Das wird unübersichtlich: Das Sommerwetter sorgt schon jetzt für dichtes Gedränge am Sandstrand in Zinnowitz auf der Insel Usedom. Für die Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer heißt das eine Menge Arbeit. Quelle: imago/Jens Koehler

Retter sind wegen vieler Nichtschwimmerkinder an den Stränden in Alarmbereitschaft

Während der Corona-Pandemie gab es lange Zeit keine Schwimmkurse. Das hat zur Folge, dass mindestens zwei Grundschuljahrgänge keine Chance hatten, schwimmen zu lernen. An den Strand gehen sie trotzdem. Die Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer an der Ostsee sind alarmiert.

In der „Ostsee-Zeitung“ (OZ) berichtet Alexander Christl aus dem sächsischen Dresden, dass sein sechsjähriger Sohn Eric noch nicht einmal ein Seepferdchen-Abzeichen habe. „Zweimal wurde der Schwimmkurs in der Kita abgebrochen, das erste Mal im April vergangenen Jahres, dann im September“, berichtet er der Zeitung. Die Familie macht derzeit Urlaub in Prerow auf dem Darß. Auch der kleine Eric geht bei Sonnenschein in die Ostsee – allerdings passt der Vater nach eigenen Angaben auf, dass der Junge nicht den Grund unter den Füßen verliert.

Ein ganzes Land konnte nicht ins Schwimmbad gehen

Weil ein ganzes Land fast ein ganzes Jahr lang nicht ins Schwimmbad gehen konnte, sind die Rettungskräfte in diesem Sommer an den Küsten besorgt. Vor der Corona-Pandemie galten nach DLRG-Angaben knapp 60 Prozent der Grundschülerinnen und -schüler als nicht sichere Schwimmer. Das Problem habe sich durch Corona weiter verschärft. „Wir werden viele Nichtschwimmerkinder an den Stränden haben. Dazu kommen Erwachsene, denen ebenfalls ein Jahr Schwimmpraxis fehlt“, sagt Renaldo Hocher, Geschäftsführer des DLRG-Landesverbandes in Mecklenburg-Vorpommern, gegenüber der „OZ“.

Allein in MV fielen für 15.000 Kinder die Kurse aus

Allein für Mecklenburg-Vorpommern rechnen die Rettungsschwimmer von DLRG und DRK-Wasserwacht mit rund 15.000 Grundschülerinnen und -schüler, die wegen der pandemiebedingten Schließung der Schwimmbäder im vergangenen und diesem Jahr nicht schwimmen lernen konnten. Und das ist nur die Zahl für ein Bundesland.

Für den Juli und den August rechnet man an der Ostsee mit vollen Stränden. Viel Arbeit für die Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer, die selbst Probleme hatten, ausreichend für die Saison zu trainieren und Schwimmpraxis zu sammeln. Viele nutzen deshalb ihre Freizeit, um das ausgefallene Wintertraining nun in der Ostsee nachzuholen. Für die Gäste bieten die Wasserretter vielerorts Sommerschwimmkurse auch für Urlauberkinder an.

Allein an den Stränden in Mecklenburg-Vorpommern werden nach Angaben der „OZ“ 1300 Rettungsschwimmer bei der Wasserwacht für Sicherheit sorgen, 1700 Rettungsschwimmer bei der DLRG.

RND/hma