitsverlauf und Langzeitfolgen wie Atemnot, Wortfindungs- und Konzentrationsstörungen ihr bis heute zu schaffen machten, sie habe seit der Infektion nicht mehr arbeiten können. Zum 31. Mai war ihr gekündigt worden.

Vor dem Arbeitsgericht erteilte der Richter der Kündigungsschutzklage allerdings eine Absage. Begründung: Das einschlägige Gesetz ist seit 2004 nur auf Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern anwendbar – die Orthopädiepraxis liegt unterhalb dieser Angestelltenzahl. Auch auf die veranschlagte Schmerzensgeldsumme kann Sandra B. nicht hoffen. Die Parteien einigten sich auf 1250 Euro Abfindung, wie die „HAZ“ berichtet.

Der Anwalt des Orthopäden dementierte vor dem Richter, dass die Praxis der Infektionsort gewesen sei. Einen Vorsatz, B. anzustecken, habe es nicht gegeben. Ob die Klägerin nun wegen Körperverletzung vor das Amtsgericht ziehen wird, darüber machte ihr Anwalt keine Angaben.

Mediziner habe sich über Maskenträger lustig gemacht

Nach Darstellung der Klägerin soll der Mediziner mit seinem Verhalten immer wieder gegen Corona-Schutzmaßnahmen verstoßen haben. Er selbst habe in der Praxis keine Maske getragen und sich über Maskenträger obendrein lustig gemacht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten außerdem immer nur kurz lüften dürfen.

An einem Montag Anfang Dezember wurde bei dem Arzt eine Corona-Infektion nachgewiesen, berichtet die „HAZ“. Anstatt sich in Quarantäne zu begeben, soll er weiter mit Fieber und Gliederschmerzen in die Praxis gekommen sein, wirft B. ihm vor. Gegenüber der Zeitung wollte sich der Anwalt des Orthopäden nicht zu den Vorwürfen äußern. Die Güteverhandlung hatte in Abwesenheit des Arztes stattgefunden.

RND/hma